Menü

Nervige Werbung: So können Sie sich gegen Anrufe und Briefe wehren

Stand:

Egal ob am Telefon oder im Briefkasten: Für unerlaubte Werbung drohen den Firmen empfindliche Geldstrafen. Anrufe können Sie der zuständigen Behörde melden, bei unerwünschter Werbepost ist es komplizierter.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Gegen unerlaubte Telefonwerbung gelten in Deutschland strenge Regeln. Wir zeigen, wo Sie Anrufe melden können.
  • An Sie adressierte Briefe sind dagegen rechtlich oft in Ordnung. Wollen Sie die nicht, sollten Sie beim Unternehmen widersprechen.
  • Kommt dann doch ein weiteres Schreiben, müssten Sie das vor Gericht bringen.
On

Gewinnspiele, Geschäftseröffnungen, Kataloge, Kabelanschlüsse: Auf Ihren Briefkasten und Ihr Telefon prasseln zahllose Werbeangebote ein? Das müssen Sie sich nicht gefallen lassen.

Telefonwerbung: Anrufern drohen Bußgelder

Ganz gleich, ob es um ein Gewinnspiel geht, vermeintliche Geschenke oder Sie etwas kaufen sollen: Telefonwerbung ist verboten, wenn Sie nicht vorher ausdrücklich zugestimmt haben. Dabei gilt:

  • Es ist egal, ob Sie einen Menschen am Apparat haben oder eine Bandansage hören ("automatische Anrufmaschine").
  • Der Werber darf seine Rufnummer nicht unterdrücken – das ist eine zusätzliche Ordnungswidrigkeit.
  • Es reicht nicht aus, sollte der Werber gleich zu Beginn des Gesprächs nach einer Erlaubnis fragen. (Achtung: Viele Firmen lassen sich bei Bestellungen oder anderen Verträgen, die Sie mit Ihnen abschließen, das Recht für Werbeanrufe einräumen. Wie Sie vermeiden, dabei Werbung zuzustimmen, lesen Sie in unserem Beitrag mit Musterbriefen).

Die Bundesnetzagentur kann Rufnummern abschalten und gegen Betreiber empfindliche Bußgelder verhängen (aktuell bis zu 300.000 Euro, im Dezember 2016 hat die Behörde gegen einen Hundefutterhersteller wegen Telefonwerbung ein Bußgeld von 150.000 Euro verhängt). Dafür ist die Behörde auf Hinweise angewiesen. Wenn Sie es den Werbern also schwerer machen wollen, geben Sie der Bundesnetzagentur Bescheid. Sie hat dafür ein Online-Formular eingerichtet.

Notieren Sie sich gleich nach dem Werbeanruf die Uhrzeit und die Telefonnummer. Statt das Online-Tool zu nutzen, können Sie der Bundesnetzagentur auch eine E-Mail an rufnummernmissbrauch@bnetza.de schreiben. Dabei gilt: Je mehr Informationen Sie über den Anruf geben, desto leichter fällt es der Bundesnetzagentur, den Fall zu prüfen. Sie rät auch darauf zu achten, was beim Telefonat beworben wird.

Mehr als die Hälfte der Verbraucher wurde mindestens ein Mal unaufgefordert zu Werbezwecken, zum Beispiel per Telefon, kontaktiert. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktwächters Digitale Welt der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, die auffällige Vertriebsstrategien von Anbietern unter die Lupe genommen hat.

Aus der Umfrage ergibt sich auch: Unaufgeforderte Werbeanrufe und Besuche von Unternehmensvertretern an der Haustür sind für die meisten Verbraucher eher unerwünscht und belästigend.

Werbebriefe: Wenn Sie sie nicht wollen, müssen Sie widersprechen

Bei Werbebriefen und -prospekten gibt es unterschiedliche Varianten:

  • Die Werbung richtet sich eindeutig an Sie, mit Name und Anschrift.
  • Sie richtet sich an alle Personen im Haus (so genannte "Postwurfsendungen" oder "teiladressierte Werbesendungen", zum Beispiel: "an alle Heimwerker im Haus Hüttenstraße 224").
  • Ein Stoß Werbung wird für alle eingeworfen, zum Beispiel vom neuen Pizzabäcker um die Ecke ("nicht adressiert").
  • Die Werbung steckt in anderen Produkten, zum Beispiel der kostenlosen Wochenzeitung oder einer kostenlosen Wochen- oder Programmzeitschrift.

Die letzten drei Schreiben können Sie mit Hinweisen an Ihrer Haustür oder dem Briefkasten verhindern. Welche Aufkleber jeweils wirksam sind, schildern wir in einem separaten Beitrag. Wirft dann jemand doch Werbung ein, können Sie gegen ihn vorgehen – sowohl gegen den Postdienstleister als auch gegen den Werbenden (zum Vorgehen siehe letzter Absatz).

Bekommen Sie dagegen persönlich adressierte Werbesendungen, ist das erst einmal in Ordnung. Unternehmen dürfen Ihre Adresse zum Beispiel aus öffentlichen Adressverzeichnissen nehmen. Wollen Sie solche Schreiben nicht erhalten, sollten Sie den entsprechenden Unternehmen schreiben und widersprechen.

Einige Anbieter haben sich zusammengeschlossen – dann können Sie sich auf eine zentrale Liste setzen lassen, die sogenannte "Robinsonliste". Sie werden dann von den derzeit existierenden Adressenlisten aller Werbeunternehmen gestrichen, die Mitglied im Deutschen Dialogmarketing Verband e.V. (DDV) sind. Das lässt sich online erledigen.

Wenn Sie Waren bestellen oder Verträge abschließen, können Sie einen Widerspruch auch gleich von vorne herein erklären.

Die Verbraucherzentralen empfehlen folgende Formulierung: "Ich widerspreche der Verarbeitung oder Nutzung meiner Daten zu Werbezwecken oder für die Markt- und Meinungsforschung (§ 28 Absatz 4 Bundesdatenschutzgesetz)."

Erst nach einer solchen Erklärung muss sich jede Firma, die Sie informiert haben, daran halten. Schickt sie dennoch etwas, riskiert sie ein Ordnungsgeld (aktuell ebenfalls bis zu 300.000 Euro).

Beim Gang vor Gericht droht das Kostenrisiko

Kommt trotz des Widerspruchs oder der Aufkleber am Briefkasten weiter Werbung? Theoretisch müssen Sie den Anbieter dann selbst darauf verklagen, das in Zukunft sein zu lassen. Wenn Sie keine Rechtsschutzversicherung haben, die das abdeckt, tragen Sie aber das Risiko und es kann sehr teuer werden.