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AFA-Algen – kein blaues Wunder

Stand:

AFA-Algen sollen entgiften, schützen und ihnen werden Wunderwirkungen bei neurologischen Störungen nachgesagt – zu Unrecht.

Das Wichtigste in Kürze:
Kann Schadstoffe enthalten!

  • AFA-Algen gehören zu den blaugrünen Mikroalgen und werden getrocknet als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.
  • Ein positiver Effekt der AFA-Algen als Nahrungsergänzungsmittel ist fraglich. Die dadurch zugeführte Menge an Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und Fettsäuren ist sehr gering.
  • Angebliche Wirkungen von AFA-Algen zur Linderung oder Heilung von Krankheiten wie ADHS, Alzheimer oder Depressionen sind wissenschaftlich nicht belegt.
  • Produkte sollten unbedingt frei von giftigen Microcystinen und Schwermetallen sein. AFA-Algenprodukte sind für Kinder, Schwangere und Stillende nicht geeignet.
AFA-Algen Pulver
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Was steckt hinter der Werbung zu AFA-Algen?

In vielen Medien werden AFA-Algen (auch Cyanobakterien) als besonders gesundheitsfördernd beschrieben, es werden ihnen auch heilende Wirkungen nachgesagt.

Die AFA-Algen werden gerne als Lebensmittel der Superlative mit zahlreichen Nährstoffen ("das vitalstoffreichste natürliche Lebensmittel") beschrieben, sie sollen laut Werbung bei Problemen wie "vorzeitiger Alterung", Allergien, Candida-Befall, Faltenbildung, Gewichtsproblemen, Haarausfall, Hautproblemen, Immunschwäche, Krebs, Muskelabbau, Verstopfung und Zahnfleischbluten helfen. Nicht zu vergessen: Die angeblich positiven Wirkungen auf Gehirn und Nerven beispielsweise bei Gedächtnisschwäche, Konzentrationsproblemen, PMS oder Süchten. Außerdem sollen sie das Immunsystem durch kraftvolle Antioxidantien stärken, vor Umweltgiften schützen und davon befreien. Schwermetalle wie Quecksilber aus Amalgamplomben oder Blei aus Trinkwasser sollen durch bestimmte Aminosäuren in der AFA-Alge gebunden und ausgeschieden werden.

Immer wieder werden AFA-Algen-Produkte als sinnvolle und natürliche Alternative zu einer ärztlich verordneten medikamentösen Therapie bei neurologischen Störungen wie dem kindlichen Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) als Ersatz für das Medikament Ritalin, Depressionen oder Demenzerkrankungen wie Alzheimer dargestellt. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnen, dass es für derartige medizinische (therapeutische) Wirkungen solcher als Nahrungsergänzungsmittel angebotener AFA-Algen-Produkte keinerlei wissenschaftliche Belege gibt (ebenso wie für die oben genannten Beschwerden). Von den fehlenden Wirknachweisen für diese Behauptungen abgesehen sind Nahrungsergänzungsmittel nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen, zu lindern oder zu therapieren. Das ist Aufgabe von Arzneimitteln. In Deutschland ist kein Cyanobakterien haltiges Präparat als Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen zugelassen, es ist auch keine Zulassung beantragt.

Gesundheitsbezogene Aussagen (Health Claims) sind für Nahrungsergänzungsmittel nur erlaubt, wenn sie von der EU ausdrücklich zugelassen sind. Tatsächlich sind laut EU-Register für AFA-Algen weder Claims beantragt noch zugelassen worden.

Worauf sollte ich bei AFA-Algen achten?

Für AFA-Algen wird gerne mit Worten wie "rein" und "naturbelassen" oder "kontrollierte Ernte/Wildwuchs" eine Bioqualität für Produkte vorgespiegelt, manchmal sogar der Begriff "Bio-AFA-Alge" verwendet. Zwar gelten die Durchführungsbestimmungen der EU-Bio-Verordnung (VO (EG) Nr. 834/2007 auch für Algen-Aquakulturen wie Spirulina oder Chlorella, nicht aber für Wildalgen.

Sofern vom Hersteller sichergestellt ist (auf diesbezügliche Hinweise auf der Verpackung achten), dass die AFA-Algen-Produkte frei von Verunreinigungen (wie Microcystine, Schwermetalle, schädliche Bakterien) sind, gibt es für gesunde Erwachsene keine Bedenken gegen einen Verzehr. Davon ausgenommen sind Kinder, Schwangere und Stillende. Laut Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung sollten Kinder grundsätzlich keine AFA-Algenprodukte verzehren.

Personen, die an Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Lupus oder rheumatoider Arthritis leiden, sollten auf AFA-Algen verzichten, da die Erkrankung verschlimmert werden könnte. Außerdem sind Wechselwirkungen mit Medikamenten wie Immunsuppressiva, Blutgerinnungshemmern und bestimmten Schmerzmitteln möglich. Fragen Sie daher vor dem Verzehr von AFA-Algen Ihren Arzt oder Apotheker.

Keinesfalls sollten im Vertrauen auf die "Heilkraft der AFA-Algen" notwendige ärztliche Behandlungen oder ärztlich verordnete medikamentöse Therapien zugunsten des Verzehrs von AFA-Algenprodukten abgebrochen werden.

Was sind AFA-Algen?

AFA-Algen (Aphanizomenon- Flos- Aquae- Algen) zählen zu den Cyanobakterien. Sie werden volkstümlich auch blaue oder blaugrüne Uralgen genannt. AFA-Algen sind Süßwasser-Mikroalgen, ebenso wie die bekannten Spirulina- und Chlorella-Algen. Anders als diese werden AFA-Algen nicht gezüchtet, sondern wild aus Bergseen geerntet. Daher wird häufig die Bezeichnung "Bio"-AFA-Alge verwendet, obwohl die Bezeichnung weder gerechtfertigt noch nach EU-Bioverordnung erlaubt ist.

Wie in allen Mikroalgen ist vor allem Eiweiß (57-62 %, biologische Wertigkeit 75-80, aber nur geringe Portionsgröße), Polysaccharide (23-25 %) und Fett (5 %) sowie die Pflanzenfarbstoffe Chlorophyll und Betacarotin enthalten. Da es sich um eine Süßwasseralge handelt, ist der Jodgehalt sehr gering und stellt im Gegensatz zu Meeresalgen keine Gefahr dar. Häufig wird ein besonders hoher Vitamin B12-Gehalt herausgestellt. Allerdings liegt dieses überwiegend in einer für den Menschen nicht nutzbaren Form vor.

Daneben wird der Gehalt an alpha-Linolensäure, einer Omega-3-Fettsäure, hervorgehoben. Dieser beträgt pro AFA-Tagesdosis von 1,5 g maximal 10 % (45-139 mg) des von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Richtwertes von 1-1,5 g.

Daneben wird häufiger über die "seltene" Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) berichtet, die für die Hirn-, Augen- und Nervensystem-Entwicklung von Babys essentiell ist. Tatsächlich ist DHA vor allem in fettem Meeresfisch (Makrele, Hering, Lachs) enthalten. Wie viel DHA wirklich in AFA-Algen enthalten ist, schreibt kein Anbieter. Daher ist eine solche Aussage auch nicht zulässig. Auf keinen Fall sollte der angeblich hohe DHA-Gehalt ein Verzehrgrund für Schwangere oder Stillende (oder gar Kleinkinder) sein.

Kann es Probleme mit Schadstoffen geben?

Bestimmte AFA-Algen-Stämme können Gifte bilden, die das Nervensystem angreifen und schädigen können. Außerdem können AFA-Algen mit anderen Cyanobakterien verunreinigt sein, die sogenannte Microcystine erzeugen. Microcystine gelten als krebserzeugend, schädigen das Nervensystem und sind lebertoxisch.

Getrocknete AFA-Algen enthalten je nach Erntezeitpunkt erhebliche Mengen von Microcystinen. Prüfungen der Stiftung Warentest und des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Sigmaringen zeigten in allen AFA-Algen-Proben Mikrocystine. Die gefundenen Mengen könnten zumindest bei Kindern zum Überschreiten der von der WHO festgelegten provisorischen tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge führen.

Deutsche Vertreiber geben häufig an, dass alle Erntechargen gefiltert und auf Microcystine kontrolliert würden. Allerdings gibt es keine Belege dafür, dass durch das Filtern tatsächlich Microcystine entfernt werden. Andere Vertreiber erklären, dass sie durch eigene Laboranalysen sicherstellen, dass ihre Produkte Schadstoff frei sind.

AFA-Algen sind ein typisches Naturprodukt. Beim Abfischen lässt sich daher eine Kontamination beispielsweise mit Wasserflöhen und anderen Kleinstgetier im Wasser oder auch anderen Algen nicht vermeiden. Durch die offene Lage von Seen gibt es auch einen hohen Vogelkoteintrag mit entsprechenden mikrobiellen Verunreinigungen durch Entero- bzw. coliforme Bakterien. Der Klamathsee z. B. liegt direkt unter einer der Hauptvogelzugrouten von Oregon.

Tipp:
Omega-3-Fettsäuren sind auch in Fischen wie Lachs, Hering oder Makrele sowie in Walnüssen, Leinsamen, deren Ölen sowie in Rapsöl enthalten. Chlorophyll ist Bestandteil grüner Blattgemüse, Beta-Carotin auch in Möhren, Paprika oder Grünkohl enthalten.

Quellen:


AFA-Algen können keine medizinische Therapie ersetzen. Ernährungs-Umschau online vom 25.03.2002, abgerufen am 12.10.2017

AFA-Alge: Irreführende Werbung, bedenkliche Produkte. arznei-telegramm, blitz-at vom 22.03.2002

BgVV und BfArM warnen: Nahrungsergänzungsmittel aus AFA-Algen können keine medizinische Therapie ersetzen., Gemeinsame Pressemitteilung vom 21.3.2002, eingesehen am 12.10.2017

AFA Algen und AFA Algenpropdukte., Stellungnahme des BgVV vom 23.09.2001, eingesehen am 12.10.2017

Dittrich K (2003): AFA-Algen Das blaue Wunder? UGB-Forum (4): 212-3

DFG-Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln: Microcystine in Algenprodukten zur Nahrungsergänzung, Endfassung vom 28.09.2005

Überwachungsämter Baden-Württemberg: Jahresbericht zur Überwachung von Lebensmitteln, Kosmetischen Mitteln, Bedarfsgegenständen, Trinkwasser und Futtermitteln, 2006, S. 92

LGL Bayern: BlueTox: Belastung von Nahrungsergänzungsmitteln und Fischen mit Blaualgentoxinen., Stand: 18.11.2014 (abgerufen am 12.10.2017)

EU Register on Nutrition and Health claims, eingesehen am 12.10.2017

Nahrungsergänzungsmittel aus Blaualgen - mehr schädlich als förderlich., Stand: 29.07.2013 (abgerufen am 12.10.17)

Stiftung Warentest (2011): Algenpräparate: Die grüne Gefahr. (abgerufen am 12.10.2017)

EU-Öko-Verordnung Nr. 834/2007 vom 28.06.2007 in der Fassung vom 18.10.2014

Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Richtwerte für die Zufuhr. (abgerufen (07.06.20218)