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Acai - die brasilianische Wunderbeere?

Stand:

Versprochene Wirkungen zu Acai sind nicht bewiesen, gesundheitliche Risiken nicht auszuschließen.

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Acai-Beeren werden mit "hohem Gehalt an Antioxidatien" angepriesen, dabei stehen ihnen heimische Früchte und Gemüse in nichts nach.
  • Sie werden als Saft, Pulver oder Kapseln oft zu übertriebenen Preisen angeboten.
  • Acai-Produkte sind teils mit Mineralölrückständen belastet, die Ihre Gesundheit gefährden können.
Acai
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Was steckt hinter der Werbung zu Acai-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln?

In der Werbung sprechen Firmen gern von der "brasilianischen Wunderbeere" mit einer schier unglaublichen Konzentration an Antioxidantien und lebenswichtigen Fettsäuren. Antioxidantien (z.B. Vitamine und bestimmte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe) tragen dazu bei, im Körper die so genannten freien Radikale unschädlich zu machen. Daneben soll die Acai-Beere "entzündungshemmendes Potenzial" besitzen und so das Risiko für etliche Krankheiten wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs reduzieren. Acai-Produkte werden zudem häufig angepriesen die Gewichtsabnahme zu unterstützen, die Energie und Vitalität zu steigern und das Immunsystem zu stärken.

Für die behauptete antioxidative und entzündungshemmende Wirkung der Acai-Beere gibt es bislang keine verlässlichen klinischen Studien. Die in den Nahrungsergänzungsmitteln enthaltenen Extrakte bzw. Fruchtpulver können sich zudem deutlich voneinander unterscheiden. Extrakt A und Extrakt B sind also nicht miteinander vergleichbar und die Wirkung nicht übertragbar.

Zudem sind Antioxidantien auch in heimischem Obst und Gemüse wie Heidelbeeren, schwarzen Johannisbeeren oder Rotkohl enthalten. Im Gegensatz zu hochdosierten Acai-Beeren-Extrakten ist eine Überdosierung mit Früchten in natürlicher Form nicht möglich.

Worauf sollte ich bei der Verwendung von Acai-Produkten achten?

Acai-Beeren enthalten hohe Mengen an Mangan. Laut Europäischer Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) beträgt die adäquate Aufnahmemenge an Mangan für Erwachsene 3 mg pro Tag, für Kinder von 7-11 Jahren zwischen 0,02-0,5 mg Mangan pro Tag. Eine deutlich höhere Manganzufuhr kann sich möglicherweise negativ auf die Aufnahme von Eisen auswirken. Dies muss vor allem bei Kindern, Vegetariern und Menschen mit einem Eisenmangel berücksichtigt werden. Zudem gibt es Hinweise, dass hohe Mangandosen mit Vergiftungs­erscheinungen wie Muskelschmerzen, allgemeine Schwäche, Appetitlosigkeit und Sprachstörungen einhergehen. Eine erhöhte Aufnahme von Mangan erfolgte in der Vergangenheit zumeist über kontaminiertes Trinkwasser.

Neben Acai-Beeren zählen auch Getreide, Reis und Nüsse zu Mangan-reichen Lebensmitteln. Zur Gesamtaufnahme von Mangan trägt daher eine kleine Menge frischer Acai-Beeren nur einen geringen Teil bei, mit 14,6 mg in 300 ml Pulpe in Getränken wird die Tageshöchstmenge (11 mg für Erwachsene) jedoch schon überschritten.

Grundsätzlich sind potentielle Wechselwirkungen mit Arzneimitteln oder allergische Reaktionen gerade bei exotischen Lebensmitteln nie auszuschließen. Inwieweit weitere gesundheitliche Risiken von Acai-haltige Nahrungsergänzungsmitteln - z.B. durch zu viel Mangan ausgehen - bleibt noch zu prüfen.

Können Acai-Produkte mit Schadstoffen belastet sein?

Acai-Produkte können stark erhöhte Gehalte an Mineralölkohlenwasserstoffe aufweisen. Dies könnte auf den Eintrag durch dieselbetriebene Trocknungsanlagen und ähnliches zurückzuführen sein. In Tierstudien wurde gezeigt, dass Mineralölkohlenwasserstoffe in Organen gespeichert werden und durch Anreicherung Schäden in Leber und Lymphknoten verursachen können.

Was sind Acai-Beeren?

Acai-Beeren sind die Früchte der Kohlpalme (Euterpe oleracea), auch Jucara-, Assai-Palme oder Açaí genannt, die vor allem am unteren Amazonas wächst. Neben den Früchten werden auch die Palmherzen verzehrt. Die Früchte sind 1-1,4 cm groß, zunächst rötlich und sehr glänzend. Im richtigen Erntestadium ("turia") haben sie eine feine purpurrote - bei Vollreife fast schwarze - Haut mit einer dünnen Wachsschicht. In dieser Phase ist der Gehalt an Antioxidantien am größten.

Der Geschmack der Beeren und des Saftes gilt als fettig, erdig und adstringierend (zusammenziehendes Mundgefühl). Gesüßt mit Guarana-Sirup soll der Saft kakaoähnlich schmecken. Für die angebotenen Produkte wird in der Regel mit Wasser verdünntes Fruchtmark (Pulpe) unterschiedlichster Qualität verwendet. Außer Saft werden auch gefriergetrocknetes Pulver und Kapseln angeboten.

Welche Inhaltsstoffe sind in Acai-Beeren enthalten?

Acai-Beeren bestehen zu fast 50 % aus Fett und sind daher mit 250 kcal pro 100 g recht kalorienreich. Die mittlere Pulpe (Medium Acai) weist noch 5 bis 8 % Fett auf. Dafür ist der Zuckeranteil im Beerensaft mit 3,6 % gering. Damit ähnelt die Beere ein wenig der Olive. Daneben enthält die Acai-Beere reichlich Mineralstoffe wie beispielsweise Calcium (133-309 mg je 100 g). Auch wurden hohe Mengen an Mangan gefunden (14,6 mg in 300 ml Pulpe) gefunden.

Den Ruf als Wunderbeere verdankt die Acai-Beere jedoch in erster Linie ihrem hohen Anthocyan-Gehalt (dunkelroter Pflanzenfarbstoff) sowie der antioxidativen Wirkung, die man den Anthocyanen zuschreibt. Über handelsübliche Acai-Produkte wird jedoch unter Berücksichtigung der empfohlenen Tagesverzehrsmenge in den meisten Fällen keine ernährungsphysiologisch relevante Menge an Anthocyanen aufgenommen.

Heimisches Obst und Gemüse enthält zum Teil deutlich mehr Antioxidantien. Warum sollten Sie also Acai-Produkte und unbekannte gesundheitlichen Risiken in Kauf nehmen, wenn Heidelbeeren, Schwarze Johannisbeeren, Rotkohl etc. genauso gut und oft günstiger sind?

 

Quellen:

BZfE (2015): Trendbeeren und -früchte. Was ist dran an den Superfrüchten aus Übersee?.  (aufgerufen am 05.03.2018)

BfR (2004): Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln. (aufgerufen am 05.03.2018

BfR (2017): Fragen und Antworten zu Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln. (aufgerufen am 05.03.2018)

EFSA (2013): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for manganese. (aufgerufen am 05.03.2018)

Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Stellungnahme Nr. 2015/58 des Arbeitskreises Lebensmittelchemischer Sachverständiger der Länder und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu Auslobung einzelner Zutaten von Nahrungsergänzungsmitteln in Form von nährwertbezogenen Angaben. J. Verbr. Lebensm. DOI 10.1007/s00003-016-1018-4. (aufgerufen am 05.03.2018)

Da Silva Santos V, de Almeida Teixeira GH, Barbosa F Jr. (2014): Açaí (Euterpe oleracea Mart.): a tropical fruit with high levels of essential minerals especially manganese-and its contribution as a source of natural mineral supplementation. J. Toxicol. Environ. Health A. (2014); 77 (1-3): 80-9. doi: 10.1080/15287394.2014.866923. (aufgerufen am 05.03.2018)

Ökotest (April 2016): Test Superfood. (aufgerufen am 05.03.2018)