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FAQ rund um die Plastiktüte

Stand:

Der Einzelhandel in Deutschland nimmt Geld für Plastiktüten - dafür sorgt eine Selbstverpflichtung der Händler. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

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Der Verbrauch von Plastiktüten soll in den Ländern der EU deutlich sinken. Ende April 2015 hat die Kommission eine entsprechende Richtlinie verabschiedet mit dem Ziel, dass der Verbrauch bis 2019 halbiert werden soll. Bis 2025 soll der Verbrauch in der EU auf ein Fünftel im Vergleich zu heute zurückgehen. Für Verbraucher sind jetzt schon einige Veränderungen spürbar. Zum Beispiel bekommen Kunden im Schuh- und Textilhandel nicht mehr überall eine kostenlose Plastiktüte zu ihrem Einkauf. Sind Plastik-Tragetaschen schlecht für die Umwelt und werden sie jetzt verboten?

Werden Plastiktüten jetzt immer etwas kosten?

Es gibt in Deutschland keine gesetzliche Verpflichtung für Händler, Tüten nur noch gegen Geld abzugeben. In Deutschland soll eine Selbstverpflichtung mit dem Handel dazu führen, dass die Ziele der EU-Richtlinie erreicht werden. Darauf haben sich das Umweltministerium und der Handelsverband Deutschland (HDE) geeinigt. Die teilnehmenden Unternehmen haben sich verpflichtet, Kunststofftragetaschen nicht mehr kostenlos an ihre Kunden abzugeben und ein angemessenes Entgelt zu erheben - dies trat spätestens zum 01. Juli 2016 in Kraft. Die Höhe ist den Anbietern freigestellt. Etwa 60 Prozent des Einzelhandels beteiligen sich daran.

Grundsätzlich können die EU-Länder im Rahmen der Richtlinie eine verpflichtende Abgabe für die Tüte einführen. Irland etwa hat dies vor einigen Jahren getan - mit Erfolg. Dort sank der Verbrauch von über 300 Tüten pro Person und Jahr auf nur noch 14 Tüten.

Kostet dann auch die Gemüsetüte Geld?

Die Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung, und auch solche an der Frischetheke sind von den neuen Regelungen nicht betroffen. Sehr dünne Plastik-Tragetaschen - die wegen ihrer Form so genannten "Hemdchen-Beutel" - sind nicht das Ziel der Richtlinie. Diese richtet sich gegen Tragetaschen mit einer Wandstärke zwischen 15 – 50 Mikrometer - also gegen die klassische Tragetasche.

Wie viele Plastiktüten werden überhaupt in Deutschland verbraucht?

Allein wegen der vielen verschiedenen Arten gehen die Zahlen hier auseinander. Das Umweltbundesamt geht von rund 70 Plastiktüten pro Jahr pro Deutschem aus.

Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung zählt dünnere Hemdchen-Beutel mit und hat errechnet, dass in Deutschland jährlich 115 Tüten pro Kopf verbraucht werden. In der gesamten EU sind es rund 100 Milliarden Tüten, das heißt knapp 200 Stück pro Kopf und Jahr. Fast jede zehnte Tüte wird nicht ordnungsgemäß entsorgt, sondern landet in der Umwelt – vor allem in Flüssen, Seen und Meeren.

Sind Papiertüten eine gute Alternative zu Plastiktüten?

Papiertüten sind Plastik nicht generell vorzuziehen. Auch Papiertüten sind Einwegtüten, die sich oft auch nicht mehrfach verwenden lassen. Sind die Papiertüten aus frischen Fasern hergestellt, werden wertvolle Holzrohstoffe für das Einwegprodukt genutzt. Eine Studie des Umweltbundesamtes kam zum Ergebnis, dass die Papiertüten nur dann ökologisch besser abschneiden, wenn sie vollständig aus Recyclingmaterial bestehen. Landet eine Papiertüte jedoch als wilder Müll in der Landschaft, zersetzt sich diese Tüte in der Natur - ein Vorteil von Papier- gegenüber Plastiktüten.

Warum schaden gerade Plastikteile bzw. Plastiktüten unserer Umwelt?

Kunststoffe sind chemisch sehr stabil. Produkte aus Plastik zerfallen nur in immer kleinere Teilchen, bis sie zu Mikropartikeln (Mikroplastik) werden. Vollständig abgebaut werden diese Teilchen allerdings nicht. Gelangt Plastik als wilder Müll in die Umwelt bzw. in Gewässer, dann dauert der Zerfall in Mikroplastik viele Jahrzehnte. Bei einer Plastikflasche im Meer geht das Umweltbundesamt von bis zu 450 Jahren aus. Welche Folgen dies für Natur und Menschen haben kann, ist noch nicht abschätzbar. Es besteht aber der Verdacht, dass die Partikel über die Nahrungskette zum Menschen zurückkehren.

Auswirkungen des Plastikmülls in der Natur auf Meerestiere und -vögel sind jetzt schon sichtbar. In den Mägen vieler Seevögel kann man massenhaft Kunststoffstückchen finden, die für Nahrung gehalten wurden. Die Tiere verhungern mit vollem Magen. Auch in kleinsten Krebsen hat man Kunststoffpartikel entdeckt.

Warum können wir in Deutschland auch etwas dazu beitragen, dass weniger Plastik im Meer landet?

Plastikteile gelangen über verschiedene Wege ins Meer. Insbesondere die dünnen Kunststoff-Tüten werden durch den Wind in die Landschaft, aber auch in Flüsse geweht und so gelangen diese dann in die Meere. Auch Müll am Strand wird ins Meer gespült. Untersuchungen belegen, dass sich Plastiktüten regelmäßig in der Meeresumwelt finden, auch an Stränden der deutschen Nord- und Ostsee. In den Jahren 2008 bis 2012 wurden in den Spülsäumen der Nordsee durchschnittlich 1,5 Einweg-Tragetaschen aus Kunststoff und drei Hemdchenbeutel pro hundert Meter Küstenlinie gefunden.

Wären Bio-Kunststofftüten nicht eine gute Lösung?

Bislang konnte nicht belegt werden, dass so genannte Bio-Kunststoffe ökologische Vorteile haben. Zu groß ist der Aufwand für ihre Erzeugung, und die Verwertung funktioniert nicht. Der Begriff "Bio" ist unpassend und irreführend, da es sich nicht um ein "Bioprodukt" aus ökologischem Anbau handelt. Treffender ist der Begriff "Agro-Kunststoff" oder "Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen" (NawaRo), denn die Rohstoffe für diese Tüten werden landwirtschaftlich erzeugt anstatt - wie bei herkömmlichen Tüten - aus fossilen Rohstoffen (Erdöl) hergestellt.

Agro-Kunststoffe sind - auch wenn sie ein landwirtschaftliches Produkt sind - nicht per se kompostierbar. In Kompostieranlagen sind sie unerwünscht, da sie nicht von den herkömmlichen Plastiktüten zu unterscheiden sind. Ein Recycling findet nicht statt.

Und was kann ich als Verbraucher tun?

  • Unverpackte Lebensmittel einkaufen.
  • Immer den eigenen Korb, die Tasche oder den Beutel dabei haben!
  • Auf Einweg-Kunststofflaschen verzichten, Mehrwegflaschen nutzen.
  • Trinkwasser aus dem Hahn spart nicht nur Kunststoffmüll, sondern auch Geld. Es ist zirka 100-Mal günstiger als Mineralwasser aus der Flasche.
  • Coffee-to-go nur im eigenen Mehrweg-Becher abfüllen lassen.