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Energie-Anbieter: Angebote und Preise vergleichen

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wer überlegt, den Anbieter zu wechseln, sollte vorher Preise vergleichen. Dabei helfen Tarifrechner; aber sie sollten mit Bedacht genutzt werden.
  • Neben dem Preis gibt es etliche weitere Punkte, denen Sie bei der Auswahl unbedingt Ihr Augenmerk schenken sollten. Stichworte: Neukundenbonus, Vertragslaufzeit,  Paketpreise, Preisgarantien.
  • Preisgarantien sind oftmals eingeschränkt und sollten bei der Tarifwahl außer Acht gelassen werden.
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Bevor Sie auf die Suche nach einem neuen Tarif gehen, klären Sie Ihre derzeitige Kündigungsfrist. Haben Sie noch nie aktiv einen Strom- oder Gasvertrag abgeschlossen, sind Sie Kunde in der sogenannten Grundversorgung. Dann können Sie jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Sind Sie nicht in der Grundversorgung, so gelten Sie als „Sonderkunde“. Dann müssen Sie Ihre Fristen Ihren Unterlagen entnehmen oder bei Ihrem bisherigen Anbieter erfragen.

Grund- und Arbeitspreis

Die zentrale Größe für die Höhe der Strom- oder Gasrechnung ist in der Regel der sogenannte Arbeitspreis. Dieser wird in Cent pro Kilowattstunde angegeben und ist somit direkt vom Verbrauch abhängig. Der zweite wichtige Bestandteil des Energiepreises ist der vom Verbrauch unabhängige Grundpreis (zum Teil noch unterteilt in einen Leistungs- sowie einen Mess- und Verrechnungspreis). Er macht üblicherweise einen deutlich kleineren Anteil aus.

Inzwischen gibt es Versorger, die nur noch einen Arbeits- und keinen Grundpreis mehr haben. Ein solcher sogenannter linearer Tarif bietet Anreiz zum Energiesparen und kann für Verbraucher vorteilhaft sein, die einen geringen Verbrauch haben.. Sowohl beim Strom- als auch beim Gasbezug ist allerdings meist ein geringer Mindestbezug vereinbart.

Als Richtschnur für den zu erwartenden Verbrauch dienen die Werte der Vergangenheit. Wer also eine Vorjahresrechnung hat, kann den Verbrauch daraus übernehmen. Beim Gas sind jedoch einige Besonderheiten zu berücksichtigen.

Preise vergleichen mit einem Tarifrechner

Vor einem Wechsel des Anbieters sollten Sie unbedingt Preise vergleichen. Hilfreich zur ersten Orientierung und Vorauswahl günstiger Angebote sind Tarifrechner im Internet. Nach Eingabe des persönlichen Jahresverbrauchs und der Postleitzahl liefern diese Portale einen Vergleich der aktuellen Preise verschiedener Versorger.

Die meisten Tarifrechner arbeiten allerdings auf Basis von Vermittlungsprovisionen; sie sind also finanziell nicht unabhängig von den Anbietern. Auch finden sich in den Ranglisten der günstigsten Angebote oft Tarife, bei denen die Vertragsbedingungen verbraucherunfreundlich sind. Tarifrechner übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Kontrollieren Sie daher vor Vertragsabschluss mit dem Energieanbieter, ob die Preise Vertragskonditionen sind wie erwartet.

Der Preis ist jedoch nicht alles. Beachten Sie auch folgende Punkte:

  • Vorsicht bei Angeboten mit hohem Neukundenbonus. In der Regel wird der Bonus nur gewährt, wenn man mindestens ein Jahr beliefert wird. Nicht immer kann man aber das Vertragsverhältnis auch zu diesem Zeitpunkt beenden. Häufig gibt es im Kleingedruckten Einschränkungen. Lesen Sie bei Bonustarifen also stets die AGB!
  • Vertragslaufzeit: Unsere Empfehlung für alle Tarife: Binden Sie sich nicht länger als 12 Monate. Nach Ablauf dieser Erstlaufzeit sollte der Vertrag monatlich kündbar sein.
  • Tarifrechner sind oft so voreingestellt, dass Tarife mit Sofort- oder Neukundenbonus angezeigt werden und der Bonus in den Gesamtpreis eingerechnet wird. Der Gesamtpreis, der oftmals höher ist als bei Tarifen ohne Bonus und dessen Kosten ausschlaggebend für folgende Vertragsjahre sind, kann so nicht verglichen werden. Sie sollten solche Kriterien in den Filtern der Rechner bewusst deaktivieren.
  • Paketpreise (das heißt: fester Preis für eine bestimmte Abnahmemenge) sind scheinbar günstig, aber nur sinnvoll, wenn Sie Ihren Bedarf genau kennen; auch bei Minderverbrauch zahlen Sie den vollen Paketpreis, bei Mehrverbrauch wird jede weitere Kilowattstunde teuer.
  • Preisgarantien werden oft im Kleingedruckten eingeschränkt; Anbieter behalten sich Preiserhöhungen, etwa beim Strom aufgrund gestiegener Kosten für die EEG-Umlage, vor.

Garantien bei Strom- und Gaspreisen

Strom

Bei Strompreisgarantien handelt es sich oft um "eingeschränkte Preisgarantien", bei denen sich der Anbieter vorbehält, Erhöhungen von Steuern, staatlichen Abgaben und Umlagen an den Kunden weiterzugeben. Die Preisgarantie deckt dann weniger als 50 Prozent des Strompreises ab (siehe Grafik).

Garantie bei Strompreisen

Häufig sind auch Entgelte für die Netznutzung von der Garantie ausgenommen. Vor den häufigsten Anlässen, die zu einer Anhebung des Strompreises führen können, bieten solche eingeschränkten Preisgarantien daher keinen Schutz. Allenfalls umfängliche Strompreisgarantien, die lediglich die Mehrwertsteuer von der Garantie ausnehmen, bieten einen Schutz vor steigenden Strompreisen. Trotzdem darf in Frage gestellt werden, ob ein "Schutz" durch eine umfassende Garantie überhaupt notwendig ist. Denn sollte ein Anbieter gegenüber Verbrauchern, die sich in einem laufenden Stromliefervertrag befinden, eine Preiserhöhung ankündigen, können sie kündigen und auf andere finanziell attraktive Tarife am Markt zurückgreifen.

Tarife mit Preisgarantie sind oft an lange Vertragslaufzeiten gekoppelt; das gilt sowohl für die Erstlaufzeit als auch für die spätere Vertragsverlängerung. Achten Sie daher auch auf diese Bedingungen und erfragen Sie diese Informationen notfalls vor Vertragsschluss bei ihrem Anbieter.

Gas

Bei Gas machen die Beschaffungskosten, die ein Anbieter für den Gaseinkauf hat, den größten Anteil am Gesamtpreis aus. Gerade diese Kosten sind in den letzten Jahren stark gesunken – und es gibt momentan keine Anzeichen dafür, dass sie in nächster Zeit steigen werden. Viele Anbieter reagieren jedoch nicht unmittelbar, sondern geben gesunkene Kosten erst mit zeitlicher Verzögerung an die Verbraucher weiter. Weitere Preissenkungen sind in nächster Zeit wahrscheinlich, erst recht wenn Anbieter ihre Preise noch nicht gesenkt haben. Da Preiserhöhungen zurzeit nicht zu erwarten sind, ist es aus unserer Sicht für Verbraucher nicht sinnvoll, einen Tarif mit Preisgarantie abzuschließen.

Weitere wichtige Kriterien beim Wechsel

Auch Kundenservice wie etwa gute Erreichbarkeit und prompte Erledigung von Reklamationen können bei der Auswahl eines neuen Energieversorgers eine Rolle spielen. Beim Wechsel zu einem überregionalen Anbieter fehlt häufig der persönliche Ansprechpartner vor Ort. Fragen können dann nur per E-Mail, telefonisch oder per Post geklärt werden.

Verschaffen Sie sich einen Eindruck vom Unternehmen. Wie wirkt zum Beispiel der Internetauftritt? Lassen sich alle gesuchten Informationen dort gut finden, oder wimmelt es nur so vor Werbeversprechen? Finden sich in Internetforen Hinweise auf Häufigkeit und Art von Kundenbeschwerden? Details zu vielen Anbietern bietet im Internet zum Beispiel das Portal www.energieanbieterinformation.de.

Ökostrom

Wenn Sie etwas für die Umwelt tun möchten, können Sie umweltverträglich erzeugte Energie beziehen. Das gestaltet sich vergleichsweise einfach. Achten Sie darauf, dass der Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird und dass der Anbieter in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert. Nicht jedes Angebot, für das unter dem Stichwort "Ökostrom" geworben wird, erfüllt dieses Kriterium, mit dem für die Umwelt ein zusätzlicher Gewinn verbunden ist.

Daher wurden folgende Siegel und Zertifikate geschaffen, die Ökostromangebote mit zusätzlichem Umweltnutzen ausweisen: ok-power, Grüner Strom Label, EcoTopTen – Liste des Öko-Instituts.

Öko-, Bio- und Klimagas

Beim Gas jedoch ist der Wechsel in einen solchen –teureren – Ökotarif nur in wenigen Fällen empfehlenswert. Denn der Umweltnutzen der verschiedenen Ökogas-Modelle ist aus unterschiedlichen Gründen zweifelhaft. Wer einen solchen Tarif in Erwägung zieht, sollte die Hintergründe deshalb genau prüfen.

Bei Klimagas gestaltet sich die Wahl eines Produktes mit hoher Umweltverträglichkeit schwierig, denn hier gibt es kein unabhängiges Siegel, das diese attestiert. Zwar wächst die Zahl von Versorgern mit Klimagastarifen, die einen Vorteil für Umwelt und Klima versprechen. Nicht selten beruhen diese Umweltvorteile aber auf Maßnahmen, die nicht in direkten Zusammenhang mit der Energieerzeugung oder -nutzung stehen.

Vorhandene Siegel bieten somit keine Gewähr, dass die in Aussicht gestellten Vorteile auch tatsächlich eingehalten werden.


Wechsel des Energieversorgers