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Der Vorsorgefonds: Die verbraucherfreundliche Alternative zur Riester-Rente

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Die kapitalgedeckte Altersvorsorge, wie sie derzeit in Deutschland geregelt ist, funktioniert nicht. Das Herumdoktern an Symptomen wird daran nichts ändern. Es ist höchste Zeit für eine tatsächliche Alternative. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg stellt mit ihrem Argumentationspapier die Grundlagen für diese Alternative vor: Ein staatlicher Vorsorgefonds, welcher die umlagefinanzierte Rente um eine höchst effiziente kapitalgedeckte Rente ergänzt.

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Bei dieser Rente stehen nicht die Interessen der Finanzlobby im Mittelpunkt, sondern ausschließlich die der Sparer. Wir treten auch nicht für noch mehr staatliche Förderung ein, weil die Förderung letztlich ohnehin durch die Bürger und Steuerzahler finanziert werden muss. Das Prinzip unseres Vorsorgefonds ist einfach und in anderen europäischen Staaten schon lange etabliert. Für die Altersvorsorge investieren Verbraucher freiwillig Beiträge in einen auf gesetzlicher Grundlage etablierten Vorsorgefonds. Dieser Fonds ist dabei ausschließlich den Anlageinteressen der Beitragszahler verpflichtet. Es fallen keine Abschluss- und Vertriebsfolgeprovisionen an. Die Management- und Verwaltungskosten betragen nur ein Bruchteil des im Finanzvertrieb heute üblichen. Ausführliche Informationen dazu finden Sie auch in unserem Argumentationspapier Vorsorgefonds

Gerade weil unser Vorschlag sich gegen eine weitere Klientelpolitik zugunsten der Finanzlobby wendet, wird er insbesondere von der Versicherungswirtschaft kritisiert. Die Verbraucherzentrale zeigt im folgenden, weshalb viele Kritikpunkte substanzlos sind:

Kritik an Riester- und Rürup-Rente unangebracht?
Die Kritik: Riester- und Rürup-Rente werden staatlich massiv gefördert, schon deshalb ist jede Kritik unangebracht!

Gerade weil es sich bei der Förderung um Steuergeld handelt, ist darauf zu achten, dass davon auch die zukünftigen Rentner profitieren, nicht die Versicherungswirtschaft. Diese Konstruktionen waren ein Geschenk an die Finanz- und Vermittlerlobby.

Die Förderung zahlen Verbraucher  aus eigener Tasche, schließlich wird hierbei Steuergeld verteilt. Der Staat hoffte so, Altersarmut vorzubeugen, aber so langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass dies nicht gelingt. Verbraucherinteressen scheinen bei beiden privaten Vorsorgesystemen bislang keine Rolle zu spielen, gefördert werden auch schlechte und überteuerte Produkte.

Missbrauch zur Finanzierung politischer Ziele?
Die Kritik: Ein staatlich organisierter Fonds könnte für die Finanzierung politischer Ziele missbraucht werden!

Eine staatliche Lenkung des Vorsorgefonds muss in der Tat ausgeschlossen sein. Der Staat muss sich da raushalten, er kann nur die Rahmenbedingungen schaffen. Ein Vorsorgefonds muss ausschließlich für die Sparer da sein. Für politische Ziele muss, kann und wird der Staat übrigens wie bislang auch auf Steuermittel zugreifen. Dafür kann der Staat im Übrigen auch auf private Geldanlage und Altersvorsorge zugreifen, etwa durch eine Vermögensabgabe, Vermögensbesteuerung oder höhere Einkommensbesteuerung. Solche massiven Eingriffe sind allerdings nur in extremen finanziellen Notsituationen denkbar. Immerhin ist dies im letzten Jahrhundert bereits zwei Mal geschehen.

Staat als Hedgefonds-Manager?
Die Kritik: Wird der Staat jetzt zum Hedgefonds-Manager in Sachen Altersvorsorge?

Das Gegenteil wäre der Fall. Das Geld würde endlich dem Karussell der wilden Spekulation entzogen und solide nach wissenschaftlich fundierten Kriterien angelegt. Wie das geht, ist längst bekannt. Für die Umsetzung braucht man natürlich Profis. Deren Rolle ist aber auf die Umsetzung der Vorgaben beschränkt. Die Kosten dafür könnten aber durch eine öffentliche Ausschreibung auf ein Minimum beschränkt werden.

Risiko "staatlich gelenkte Fonds"?
Die Kritik: Staatlich gelenkte Fonds sind ein Risiko!

In Schweden beispielsweise managt ein staatlich organisierter Fonds Beitragseinnahmen für künftige Rentner seit Jahren erfolgreich. Die Gesamtkosten liegen hier im Aktienbereich zum Beispiel nur bei rund 0,15 Prozent jährlich. Bei deutschen Fondsgebundenen Versicherungen können es leicht über 2,0 Prozent jährlich sein. Verbraucher können selbst entscheiden, wie sicher das Geld angelegt werden soll.

In Norwegen gibt es einen ebenfalls solide anlegenden Staatsfonds, der Hintergrund ist aber ein anderer: hier werden die versiegenden Erdöleinnahmen für künftige Generationen angelegt, nicht zukünftige Renten.

Keine bessere Investition in der Niedrigzinsphase?
Die Kritik: Ein Vorsorgefonds kann in der Niedrigzinsphase auch nicht besser investieren!

Der Kapitalmarkt ist derselbe wie bei den privaten Anbietern. Ein Vorsorgefonds kann aber zwei Vorteile ausspielen.

  1.  Die Geldanlage nach wissenschaftlich abgesicherten Prinzipien, also keine Zockerei, kein wildes Trading.
  2.  Von den Erträgen der Kapitalmärkte bleibt wegen viel niedriger Kosten mehr für den Anleger übrig.
Risiko "verstärkte Börsenbewegungen" durch neue Akteure?
Die Kritik: Mit Staatsfonds entstehen ganz neue Akteure am Kapitalmarkt. Sie können Börsenbewegungen verstärken und sind ein neues Risiko!

 

Das weltweite Vermögen konzentriert sich schon jetzt in den Händen weniger Akteure. Was machen eigentlich Vermögensverwalter wie Blackrock, die Deutsche Bank oder auch die Allianz mit dieser Macht?

Ein staatlicher Fonds könnte dem neue Maßstäbe an Transparenz und Bedarfsgerechtheit entgegensetzen. Die Börsenbewegungen, die private Akteure der Finanzlobby aus eigenem Interesse seit Jahren ausgelöst haben und heute noch immer auslösen können, würden mit einem Staatsfonds doch reduziert! Schließlich verfolgt der Fonds ausschließlich die Interessen der Sparer.

Staat als schlechterer Vermögensverwalter?
Die Kritik: Der Staat ist nicht der bessere Vermögensverwalter!

Beim Vorsorgefonds ist explizit nicht der Staat der Vermögensverwalter, er definiert nur die Grundlagen. Im Übrigen wurden im Zuge der Bankenkrise nicht nur Landesbanken, sondern auch private Banken vom Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) gestützt. Selbst die Sicherungseinrichtungsgesellschaft deutscher Banken, ein Finanzinstitut des deutschen privaten Bankensektors, musste staatlich gestützt werden, um die "Stabilität des deutschen Bankensektors zu sichern". Damals ging es darum, Entschädigungsansprüche gegen die Lehman Bank AG zu finanzieren. Private Banken und Versicherer weltweit konnten nur dank massiver staatlicher Finanzspritzen gerettet werden, ein besonderes Versagen staatlicher Banken ist durch nichts belegt worden.

Studien zur Wertentwicklung und Performance des staatlich organisierten Norwegischen Staatsfonds zeigen, dass Rendite und Risiko der Vermögensanlagen sehr nah an der Benchmark liegen, das heißt am Marktdurchschnitt. Studien zur Performance privat organisierter Vermögensanlageprodukte wie Investmentfonds gelangen hingegen zu dem Ergebnis, dass die Performance im Schnitt um rund 2 Prozentpunkte unterhalb des Marktdurchschnitts liegt. Dies wird mit den höheren Kosten erklärt.

Hohes Risiko wegen fehlender Garantie?
Die Kritik: Der Vorsorgefond enthält keinerlei Garantie und ist damit höchst riskant!
 

Richtig ist, dass der Vorsorgefonds darauf verzichtet, eine Garantie über einen nominellen Kapitalerhalt zu geben. Entscheidend ist nicht, dass der eine Euro, den Verbraucher heute einzahlen, in 40 Jahren noch da ist. Stattdessen kommt es darauf an, was Verbraucher sich für eine spätere Rente aus der privaten Altersvorsorge kaufen können. Eine nominale Garantie des Kapitalerhalts blendet den Kaufkraftverlust der Sparbeiträge aufgrund von Preissteigerungen komplett aus. Eine solche Garantie erweckt den Anschein einer Sicherheit, die sie allerdings nicht bieten kann. So führt beispielsweise bereits eine Inflationsrate von 1,75 Prozent dazu, dass die nominale Kapitalerhaltsgarantie eines Anlagebetrages nach 40 Jahre faktisch einer Halbierung der Kaufkraft des Anlagebetrages gleichkommt. Der Sparer kann sich also 40 Jahre später nur die Hälfte von seinem Ersparten kaufen. Eine sichere Anlage ist das gewiss nicht.

Die Verbraucherzentrale lehnt es ab, Verbrauchern eine Sicherheit vorzugaukeln, die es so nicht gibt. Selbst die Garantie eines bestimmten Zinssatzes (Garantiezins) ist bei näherer Betrachtung nicht unbedingt verlässlich. Denn die Höhe der Erträge der Kapitalmärkte ist gerade auf lange Sicht immer eine ungewisse Größe. Niemand weiß, wie hoch die Erträge der Aktien sein werden oder wie sich die Zinsen entwickeln werden. Was passiert, wenn private Anbieter Garantien geben, die sie später nicht einhalten können oder wollen, erleben wir seit einigen Jahren in unserer Beratungspraxis. Bausparkassen, die Bausparverträge mit hohen Guthabenzinsen und attraktiven Bonuszinsen vor langer Zeit verkauft haben, wollen diese Verträge nun mit allen Mitteln loswerden. Im Jahr 2014 musste eigens ein Gesetz erlassen werden zur Stabilisierung der Lebensversicherer. Diese Fälle zeigen, dass Zinsgarantien von privaten Anbietern bei langfristigen Sparverträgen nicht erfüllt werden können, wenn die Kapitalmärkte die Erträge nicht hergeben. Vereinfacht gesagt: Kein Vermögensverwalter kann mehr verteilen als da ist, sonst ist er nämlich pleite. Damit ist ein Garantiezins nicht so entscheidungsrelevant wie viele das heute meinen.

Riskant wegen Investition in Aktien?
Die Kritik: Wenn der Vorsorgefonds in Aktien investiert, dann ist das riskant!

 

Das ist reine Panikmache. Klar ist: die tatsächlichen Erträge aus jeder Kapitalanlage hängen grundsätzlich und vor allem von dem Risiko ab, das der Anleger mit seiner Kapitalanlage trägt. Je mehr Risiko der Anleger trägt desto höher sollte er dafür entlohnt werden. Das sagen nicht nur Theoretiker aus der Finanzmarktforschung, das haben sie auch in vielen Studien belegt!

Ist das Risiko also schlecht? Falsche Frage, es ist grundsätzlich in der Kapitalanlage unvermeidlich. Es gibt keine Kapitalanlage ohne Risiko. Keine einzige! Und das ist auch nicht weiter schlimm. Denn durch die Streuung der Risiken auf verschiedene Anlageklassen und auf noch mehr verschiedene Herausgeber von Anlageinstrumenten können Ausfall- oder Verlustrisiken auf Wertschwankungsrisiken reduziert werden. Dann kann man nicht mehr alles verlieren, sondern muss eben mit dem Auf und Ab leben können, das aussitzen können.

Dass sich das auf lange Sicht lohnt, zeigt ein Blick in die Statistik. Mit weltweiten Aktien konnte wurde im letzten Jahrhundert nach 40 Jahren aus einem Euro im Schnitt rund 7,50 Euro, und zwar bereits nach Abzug von Verlusten durch Preissteigerungen. Bei den als sicher geglaubten Staatsanleihen, in die auch viele Versicherer investieren, waren es dagegen nur rund 1,50 Euro.

Das heißt: selbst wenn der Aktienmarkt kurz vor Rentenbeginn kracht und man diesen Verlust realisieren würde (was niemand für besonders klug halten würde), steht man noch immer besser da als bei den angeblich so sicheren Zinspapieren.

 

Wichtig ist: nur eine sehr breite Streuung schließt langfristig auch real Wertverluste aus. So war das zumindest in den letzten 200 Jahren. Die Streuung ist der Schlüssel zur Sicherheit, nicht die Garantie eines Anbieters, die auf einem Blatt Papier geschrieben steht.