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Einspeisevergütung und Eigenstromnutzung

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Die Wirtschaftlichkeit eines Blockheizkraftwerks hängt, neben dem Wärmeverbrauch, wesentlich davon ab, inwiefern sich die hohen Anschaffungskosten durch den selbst erzeugten Strom bezahlt machen. Neben der gesetzlichen Stromvergütung bietet es sich an, einen möglichst großen Teil des Stroms selbst zu nutzen, da dies in der Regel einen größeren finanziellen Vorteil bringt.

Vergütung des erzeugten Stroms

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, sich den erzeugten Strom vergüten zu lassen. Für eine muss sich der Betreiber am Ende entscheiden. Die beiden Möglichkeiten sind: die Vergütung nach

  • dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWK-Gesetz), das für alle KWK-Anlagen infrage kommt, oder
  • dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).
Die Vergütung nach EEG ist nur möglich, wenn das BHKW mit Biomasse im Sinne der Biomasseverordnung betrieben wird. Der Betreiber erhält dann eine etwas höhere Vergütung für jede eingespeiste Kilowattstunde.

Vergütung nach KWK-Gesetz

Die Vergütung für eingespeisten Strom setzt sich aus drei Teilen zusammen: dem so genannten "üblichen Preis", dem Zuschlag nach KWK-Gesetz und den infolge der dezentralen Erzeugung vermiedenen Netzkosten.

1. Der "übliche Preis"

Was der eingespeiste Strom wert ist, ist Verhandlungssache mit dem Netzbetreiber. Falls kein Preis vereinbart wurde, gilt der "übliche Preis". Als "üblichen Preis" bezeichnet man den an der Leipziger Strombörse EEX erzielten durchschnittlichen Preis des Baseload-Stroms des vorangegangenen Quartals.

Für das dritte Quartal 2015 betrug der durchschnittliche Preis für Baseload-Strom 3,284 Cent pro Kilowattstunde ("KWK-Index"). Wie die folgende Abbildung zeigt, unterliegt die Höhe des üblichen Preises über einen längeren Zeitraum aber nicht unerheblichen Schwankungen.

2. KWK-Zuschlag

Nach dem KWK-Gesetz wird für jede erzeugte Kilowattstunde ein Zuschlag gezahlt, unabhängig davon, ob der Strom selbst genutzt oder ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Voraussetzung für die Förderung ist eine Zulassung der KWK-Anlage durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Der Zuschlag wird nur erteilt, wenn die Anlage neu ist bzw. ihre Hauptkomponenten neu sind oder wenn die Anlage modernisiert wurde. Der Zuschlag wird ab Dauer der Inbetriebnahme gezahlt, wenn der Antrag im selben Jahr gestellt wird. Wird der Antrag erst später gestellt, so wird die Vergütung rückwirkend ab dem 1. Januar des Jahres gezahlt, in dem der Antrag gestellt wurde.

Die Höhe des Zuschlags ist abhängig von der elektrischen Leistung des BHKW und wird für Anlagen mit einer elektrischen Leistung von maximal 50 Kilowatt ab 1. Januar 8 Cent pro Kilowattstunde betragen. Dieser Zuschlag wird für 60.000 Vollbenutzungsstunden - gerechnet ab dem Zeitpunkt der Aufnahme des Dauerbetriebs - vom Netzbetreiber gezahlt. Der selbst verbrauchte Strom erhält einen verringerten Zuschlag von 4 Cent pro Kilowattstunde.

Betreiber sehr kleiner Anlagen bis zu einer elektrischen Leistung von 2 Kilowatt können sich den Zuschlag auch pauschal vorab für 60.000 Vollbenutzungsstunden auszahlen lassen. Dies entspräche einem Zuschlag von 2.400 Euro pro Kilowatt elektrische Leistung.

  • 10 Jahre oder wahlweise 30.000 Volllaststunden gezahlt, wenn die Kosten der Modernisierung mindestens 50 Prozent der Kosten für die Neuerrichtung der KWK-Anlage betragen
  • 5 Jahre oder wahlweise 15.000 Volllaststunden gezahlt, wenn die Kosten der Modernisierung mindestens 25 Prozent der Kosten für die Neuerrichtung der KWK-Anlage betragen.

3. Vergütung der vermiedenen Netzkosten

Das BHKW stellt Strom direkt am Ort bereit. Der örtliche Netzbetreiber verteilt den eingespeisten Strom weiter. Da der Strom also nicht über lange Strecken transportiert werden muss, fallen keine Kosten für die Netznutzung an. Diese "vermiedenen" Netznutzungskosten werden dem Betreiber des BHKW gutgeschrieben. Die Berechnung erfolgt gemäß der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV). Leider besteht noch keine festgesetzte Vergütung für kleine BHKW. Die einfachste Vorgehensweise besteht darin, dem Netzbetreiber die Netzkosten in Rechnung zu stellen, die der Versorger auf seiner Homepage (ggf. auf Anfrage) als vorgelagerte Netzkosten bezeichnet. In der Praxis werden 0,4 bis 1,5 Cent pro Kilowattstunde an vermiedenen Netznutzungsentgelten vergütet.

Die gesamte Einspeisevergütung für ein BHKW mit einer elektrischen Leistung von maximal 50 kW summiert sich dann beispielsweise auf folgenden Wert:

  Üblicher Preis 3,28 Cent pro kWh
+ KWK-Zuschlag 8 Cent pro kWh
+ Vermiedene Netzkosten 0,50 Cent pro kWh
= Einspeisevergütung 11,78 Cent pro kWh

 

Die Alternative: Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG)

Alternativ zur Förderung nach dem KWK-Gesetz kann auch die Strom-Vergütung nach §§ 44 bis 47 EEG in Frage kommen. Voraussetzung ist der Betrieb eines BHKW mit Biomasse im Sinne der Biomasseverordnung. Die Vergütung wird 20 Jahre lang gewährt zuzüglich dem anteiligen Jahr der Inbetriebnahme. Alle Anlagen bis 500 kW erhalten die garantiere Einspeisevergütung; größere Anlagen unterliegen der Pflicht zur Direktvermarktung. Wie viel der Betreiber bekommt, richtet sich nach der Anlagenleistung. In der kleinsten Leistungsklasse beträgt die garantierte Einspeisevergütung für BHKW-Biomasseanlagen 13,66 Ct/kWh. Wird das Biogas durch die Vergärung von Bioabfällen gewonnen, beträgt die Vergütung in der kleinsten Leistungsklasse 15,26 Ct/kWh. Anlagen, die Biogas aus der Vergärung von Gülle einsetzen und deren Anlagenleistung maximal. 75 kW beträgt, bekommen eine Vergütung von 23,73 Ct/kWh.

Eigene Nutzung des Stroms

In der Regel ist es lohnender, den BHKW-Strom selbst zu nutzen, als ihn gegen Vergütung ins Netz einzuspeisen und selbst benötigten Strom dafür "extern" einzukaufen: Eine Kilowattstunde Strom kostet für Haushaltskunden im Schnitt 24 Cent (netto). Die Vergütung für den eingespeisten Strom, bestehend aus dem üblichen Börsenpreis und den vermiedenen Netznutzungsentgelten (VNN), ist hingegen viel geringer. Den staatlich geförderten KWK-Zuschlag erhält man unabhängig davon, ob man den Strom einspeist oder selbst nutzt. In der Beispielrechnung ergibt sich ein geldwerter Vorteil von ca. 20 Cent für jede Kilowattstunde Eigenstromnutzung gegenüber der Einspeisung ins öffentliche Netz. Um die Eigenstromnutzung weiter zu optimieren, ist in Zukunft auch die Kombination eines BHKWs mit einem Batteriespeicher denkbar. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Anschaffungskosten für einen Speicher allerdings noch sehr hoch.

 

Vergütung Netzeinspeisung versus Eigenstromnutzung1
  Netzeinspeisung in Ct/kWh (netto)   Eigenstromnutzung in Ct/kWh (netto)
KWK-Zuschlag 8   4
„üblicher Preis“ (hier: KWK-Index, 3. Quartal 2013) 3,28   -
VNN (hier Netzbetreiber Düsseldorf) 0,46   -
Ersparte Strombezugskosten -   27
Summe 11,74   31
Vorteil Eigenverbrauch in Ct/kWh in diesem Beispiel   19,26  

1Beispielrechnung für Familie Mustermann in Düsseldorf

 

EEG-Umlage bei Eigenverbrauch

Mit dem neuen EEG, das zum ersten August 2014 in Kraft getreten ist, ist bei Eigenversorgung aus KWK-Anlagen eine reduzierte EEG-Umlage auf den selbst genutzten Strom zu zahlen. Betreiber von Bestandsanlagen, die schon vor dem ersten August 2014 Strom aus der eigenen Anlage genutzt haben, müssen weiterhin keine EEG-Umlage zahlen. Bis Ende 2015 beträgt die EEG-Umlage auf den selbst genutzten Strom 30 Prozent%, 2016 beträgt sie 35 Prozent und ab 2017 40 Prozent. Es gibt eine Ausnahme: Bei BHKWs bis zu einer elektrischen Leistung von 10 kW ist die Nutzung selbst erzeugten Stroms bis zu 10.000 Kilowattstunden von der Zahlung der EEG-Umlage ausgenommen.

Um zu verdeutlichen, welche Anlagen von dieser Regelung betroffen sein werden, haben wir ein Beispiel für Sie:

Ein BHKW mit 2kW elektrischer Leistung, das 5000 Betriebsstunden im Jahr läuft, erzeugt 10.000 kWh Strom. Nutzen die Betreiber die Hälfte des Stroms selbst, müssen sie auf die selbst genutzten 5000 kWh Strom keine EEG-Umlage zahlen. Während die Betreiber von kleineren BHWKs in Ein- und Zweifamilienhäuser also von der Ausnahmeregelung profitieren, dürfte die neue Regelung zu einer Umlagebelastung für BHKW-Betreiber in Mehrfamilienhäusern führen.