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Erbe, Spenden, Investments: Maschen mit Vorschussbetrug

Stand:
Unbekannte kontaktieren Sie per E-Mail oder über soziale Medien und versprechen Geld – als Erbe, Spende oder lukratives Geschäft. Doch zuvor sollen Sie selbst zahlen. Was es dabei mit der Zahl 419 auf sich hat, erklärt die Verbraucherzentrale in diesem Artikel.
Junge Frau sitzt in schockierter Haltung vor einem Laptop bei sich zu Hause im Wohnzimmer

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn Ihnen jemand einen Gewinn, eine Erbschaft oder ein lukratives Geschäft verspricht und Sie vorher erst etwas bezahlen müssen, lassen Sie die Finger davon! Denn das versprochene Geld gibt es nicht.
  • Diese Masche heißt Vorschussbetrug oder "419-Scam" – Sie verlieren nur Ihr eigenes Geld.
  • Antworten Sie nicht, blockieren Sie den Absender. Falls Sie bereits gezahlt haben: Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei!
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Was ist Vorschussbetrug?

Beim Vorschussbetrug locken Kriminelle mit großen Geldsummen. Sie behaupten, für einen Geldtransfer, eine Erbschaftsauszahlung oder ein Geschäft sei zunächst eine Vorauszahlung nötig – angeblich für Gebühren, Steuern, Anwaltskosten oder behördliche Dokumente. Wer zahlt, sieht sein Geld nie wieder. Die versprochenen Millionen existieren nicht.

International ist diese Masche als "Advance Fee Fraud" bekannt. Der Begriff "419-Scam" leitet sich von Artikel 419 des nigerianischen Strafgesetzbuchs ab, der diese Betrugsform unter Strafe stellt. Oft wird auch von der "Nigeria-Connection" gesprochen, obwohl die Täter heute weltweit agieren.

So locken die Kriminellen ihre Opfer

Die Kriminellen nutzen verschiedene emotionale Geschichten, um Vertrauen aufzubauen und das Verlangen nach Bereicherung zu wecken:

Erbschaften ohne Erben

Ein angeblicher Vermögensverwalter, Anwalt oder Bankmanager behauptet, Sie als Erben einer verstorbenen Person ausfindig gemacht zu haben. Das Vermögen sei beträchtlich, es gebe aber keine anderen Erben. Sie sollen sich als Verwandter ausgeben und bekommen dafür einen großzügigen Anteil.

Großzügige Spenden

Eine wohlhabende Person – oft eine angebliche Lotterie-Gewinnerin – behauptet, schwer krank zu sein und ihr Vermögen verschenken zu wollen. Als Begründung werden familiäre Wurzeln in Deutschland, Wohltätigkeit oder religiöse Motive genannt.
Beispiel: "Richard Wahl aus New Jersey" gibt vor, den Lotterie-Jackpot gewonnen zu haben, an Krebs zu leiden und über 2,8 Millionen Euro spenden zu wollen. Die Geschichte wirkt detailliert und rührend, ist aber frei erfunden.

Gesperrte Vermögen

Angeblich liegen Millionenbeträge brach und müssen außer Landes gebracht werden – wegen politischer Unruhen, Bankvorschriften, Naturkatastrophen oder nach Flugzeugabstürzen. Sie sollen beim "Geldtransfer" helfen und erhalten dafür eine hohe Provision. Oft flechten die Betrüger:innen geschickt aktuelle Ereignisse, Naturkatastrophen oder politische Krisen in ihre Geschichten ein, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen.

Lukrative Geschäftsmöglichkeiten

Ein vermeintlicher Geschäftsmann bietet Ihnen an, in ein "todsicheres" Investment einzusteigen oder bei einem profitablen Geschäft zu helfen. Oft wird mit angeblich exklusiven Informationen oder Insider-Wissen geworben.

Käufer für Ihre Ware

Sie haben etwas in sozialen Medien oder auf Anzeigenportalen zum Verkauf angeboten? Angebliche Interessenten melden sich und wollen die Ware abholen lassen. Ein Bote würde vorbeikommen und das Geld mitbringen. Für diese "Dienstleistung" sollen Sie aber zunächst Geld an den vermeintlichen Käufer überweisen. Weitere Betrugsmaschen auf Kleinanzeigen-Portalen zeigen wir in diesem Artikel.

Love Scam

Eine fremde Person bittet im Kommentarbereich sozialer Netzwerke um eine private Nachricht, weil sie Ihr Profil angeblich interessant findet. Gehen Sie darauf ein, präsentiert sich die Person mit erfundenen Geschichten meist interessant und versucht, Ihr Vertrauen zu gewinnen. Nach einiger Zeit gibt es plötzlich ein schlimmes Ereignis: Unfall, gestohlene Papiere oder politische Verfolgung. In jedem Fall scheint es lebenswichtig zu sein, dass Sie der Person mit Geld helfen. Mehr darüber lesen Sie in diesem Artikel.

So läuft der Betrug ab

Der Ablauf folgt meist einem typischen Muster:

  1. Erstkontakt: Sie erhalten eine unverlangte E-Mail, Direktnachricht in sozialen Medien oder SMS mit einem verlockend klingenden Angebot. Häufig werden solche Nachrichten als Kettenbrief verschickt.
  2. Vertrauensaufbau: Die Betrüger schildern detaillierte, emotionale Geschichten. Die Nachrichten wirken persönlich und oft umständlich oder altertümlich formuliert
  3. Dokumentenflut: Es werden offizielle aussehende Papiere vorgelegt – gefälschte Ausweise, Verträge, Bankdokumente oder behördliche Schreiben
  4. Die Geldforderung: Plötzlich werden Vorauszahlungen verlangt:
    • "Bearbeitungsgebühren" für Dokumente
    • Angebliche Steuern oder Mehrwertsteuer
    • Anwaltskosten
    • "Schmiergelder" für Behörden
    • Nachweis Ihrer "Glaubwürdigkeit"
  5. Eskalation: Oft beginnt es mit kleinen Summen. Dann tauchen ständig neue "unvorhergesehene" Kosten auf. Die Beträge werden immer größer.
  6. Perfide Variante: Manchmal überweisen die Betrüger:innen sogar einen Geldbetrag, den Sie nach Abzug Ihrer "Provision" weiterleiten sollen. Später wird die ursprüngliche Überweisung storniert – Sie bleiben  auf dem Kontofehlbetrag sitzen.
  7. Kontaktabbruch: Sobald die Kriminellen merken, dass Sie nicht mehr zahlen werden, ist kein Kontakt mehr möglich.

Das Ergebnis: Die versprochenen Millionen hat noch nie jemand gesehen. Das eigene Geld ist futsch.

Woran Sie den Betrug erkennen

Alle Betrugsversuche dieser Art haben gemeinsame Merkmale:

Inhaltliche Warnsignale:
  • Sie werden unvermittelt kontaktiert, obwohl Sie nie Kontakt hatten.
  • Unrealistische Geldsummen werden versprochen.
  • Die Geschichte spricht Ihre Gutgläubigkeit und den Wunsch nach schnellem Reichtum oder Liebe an.
  • Emotionale Manipulation durch Krankheiten, Familiengeschichten oder Wohltätigkeit.
  • Sie sollen Vorauszahlungen für Gebühren, Steuern oder Dokumente leisten.
  • Zeitdruck und Dringlichkeit werden aufgebaut.
  • Geheimniskrämerei: Sie sollen niemanden von der Sache erzählen.
Formale Warnsignale:
  • Fehlerhafte Sprache: Die Nachrichten enthalten Grammatikfehler oder klingen maschinell übersetzt, oft mit altertümlichen Formulierungen.
  • Private Kontaktdaten: Seriöse Organisationen nutzen keine kostenlosen E-Mail-Dienste wie Gmail, Hotmail oder Yahoo.
  • Auslandsadressen: Die Absender sitzen im Ausland – oft in afrikanischen Ländern, aber auch in anderen Teilen der Welt.
  • Unpersönliche Anrede: "Sehr geehrte/r" oder gar keine namentliche Ansprache.
  • Referenzcodes oder Aktenzeichen sollen Seriosität vortäuschen. Gerne werden auch Wappen und Siegel verwendet. Oft wirken diese übertrieben offiziell oder sind von schlechter grafischer Qualität.
Die Geschichte entspricht nicht der Realität:
  • Echte Erbschaftsmitteilungen kommen vom Nachlassgericht oder seriösen Erbenermittler:innen – nie per unaufgeforderter E-Mail.
  • Seriöse Erbenermittler:innen nennen keine konkreten Erbsummen bei der ersten Kontaktaufnahme.
  • Niemand verschenkt Millionen an wildfremde Menschen.
  • Für Auslandsüberweisungen muss man keine Steuern vorauszahlen.
  • Wenn es zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es das meistens auch.

So schützen Sie sich

  • Nicht antworten: Gehen Sie auf solche Nachrichten gar nicht ein! Jede Reaktion bestätigt, dass Ihre Adresse aktiv ist und lädt zu weiteren Betrugsversuchen ein.
  • Niemals Geld überweisen: Zahlen Sie keine Vorabgebühren, egal wie überzeugend die Geschichte klingt oder wie offiziell die Dokumente aussehen!
  • Keine persönlichen Daten preisgeben: Geben Sie niemals Ausweiskopien, Bankverbindungen, Telefonnummern oder andere sensible Informationen heraus!
  • Absender blockieren: Blockieren Sie die Person auf allen Kanälen!
  • Erstkontakt löschen beziehungsweise als Spam markieren: Verschieben Sie die E-Mail in den Spam-Ordner!
  • Im Internet recherchieren: Suchen Sie nach Namen, E-Mail-Adressen oder Textpassagen aus der Nachricht! Oft finden Sie Warnungen von anderen Betroffenen.
  • Beweise sichern: Falls Sie bereits geantwortet oder gezahlt haben, löschen Sie die Nachrichten nicht! Sie sind wichtige Beweismittel.

Sie sind auf die Masche hereingefallen?

Falls Sie bereits Geld überwiesen haben:

  1. Strafanzeige erstatten: Gehen Sie zur Polizei oder nutzen Sie die Internetwache Ihres Bundeslandes!
  2. Beweise sichern: Bewahren Sie alle E-Mails, Nachrichten, Dokumente und Überweisungsbelege auf!
  3. Bank informieren: Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank! In seltenen Fällen können Überweisungen noch gestoppt werden.
  4. Weitere Zahlungen einstellen: Überweisen Sie auf keinen Fall noch mehr Geld, auch wenn die Betrüger neue Geschichten erfinden!

Hintergrund: Woher kommt die Betrugsmasche?

Die Betrugsform existiert bereits seit den 1970er Jahren – zunächst per Brief, später per Fax und heute hauptsächlich per E-Mail und über soziale Medien. Ursprünglich wurde sie mit Betrügerbanden aus Nigeria in Verbindung gebracht, daher die Bezeichnung "Nigeria-Connection".

Heute handelt es sich nicht um eine zentrale Organisation, sondern um viele kleinere Gruppen, die weltweit agieren: in verschiedenen afrikanischen Ländern (Nigeria, Sierra Leone, Liberia, Mosambik, Südafrika, Kongo, Ägypten), aber auch in Pakistan, Dubai, der Schweiz, den USA, China, Kanada und Europa. Diese Banden haben sich auf Betrugsmanöver wie Dokumentenfälschung und Kreditkartenbetrug spezialisiert. Da die Täter:innen im Ausland sitzen, ist eine strafrechtliche Verfolgung häufig schwierig.

Vorsicht auch bei diesen verwandten Maschen:

  • Love Scamming (Romance Scam): Betrüger gaukeln online eine Liebesbeziehung vor und bitten später um finanzielle Hilfe
  • Schneeballsysteme: Angebliche Investmentchancen, bei denen frühe Teilnehmer:innen mit dem Geld neuer Opfer ausgezahlt werden
  • Fake-Shops: Online-Shops, die Vorkasse verlangen, aber nie liefern

Das Grundprinzip bleibt immer gleich: Verlockende Versprechen, gefolgt von Geldforderungen.

Wichtig: Die Geschichten werden ständig angepasst. Kriminelle nutzen aktuelle Ereignisse, bekannte Namen oder neue Trends, um ihre Maschen glaubwürdiger zu machen. Auch neue technische Möglichkeiten wie KI-generierte Profilbilder, gefälschte Sprachnachrichten (Voice Cloning) oder täuschend echt wirkende Videos (Deepfakes) werden genutzt. Bleiben Sie wachsam und skeptisch bei unaufgeforderten Kontaktaufnahmen verbunden mit Geldversprechen!

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