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"Fatburner" zum Abspecken - oft eine Gefahr!

Stand:

Sie versprechen vor allem Sportlern eine schnelle Gewichtsreduktion durch Steigerung der Fettverbrennung. "Fatburner" sind aber gesundheitlich bedenklich, es gab schon Todesfälle.

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesundheit schaden!

  • Statt die Fettverbrennung anzukurbeln, wirken Fatburner meist nur auf das Herz-Kreislauf-System.
  • Viele Produkte können deshalb unangenehme bis gefährliche Nebenwirkungen haben, wie Bluthochdruck, Schlafstörungen oder Herzrasen bis zum Herzinfarkt.
  • Diese Warnung gilt auch für als "rein pflanzlich" beworbene Produkte.
  • Von zugesetzten, aber nicht angegebenen Wirkstoffen geht eine besondere Gefahr aus.
Fatburner
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Was steckt hinter der Werbung zu Fatburnern?

Als "Fatburner" beworbene Nahrungs­ergänzungsmittel versprechen wahre Wunder. Überflüssige Kilos sollen verschwinden, einfach durch Anregung des Stoffwechsels und der körpereigenen Fettverbrennung. "Vor allem die Fettpolster an den Problemzonen wie Hüften, Bauch und Po verschwinden zielgerichtet und die Muskulatur zeigt eine schöne Definition." - so die Werbung für Fatburner, die besonders Bodybuilder ansprechen soll. Gerade diese Sportler legen viel Wert auf eine gut strukturierte Muskulatur mit geringem Anteil an Fettgewebe. Eine Erklärung und Belege für diese angeblich gezielte Wirkung bleiben die Hersteller aber schuldig.

Einige als "rein pflanzlich" deklarierte Fatburner sollen die Nahrungsaufnahme reduzieren und die Magentätigkeit steigern. Wirkversprechen für Polyphenole aus Zitrusfrüchten und anderen Obstarten, wie z. B. "reduzieren diätetisch den Bauch- und Hüftumfang sowie das Körpergewicht signifikant", sind aber wissenschaftlich nicht belegt und deshalb von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auch nicht als sogenannte Health Claims zugelassen.

Viele der meist über das Internet vertriebenen Fatburner enthalten gesundheitlich bedenkliche oder nicht hinreichend untersuchte Substanzen. Auch "rein pflanzliche" Mittel können hoch riskant sein, besonders wenn mehrere Stoffe wie beispielsweise Koffein und Synephrin kombiniert werden: Die Verwendung kann zu erhöhtem Blutdruck, Schlaflosigkeit, Herzrasen oder sogar zum Herzinfarkt führen.

Welche Inhaltsstoffe sind in Fatburnern enthalten?

Eine rechtliche Definition, was sich hinter dem Begriff "Fatburner" verbirgt, gibt es nicht. Sie sind deshalb sehr unterschiedlich zusammengesetzt, enthalten aber meist eine oder mehrere der folgenden Substanzen. Diese sind zum Teil für die Verwendung in Lebensmitteln - also auch in Nahrungsergänzungsmitteln - gar nicht zugelassen.

Die Hydroxycitronensäure (HCA) wird aus der indischen Gewürzpflanze Garcinia cambogia gewonnen und als Garcinia-cambogia-Extrakt in Fatburnern eingesetzt. Im Tierversuch wurde ermittelt, dass HCA ein wichtiges Enzym im Fettstoffwechsel hemmt. Deshalb werden Garcinia-Extrakten bzw. der Substanz HCA in der Werbung schlankheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Für den Menschen konnte diese Wirkung bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.

HCA-haltige Extrakte haben in Tierversuchen zu Schäden an den Hoden geführt. In Humanstudien konnten deshalb keine Versuche mit höheren Dosierungen gemacht werden. Und so bestehen starke Zweifel nicht nur an der Wirksamkeit, sondern auch an der Sicherheit HCA-haltiger Schlankheitsmittel. In Proben, die das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart untersuchte, wichen zudem die tatsächlich festgestellten von den auf dem Produkt angegebenen HCA-Mengen stark ab.

Die Industriechemikalie 2,4-Dinitrophenol (DNP) ist eine giftige, fettlösliche Substanz, die zur Gruppe der Nitrophenole gehört und im ersten Weltkrieg als Sprengstoff für Granaten verwendet wurde. Schon in den 1930er Jahren wurde sie zum Abnehmen verwendet, aber wegen ihrer schädlichen Nebenwirkungen schnell wieder vom Markt genommen. Sie wird heute oft unerlaubt in Nahrungsergänzungs­mitteln für Sportler, vor allen Dingen für Bodybuilder, eingesetzt. DNP stört den normalen Energiestoffwechsel in den Körperzellen. Es verhindert die Bildung des Energieträgers ATP in den Zellen. Die entstehende Energie wird stattdessen als Wärme frei, was sich in Fieber oder Schweißausbrüchen äußert. Laut Medienberichten hat der illegale Schlankmacher auch in Deutschland einer junge Frau das Leben gekostet.

Synephrin, wird oft als Alternative zum verbotenen Ephedrin bzw. Ephedrakraut eingesetzt. Es kommt natürlicherweise unter anderem in der Bitterorange (auch Pomeranze oder Citrus Aurantium) vor, ist in Fatburnern häufig zusammen mit Koffein (bzw. koffeinhaltigen Zutaten wie Guarana, Grüntee- oder Kaffeeextrakt) anzutreffen. Beide Stoffe wirken auf das Herz-Kreislauf-System und können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Dies betrifft besonders die Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks. Über Früchte wird kaum zu viel Synephrin aufgenommen, aber über Nahrungsergänzungsmittel kann das schnell passieren. Aufmerksam sollte man deshalb werden, wenn in der Zutatenliste die Zutat Citrus-Aurantium-Extrakt zu finden ist. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sollten mit einem Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 6,7 mg Synephrin pro Tag verzehrt werden. In vielen Produkten wird diese Menge aber deutlich überschritten.

Yohimbin aus der Rinde des afrikanischen Yohimbe-Baumes kommt in Fatburnern meist als Yohimbinhydrochlorid (Yohimbin-HCL) vor. Es wird für Bodybuilder zum Fettabbau bzw. zur Verbesserung der sportlichen Leistung beworben. Yohimbin kann zwar die Konzentration freier Fettsäuren im Plasma erhöhen, das fördert aber nicht zwangsläufig eine Gewichtsreduktion, die von vielen weiteren Faktoren abhängt. Als gesundheitliche Risiken von Yohimbin werden u. a. Schlaflosigkeit, Angst und Erbrechen genannt. Yohimbin-HCl erhöht die Herzleistung, was u. a. zu erhöhtem Blutdruck führt. Das BfR bewertet deshalb Yohimbin wegen bekannter Risiken als "nicht für die Verwendung in Lebensmitteln geeignet". Immerhin wurde Yohimbe 2015 mit der EU-Verordnung 2015/403 als ein Stoff eingestuft, dessen Verwendung in Lebensmitteln von der Europäischen Gemeinschaft geprüft werden soll (gemäß Anhang III, Teil C, VO (EG) 1925/2006). Damit gehört er - obwohl im Internet oft so angeboten - nicht in Nahrungsergänzungsmittel.

Nicht alle als Fatburner angebotene Nahrungsergänzungsmittel enthalten gefährliche Substanzen. Die Stiftung Warentest hat 2014 in ihrem Test "Schlankheitsmittel" unter anderem Mittel bewertet, die als Fatburner angeboten werden. Enthalten waren meist Polyphenole aus Zitrusfrüchten und anderen Obst- und auch Gemüsearten. Andere Produkte wiesen Flavonoide aus Süßholzwurzeln, Kaffee, Guarana oder grünem Tee auf. Die Spurenelemente Chrom und Zink sowie Kupfer (letzteres sollte laut BfR nicht in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sein) wurden ebenfalls zugesetzt. Für keines der bewerteten Mittel konnte allerdings über Studien ausreichend belegt werden, dass man mit ihrer Hilfe Gewicht verlieren oder halten kann.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Fatburnern achten?

Viele als besonders wirksam angepriesene Fatburner enthalten gefährliche und für Lebensmittel verbotene Substanzen wie z. B. DNP. In mehreren Ländern gab es in den letzten Jahren Todesfälle nach dem Konsum dieses Stoffes. Besonders tückisch sind nicht deklarierte Zutaten, da die Gefährlichkeit der Produkte dann für den Käufer nicht erkennbar ist. Ein besonderes Risiko besteht hier für Produkte, die über das Internet aus dem Ausland bestellt werden.

In vielen Fatburnern wird eine Vielzahl von Pflanzenextrakten zusammengemischt. Selbst wenn die einzelnen Substanzen nicht in gesundheitsgefährdenden Mengen enthalten sind, ist die Wirkung dieser Stoffmischungen nicht einzuschätzen und es kann zu unerwarteten gefährlichen Wirkungen kommen.

Zahlreiche der enthaltenen Substanzen können in Wechselwirkungen mit Medikamenten treten, wie z. B. Yohimbin mit Psychopharmaka.

Die meisten der verwendeten Stoffe wirken auf das Herz-Kreislauf-System. Je höher der Anteil des entsprechenden Stoffes, umso höher ist das Risiko dieser Produkte. Fehlt in der Zutatenliste eine Mengenangabe der enthaltenen Wirkstoffe, dann sollte ganz auf einen Verzehr verzichtet werden.

Die Kombination mit Koffein, wie häufig in Produkten mit Synephrin, erhöht die Wirkung vieler Stoffe noch und kann zu Bluthochdruck und Herzrasen bis hin zu Herzinfarkten führen.

Ärgerlich ist es, wenn in Produkten nicht die drin ist, was drauf steht: So hat das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart z. B. in Untersuchungen von Produkten mit HCA trotz der Angabe "100 % Garcinia cambogia-Extrakt" und der Werbung "ohne Füllstoffe" große Anteile an Stärke und mineralischen Bestandteilen gefunden. Nur lässt sich das von Verbrauchern leider nicht erkennen.

Verzichten Sie auf Fatburner, vor allem auf Produkte aus unsicheren Quellen im Internet. Eine "Fettverbrennung" findet grundsätzlich nicht an den erwünschten Stellen unter der Haut statt, sondern bei der Energiegewinnung im Stoffwechsel des gesamten Körpers. Gute Strategien zum Abnehmen sind hilfreicher als Pillen: kontrolliert, aber abwechslungsreich essen, regelmäßig Sport treiben und dabei die gewünschten Muskelgruppen gezielt trainieren.

 

Quellen:


Internetportal Lebensmittelklarheit.de: Werbung zu Alsiroyal® Figura Fatburner, Juli 2015. (eingesehen am 13.04.17)

Internetportal Lebensmittelklarheit.de: Slimforce LipoActive Stoffwechsel Plus, ehemals LipoActive Fatburner, November 2016. (eingesehen am 13.04.17)

Klenow S, Latté K P, Wegewitz U, Dusemund B, Pöting A, Schauzu M, Schumann R, Lindtner O, Appel K E, Großklaus E, Lampen A (2012): Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen, Bundesinstitut für Risikobewertung: Yohimbe, Berlin.

Klenow S, Latté K P, Wegewitz U, Dusemund B, Pöting A, Schauzu M, Schumann R, Lindtner O, Appel K E, Großklaus E, Lampen A (2013): Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen, Bundesinstitut für Risikobewertung, 2., ergänzte Auflage, Berlin.

Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme Nr. 004/2013 des BfR vom 16. November 2012: Gesundheitliche Bewertung von synephrin- und koffeinhaltigen Sportlerprodukten und Schlankheitsmitteln.

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Pressemitteilung: Schlankheitsmittel versprechen viel - helfen aber nur wenig, 03.01.2017.

Aktualisierte Mitteilung Nr. 046/2015 des BfR vom 26. November 2015: Nahrungsergänzungsmittel, die Dinitrophenol (DNP) enthalten, können zu schweren Vergiftungen bis hin zu Todesfällen führen.

Das Schweigen der Behörden: Dubioser Schlankmacher: Asche statt Garcinia cambogia, Gute Pillen, schlechte Pillen 03/2016

Lerch C (2016): Garcinia cambogia - ein Schlankmacher? Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart 16.03.2016, (eingesehen am 13.04.17)

Maixner S, Kohl-Himmelseher M (2016): Schlank und fit mit Pillen? , Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe 15.03.2016. (eingesehen am 13.04.17)

Stiftung Warentest (2014), Test Schlankheitsmittel: Da helfen keine Pillen, test (2), S.20 ff. (eingesehen am 13.04.17)

 

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