Frage
Ich würde mich gerne erkundigen, ob der Vertrieb von NAD bzw. NADH und anderen ähnlichen Nahrungsergänzungsmitteln auf Amazon komplett legal ist. Und stimmt es, das NADH einen Energieschub auslöst? NMN soll sogar lebensverlängernd wirken?
Antwort
NAD+ (Nicotinamidadenindinukleotid) bzw. NADH ist als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt. Laut EU-Novel-Food-Katalog ist NAD+/NADH aber nur in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig, in allen anderen Lebensmitteln gilt es als nicht erlaubte neuartiges Lebensmittelzutat. Das in Nahrungsergänzungsmitteln enthaltene NADH ist keine natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommende Substanz, auch wenn Hefen oder Hopfen als Ausgangssubstrat dienen.
Für chemisch Interessiert: NAD+ ist die oxidierte Form, die Elektronen aufnehmen kann (biologisch aktive Form), während NADH die reduzierte Form ist und bereits Elektronen (Wasserstoffatome) aufgenommen hat, wodurch es als Energieträger fungiert.
NAD+(auch als Coenzym 1 bezeichnet) ist also ein energielieferndes Co-Enzym der Atmungskette. NAD+ wird von den Mitochondrien, also den Kraftwerken der Körperzellen, benötigt, um Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP) erzeugen können. NAD+ hilft aber auch beim Abbau von Kohlenhydraten und Alkohol im Körper. Es wird im Körper aus Niacin (Vitamin B3), Nicotinamid und auch aus Abbauprodukten der Aminosäure Tryptophan produziert. Der NADH-Haushalt des Körpers reguliert sich selbst. NADH hat keine ernährungsphysiologische Bedeutung. Ein Mangel entsteht nur bei ausgeprägter Mangelernährung. Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene tägliche Zufuhr des Ausgangsvitamins Niacin wird in der Regel erreicht und sogar überschritten.
Aussagen, dass der zusätzliche Konsum von NADH einen Energieschub auslösen kann, stimmen nicht, da die Substanz nach dem Schlucken verdaut und gar nicht vom Körper aufgenommen wird. Behauptungen, wonach die zusätzliche Einnahme von NADH das Konzentrationsvermögen verbessert, den Alterungsprozess umkehrt und sogar bei Demenz hilft, sind für Nahrungsergänzungsmittel wissenschaftlich nicht belegt und damit wegen Irreführung nicht erlaubt. Aussagen in Zusammenhang mit Erkrankungen (wie Demenz) sind für Nahrungsergänzungsmittel sogar explizit verboten. Aktuell gibt es keinerlei zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen für NAD+/NADH.
Schädlich ist NADH nicht. In der Schweiz sind bis zu 20 mg/Tag NADH in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt. In der EU gibt es keine Mengenbeschränkung, der Hersteller ist verantwortlich für eine sichere Tagesdosis.
Nicotinamidmononukleotid
dagegen ist laut EU-Novel-Food-Katalog eine neuartige Zutat und darf weder in Nahrungsergänzungsmitteln noch in anderen Lebensmitteln verwendet werden. Das hatte schon 2021 das Verwaltungsgericht Würzburg (Az. W 8 S 21.258, Beschluss vom 10.03.2021) bestätigt. Gleiches gilt für die Schweiz.
Bereits 2022 wurden in der EU ein Antrag auf Novel-Food-Zulassung für ß-NMN gestellt, der aber zurückgezogen wurde. Seitdem wurden noch einige weitere Anträge gestellt. Erste Entscheidungen werden im Frühjahr 2026 erwartet. In den USA durfte NMN lange Zeit nicht als „Dietary Supplement“ verkauft werden. Seit Herbst 2025 nun ist das in den USA erlaubt.
Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) ist ebenfalls eine Vorläufersubstanz von Stoffen, die in menschlichen Körperzellen eine wichtige Rolle als Energielieferanten spielen. Es ist ebenfalls ein Abkömmling des Vitamin B3 (Niacin). Im Körper wird es zu NAD+ (siehe oben) umgebaut.
Natürlicherweise kommt NMN zum Beispiel in unreifen Sojabohnen (Edamame), Brokkoli oder Gurken vor.
Junge Menschen haben höhere NAD+-Spiegel, mit dem Alter sinken sie. Die Idee ist also: Die NAD-Spiegel anheben, indem man eine Vorstufe davon zu sich nimmt, wie eben NMN, und dadurch jung zu bleiben. Dass die NAD-Blutspiegel steigen, wenn man NMN nimmt, ist bewiesen. Es ist aber nicht bekannt, ob das NMN aus dem Blut in den Herzmuskelzellen oder im Gehirn ankommt. Wissenschaftliche Belege dafür, dass NMN als Nahrungsergänzung für Menschen quasi ein "Jungbrunnen“ ist, gesünder und vitaler machen, und das Leben verlängert, gibt es nicht. Es gibt aus klinischen Studien lediglich Hinweise darauf, dass einzelne Aspekte, die mit dem Alterungsprozess in Verbindung stehen, von NMN positiv beeinflusst werden könnten. Ob das aber zu einem längeren Leben "Longevity" führt, muss sich noch zeigen. Für Nahrungsergänzungsmittel ist auch immer wichtig, dass die Studien an gesunden Menschen gemacht wurden, da sie als Lebensmittel anders als Arzneimittel keine therapeutische Wirkung haben dürfen. Insgesamt muss sich die Datenlage noch bessern, bevor NMN-haltige Produkte sicher vermarktet werden können.
Auch die Sicherheit von NMN als Nahrungsergänzungsmittel ist bisher nicht nachgewiesen. Viele Anbieter-Seiten schreiben daher: „Bei NMN (Nicotinamid Mononukleotid) handelt es sich nach deutschem und europäischem Recht um eine Chemikalie, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist.“ Damit sind natürlich auch die Reinheits- und Hygieneanforderungen nach Lebensmittelrecht nicht nötig. Konkret bedeutet das, wenn Sie durch die Einnahme solcher Produkte gesundheitlichen Schaden erleiden, ist das ganz alleine Ihr Problem, denn Sie haben sich nicht an die Handlungsanweisungen des Anbieters gehalten.
Der Krebsinformationsdienst weist darauf hin, dass NAD und verwandte Substanzen nicht nur für gesunde Zellen wichtig sind, sondern auch für Krebszellen. Eine zusätzliche Zufuhr könnte theoretisch auch das Wachstum von Tumoren begünstigen.
Quellen:
EU-Novel-Food-Katalog (zuletzt abgerufen am 16.01.2026)
Open EFSA: Application for authorisation of β-Nicotinamide Mononucleotide (β-NMN) as a novel food. Novel Food Application EFSA-Q-2025-00116. Stand: 16.01.2026
Open EFSA: beta-Nicotinamide mononucleotide (zuletzt abgerufen am 16.01.2026)
EU-Kommission: Summary of applications and notifications (zuletzt abgerufen am 16.01.2026)
Meixner J (2024): Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) - spekulative Versprechen. medizin transparent, Stand: 21.03.2024 (zuletzt abgerufen am 16.01.2026)
MSKCC: Nicotinamide. Purported Benefits, Side Effects & More. Stand: 21.02.2023 (zuletzt abgerufen am 16.01.2026)
Verordnung des EDI vom 16. Dezember 2016 über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), Fassung vom 01.02.2024 (zuletzt abgerufen am 16.01.2026)
NADH-Supplementation: Kritische Stellungnahme. Stellungnahme von Prof. Dr. Andreas Hahn, Universität Hannover, Institut für Lebensmittelwissenschaft, am Zentrum für Angewandte Chemie, Abt. Ernährungsphysiologie und Humanernährung, vom 20.09.2000
Song Q et al. (2023): The Safety and Antiaging Effects of Nicotinamide Mononucleotide in Human Clinical Trials: an Update. Advances in Nutrition 14: 1416–1435
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Yi L et al. (2023): The efficacy and safety of β-nicotinamide mononucleotide (NMN) supplementation in healthy middle-aged adults: a randomized, multicenter, double-blind, placebo-controlled, parallel-group, dose-dependent clinical trial. Geroscience 45(1): 29-43
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Daniells S: FDA declares NMN lawful in dietary supplements. Stand: 30.09.2025 (zuletzt abgerufen am 16.01.2026)
Deutsches Krebsinformationszentrum (2024): Nahrungsergänzungsmittel: NADH gegen Krebs? (zuletzt abgerufen am 16.01.2026)