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Wissenswertes über Ökostrom

Stand:

Der Trend zu Ökostrom hält an: mittlerweile beziehen rund 6 Millionen Haushalte und Gewerbekunden in Deutschland Ökostrom. Doch nicht jeder Ökostromtarif hält, was er verspricht.

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Steckdose auf Wiesenhintergrund
Foto: stockphoto-graf / Fotolia.com

In Deutschland gibt es zwei parallele Wege, die den Ausbau von erneuerbaren Energien voranbringen: über gesetzliche Fördermechanismen, also das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), und über den freiwilligen Bezug von Ökostrom. Hauptsächlich verantwortlich für den erfolgreichen Ausbau der Erneuerbaren ist das EEG. Betreiber von Wind-, Biomasse-, Photovoltaik- oder Geothermieanlagen können ihren Strom über das EEG zu einem festen Tarif vergüten lassen. Obwohl dieser Strom aus regenerativen Quellen stammt, ist er nicht von konventionell erzeugtem Strom unterscheidbar, sobald er ins Stromnetz eingespeist wird. An der Börse wird er daher als "Graustrom" gehandelt.

Dieser Strom, der bereits über das EEG gefördert wird, darf Kunden in der Regel nicht als Ökostrom verkauft werden. Denn mit der EEG-Vergütung erhalten Betreiber von erneuerbaren Erzeugungsanlagen bereits eine auskömmliche Finanzierung für den erzeugten Strom. Das so genannte Doppelvermarktungsverbot verhindert, dass die gleiche Strommenge zweimal, also einmal über das EEG und zusätzlich als Ökostrom, gehandelt werden kann.

Ökostrom kommt meist aus dem Ausland

Für Anbieter von Ökostrom heißt das, dass sie einen Großteil ihrer Ökostrommengen aus dem Ausland beziehen müssen. Das ist zum einen möglich, weil europaweit die Nachfrage nach Ökostrom geringer ist als das Angebot. Zum anderen sind die Fördersysteme von erneuerbaren Energien zumeist weniger ausgeprägt als in Deutschland. Wer zu einem zertifiziertem Ökostromtarif wechselt, fördert daher den Ausbau regenerativer Energien derzeit vor allem im europäischen Ausland.

Impulse für den Bau von Anlagen zur erneuerbaren Stromerzeugung entscheidend

Die Energiewende bringt vor allem der Bau weiterer Anlagen zu erneuerbarer Stromerzeugung voran. Keinen zusätzlichen Umweltnutzen hat zum Beispiel der Verkauf von Strom, der aus alten Wasserkraftanlagen erzeugt wird. Anbieter haben bei der Vermarktung aber ein leichtes Spiel, denn der Begriff "Ökostrom" ist weder genau definiert noch gesetzlich geschützt. Im Moment helfen vor allem Gütesiegel, um Ökostrom mit tatsächlichem Umweltnutzen von Strom zu unterscheiden, dem nur ein grüner Anstrich verpasst wurde.

Durchblick im Ökostrom-Labeldschungel

Derzeit existiert eine Vielzahl an Ökostrom-Labeln. Nur wenige von ihnen legen fundierte Kriterien bei der Labelvergabe zugrunde und schaffen Transparenz durch einen dokumentierten Zubau von erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale erfüllen zurzeit das ok-power Siegel, das Grüner-Strom-Label und die Liste EcoTopTen des Öko-Instituts in Freiburg strenge Anforderungen an Ökostromlabel und leisten damit einen echten Beitrag zum Ausbau von Erneuerbaren.

Herkunftsnachweise: kein Ökostrom-Siegel

Deutlich zu unterscheiden von Ökostrom-Zertifikaten sind Herkunftsnachweise (HKN) für Strom aus erneuerbaren Energien. Diese an der Strombörse handelbaren Nachweise (HKN) dokumentieren, wenn ein Anlagenbetreiber Strom aus erneuerbaren Energien in das Stromnetz einspeist. Das Zertifikat bescheinigt, dass genau diese Strommenge in das Netz eingespeist wurde, und genau diese Strommenge wird entwertet, wenn der Strom genutzt wird. So ist gewährleistet, dass Ökostrom nicht mehrfach verkauft wird. Darüber hinaus enthält ein HKN weitere Informationen, zum Beispiel zu Alter und Standort der Öko-Anlage sowie zur Art und Weise der Produktion. Allerdings werden dabei keine Ansprüche an die Art der Erzeugung und das Alter der Anlage gestellt. Bei Ökostrom-Siegeln hingegen kommt es genau auf diese Informationen an. Diese Siegel setzen nur HKN ein, die ihren jeweiligen Ansprüchen genügen. Hier werden zum Beispiel ausschließlich Herkunftsnachweise berücksichtigt, die belegen, dass die Anlage nicht älter als sechs Jahre ist. In Deutschland erstellt, entwertet und verwaltet das Umweltbundesamt die Herkunftsnachweise.