Stichprobe in Handyshops: Informationspflicht wird vernachlässigt

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Zum Weltverbrauchertag 2019 hat die Verbraucherzentrale NRW in 301 Telefongeschäften getestet, ob Kunden ein Produktinformationsblatt erhalten. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, wird aber selten ausgehändigt.

Smartphone-Verkäufer berät Kundin im Geschäft
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Damit Kundinnen und Kunden im Gewirr von Kosten, Extras und Tarifen einen für sie passenden Handyvertrag finden können, ist der Handel rechtlich verpflichtet, über die wichtigsten Details vor einem Vertragsabschluss zu informieren: So müssen Händlerinnen und Händler auf ein Produktinformationsblatt hinweisen, das nach Vorgaben der Bundesnetzagentur gestaltet ist. Sie müssen es leicht zugänglich bereitstellen; also entweder sehr gut sichtbar auslegen oder den Kundinnen und Kunden aushändigen (hier gibt es Muster eines solchen Produktinformationsblattes).

Diese Informationspflicht wird erheblich vernachlässigt. Das ergab eine Stichprobe, die 59 Beratungsstellen der Verbraucherzentrale in 301 Telefongeschäften im Vorfeld des diesjährigen Weltverbrauchertages am 15. März landesweit durchgeführt haben. Aufgesucht wurden Shops mit und ohne Bindung an die großen Mobilfunkunternehmen. Demnach händigten nur zwei Shop-Verkäufer das Produktinformationsblatt von sich aus. Neun von zehn Händlerinnen und Händlern gaben das Papier auch auf Nachfrage nicht raus. In keinem Fall konnten Verbraucherinnen und Verbraucher die vollständigen Vertragsunterlagen vor der Unterschrift zur Prüfung mit nach Hause nehmen. Die Folge: Kundinnen und Kunden geraten häufig in eine Druck- und Überrumpelungssituation und stimmen ohne gründliche Prüfung dem Abschluss eines Handyvertrags zu.

Grafik zur Stichprobe

Gegenüber der Verbraucherzentrale NRW schildern Ratsuchende, dass sie mit Vertragsbedingungen konfrontiert worden seien, die von den mündlich abgesprochenen Konditionen deutlich abwichen. Realisieren sie später den tatsächlichen Preis- und Leistungsumfang, bereuen viele von ihnen die Vertragsunterschrift – bei Mindestlaufzeiten von 24 Monaten kann dies teuer werden.

 

Bemerkenswerte Reaktionen einiger Händler (sinngemäß wiedergegeben) auf unsere Frage nach dem Produktinformationsblatt:

"Was soll das sein, Produktinformationsblatt? Die Medien machen einen verrückt, erzählen viel zu viel. Besser in den Shop kommen, beraten lassen."
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"Man soll sich nicht mit so vielen Kleinigkeiten befassen, da kommt man nur durcheinander."
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"Das ist viel zu viel und zu klein gedruckt. Meine Notizen sind besser."
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"Das Produktinformationsblatt gibt es in der Form nicht mehr. Sie können im Internet nachgucken."
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"Sie können den Vertrag sehen, wenn Sie unterschrieben haben."
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"Das Produktinformationsblatt ist nicht vorrätig. Die vielen Informationen verwirren auch nur."
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"Ist uns nicht bekannt. Das gibt es bei uns nicht."
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"Man sollte nicht so ängstlich sein. Bei Problemen hilft auch die Verbraucherzentrale."
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Telefon und Internet: So vergleichen Sie verschiedene Angebote

Anbieter von Telekommunikationsverträgen, die einen Zugang zum Internet beinhalten,  müssen Sie in einem Produktinformationsblatt über wichtige Punkte ihrer Angebote informieren. Mithilfe dieses Dokumentes können Sie sich informiert für einen Anbieter entscheiden, diesem auf den Zahn fühlen und leichter wechseln.
Welche Vorgaben die Bundesnetzagentur dazu gibt , welche Informationen das Produktinformationsblatt beinhalten muss und wie diese aussehen müssen - erfahren Sie hier.