Auch wir wollen unseren Beitrag leisten, die Ausbereitung des Coronavirus zu verlangsamen. Daher sind unsere Beratungsstellen aktuell für den Publikumsverkehr geschlossen, persönliche Beratungen finden eingeschränkt statt. Bitte nutzen Sie unser umfangreiches alternatives Beratungsangebot. Weitere Informationen finden Sie hier.

Versicherungsvertrag kündigen: Wann das klappt und wie Sie vorgehen

Stand:

Die meisten Versicherungsverträge verlängern sich automatisch – es sei denn, Sie kündigen rechtzeitig. Hier lesen Sie, welche Fristen dabei gelten und welche weiteren Möglichkeiten Sie haben, aus Verträgen herauszukommen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Auto, private Haftpflicht, Hausrat…: Die meisten Versicherungen verlängern sich automatisch, zum Beispiel um weitere 12 Monate.
  • Wenn Sie sich rechtzeitig vor der Verlängerung um die Kündigung Ihres Vertrages kümmern, ist dies ohne besondere Kündigungsgründe möglich. Wir erklären die verschiedenen Kündigungsmöglichkeiten und Fristen.
  • Daneben gibt es noch einige Sonderfälle. Z.B. nach einem Schadensfall können sowohl der Versicherte als auch der Versicherer außerordentlich kündigen.
ein Vertrag wird unterchrieben
On

Nur wenige Versicherungsverträge enden automatisch. Das kann zum Beispiel bei einer Reiserücktrittskostenversicherung der Fall sein, die nur für eine bestimmte Reise abgeschlossen wurde. Auch kapitalbildende Lebensversicherungen enden zu einem bestimmten Zeitpunkt. Um eine Kündigung müssen Sie sich dann nicht kümmern, die Verträge enden von selbst.

Bei den meisten Versicherungsverträgen steht aber im Kleingedruckten eine automatische Verlängerung, zum Beispiel um jeweils ein Jahr. Diese Verträge können ewig laufen. Möchten Sie solche Versicherungen kündigen, sollten Sie sich also rechtzeitig kümmern, über die Fristen informieren und das Versicherungsunternehmen anschreiben.

Weitere, besondere Kündigungsrechte haben Sie bei Versicherungen in bestimmten Sonderfällen:

Wenn die Versicherung teurer wird, ohne dass die Leistung steigt bzw. wenn Leistungen gekürzt werden, besteht ein Kündigungsrecht. Verkaufen Sie Ihr Auto und melden dieses ab, endet die Versicherung automatisch. Ziehen Sie um, haben Sie mitunter auch ein Kündigungsrecht, z.B. wenn zwei Haushalte zusammengelegt werden, kann die jüngere Hausratversicherung gekündigt werden.

Kündigungsmöglichkeiten in diesen Fällen beschreiben wir in einem separaten Text.

Die "ordentliche Kündigung"

Wenn Sie die Versicherung rechtzeitig vor der Verlängerung kündigen, heißt das "ordentliche Kündigung" (auch der Versicherer kann ordentlich kündigen). So gehen Sie dabei vor:

  1. Sie müssen keine besonderen Gründe angeben. Ein schlichtes Kündigungsschreiben reicht. Formulierungsbeispiel für eine Kündigung: Hiermit kündige ich meinen Versicherungsvertrag fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte senden Sie mir eine Kündigungsbestätigung unter Angabe des Vertragsendes zu.
  2. Nennen Sie dem Versicherungsunternehmen außerdem Ihre Daten, damit es Sie identifizieren kann – Name und Anschrift sowie die Vertragsnummer.
  3. Eine Kündigung ist per Brief, Fax oder auch per E-Mail möglich. Wer kurz vor Fristende kündigt, dem empfehlen wir, eine solche Kündigung als Einwurfeinschreiben oder per Fax mit qualifiziertem Sendebericht zu verschicken. Lassen Sie sich den Eingang der Kündigung vom Versicherer bestätigen.
  4. Die Fristen für eine Kündigung unterscheiden sich zwischen verschiedenen Versicherungsverträgen. Was für Ihren Vertrag gilt, finden Sie in den Vertragsbedingungen und in dem Produktinformationsblatt. Diese Unterlagen haben Sie bei Vertragsabschluss bekommen, können aber auch nachträglich beim Versicherungsunternehmen angefordert werden.

Häufig gilt eine Frist von 3 Monaten zum Ende des Versicherungsjahres. Achtung: In vielen Fällen geht ein Versicherungsjahr nicht vom 1. Januar bis 31. Dezember, sondern läuft 12 Monate ab dem Beginn Ihrer Versicherung.

Endet ihr Vertrag zum Beispiel Ende September und haben Sie eine dreimonatige Kündigungsfrist, dann muss das Schreiben spätestens am 30. Juni beim Versicherer angekommen sein.

Sonderfälle:

  • In der Kfz-Haftpflichtversicherung gilt eine Kündigungsfrist von nur einem Monat vor Ablauf des Versicherungsjahres. Bei vielen Gesellschaften ist das Versicherungsjahr noch immer mit dem Kalenderjahr identisch. Bei diesen Versicherern muss die Kündigung bis zum 30. November eingegangen sein, um zum 31. Dezember wirksam zu werden. Es gibt aber inzwischen auch Kfz-Versicherer, die für Verträge andere Stichtage setzen.
  • Bei Kündigung von langfristigen Verträgen mit Laufzeiten von mehr als 3, 5 oder gar 10 Jahren können Sie frühestens nach 3 Jahren kündigen, wobei die Frist maximal 3 Monate zum Ende des dritten und anschließend zum Ende jedes weiteren Versicherungsjahres betragen darf. Mit solch langen Laufzeiten sind früher z.B. einige Hausrat-, Rechtsschutz- und Unfallversicherungen angeboten worden. Für die Kündigung eines solchen Vertrags können Sie unseren Musterbrief nutzen.
  • Für kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen gilt: Der Versicherer hat kein ordentliches Kündigungsrecht. Dieses steht nur Ihnen zu. Während der Prämienzahlungsdauer oder auch bei Einmalbeitragszahlung kann während der Ansparphase zum Ende des laufenden Versicherungsjahres oder (wenn dies in den Versicherungsbedingungen so bestimmt ist) Beitragszahlungszeitraums gekündigt werden. Bei bestimmten, staatlich geförderten Altersvorsorgeverträgen ist ein Kündigungsrecht ausgeschlossen.
  • Private Krankenversicherungsverträge können Sie, soweit nicht eine längere Mindestlaufzeit vereinbart ist, zum Ende des Versicherungsjahres mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Sofern es sich um eine "private Krankenvollversicherung" handelt, ist aufgrund der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht der Nachweis einer anderweitigen Versicherung erforderlich. Werden Sie in der gesetzlichen Krankenkasse versicherungspflichtig, können Sie die private Krankenversicherung binnen drei Monaten nach Eintritt der Versicherungspflicht rückwirkend zum Eintritt der Versicherungspflicht kündigen. Der Versicherer kann eine "private Krankenvollversicherung" nicht ordentlich kündigen.
  • Gebäudeversicherungen können spätestens 3 Monate vor Vertragsablauf gekündigt werden. Ist das Gebäude mit einer Hypothek belastet, muss dazu die Einwilligung des Gläubigers vorliegen.

Die "außerordentliche Kündigung"

Eine außerordentliche Kündigung ist nach einem Schadensfall möglich, bei einer Beitragserhöhung, wegen der Verschlechterung der Bedingungen oder wenn das zu versichernde Risiko wegfällt.

Wie Sie außerordentlich kündigen, am Beispiel eines eingetretenen Versicherungsschadens:

Ist es zu einem Schaden gekommen, den Sie über die Versicherung abgewickelt haben? Dann können Sie den Vertrag "außerordentlich" kündigen. Gleiches gilt, wenn der Versicherer sich weigert, den eingetretenen Schaden zu ersetzen.

Spätestens einen Monat nach Abschluss der Entschädigungsverhandlungen muss das Kündigungsschreiben beim Versicherer eingegangen sein. In einem solchen Fall können Sie sich aussuchen, zu welchem Zeitpunkt die Kündigung wirksam werden soll. Sie können wählen zwischen sofort (ab Zugang) und dem Schluss des laufenden Versicherungsjahres.

Kündigen Sie mit sofortiger Wirkung, müssen Sie auch nur den Teil der Prämie entrichten, der auf den Versicherungszeitraum entfällt. Wäre der Vertrag zum Beispiel noch zwei weitere Monate gelaufen, sparen Sie sich den Beitrag für diese zwei Monate. Haben Sie im Voraus gezahlt, muss der Versicherer das Geld erstatten.

Dieses Recht zur außerordentlichen Kündigung bei einem Schadensfall haben übrigens nicht nur Sie, sondern auch das Versicherungsunternehmen. Kündigt das Versicherungsunternehmen Ihnen in einem solchen Fall, wird diese Kündigung einen Monat nach Zugang bei Ihnen wirksam. Auch in diesem Fall sparen Sie sich die Beiträge für die eigentlich vereinbarte, restliche Vertragslaufzeit. Haben Sie im Voraus gezahlt, muss der Versicherer das Geld erstatten.