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Novel Food: Antworten auf häufige Fragen zu den neuartigen Lebensmitteln

Stand:

Exotische Samen und Früchte, Mikroalgen, Insekten: Neuartige Lebensmittel, die in Europa früher nicht üblich waren, fasst die Europäische Union unter dem Begriff Novel Food zusammen. Wir beantworten wichtige Fragen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Exotische Lebensmittel regelt die Europäische Union in der Novel-Food-Verordnung.
  • Was hierzulande neu auf den Markt kommen soll, muss vorher durch die EU zugelassen werden.
  • Kernpunkte sind dabei: Ist das Produkt sicher? Welche Hinweise müssen Verbraucher bekommen?

 

Lebensmittel auf dem Tisch: Brot, Eier, Nüsse, Grapefrut, Zitrone, Milch
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Darf jede neue Entwicklung von Lebensmittelherstellern im Supermarkt verkauft werden?

In den Geschäften gibt es laufend Lebensmittel mit neuen Rezepturen und Geschmacksrichtungen. Rezepturänderungen sind normalerweise ohne Genehmigung möglich.

Manche Lebensmittel brauchen in der Europäischen Union (EU) jedoch eine spezielle Zulassung, bevor sie zum Verkauf angeboten werden dürfen. Dies betrifft Erzeugnisse, die vor dem Stichtag 15. Mai 1997 noch kaum in der EU als Lebensmittel verwendet worden sind und die gleichzeitig in bestimmte Produktgruppen fallen. Man spricht hier von neuartigen Lebensmitteln oder Novel Food. Diese Lebensmittel werden durch eine spezielle Verordnung (Novel-Food-Verordnung) geregelt.

Was zählt zu neuartigen Lebensmitteln?

Zu neuartigen Lebensmitteln gehören zum Beispiel exotische Samen oder Früchte wie Chia-Samen, die Früchte des Noni-Baums oder des Baobab-Baums, Mikroalgen wie Spirulina oder Lebensmittel aus Insekten. Auch Lebensmittel, die mit neuen Verfahren hergestellt wurden wie mit UV-Strahlen behandelte Bäckerhefe zur Anreicherung mit Vitamin D oder verschiedenste Bestandteile von Nahrungsergänzungsmitteln zählen zu den so genannten neuartigen Lebensmitteln bzw. Zutaten.

Alle zugelassenen Erzeugnisse sind in einer EU-weit gültigen Liste aufgeführt.

Sind die neuen Entwicklungen sicher?

Mögliche Risiken durch neuartige Lebensmittel, über die man noch zu wenig weiß, müssen vermieden werden. Deshalb werden sie vor der Zulassung auf ihre Sicherheit kontrolliert. Hierfür prüft und bewertet die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die von dem Hersteller eingereichten Studien. Die Europäische Kommission entscheidet dann,

  1. ob das betreffende Erzeugnis in der EU vermarktet werden darf und
  2. ob ggfs. bestimmte Hinweise für eine sichere Verwendung erforderlich sind.

Will ein Anbieter ein traditionelles Lebensmittel aus einem Land außerhalb der Europäischen Union (Drittland) in der EU vermarkten, ist das Verfahren einfacher: Der Antragsteller muss u.a. nachweisen, dass das Lebensmittel im Ursprungsland mindestens 25 Jahre Bestandteil der üblichen Ernährung einer bedeutsamen Anzahl von Personen war.

Wer bestimmt, was neuartig ist?

Der Lebensmittelunternehmer prüft selbst, ob das Lebensmittel, das er auf den Markt bringen will, gemäß der Novel-Food-Verordnung als neuartig einzustufen ist. Wenn er sich nicht sicher ist, muss er sich an das für Deutschland zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wenden.

Die Entscheidung ist maßgeblich dafür, ob das Erzeugnis als neuartig zugelassen werden muss oder ob es sich z.B. lediglich um eine neue Rezeptur handelt, für die keine Zulassung erforderlich ist.

Was unterscheidet Novel Food von anderen Lebensmitteln?

Ein wichtiges Merkmal von neuartigen Lebensmitteln (Novel Foods) ist, dass sie vor dem Stichtag 15. Mai 1997 in der EU noch nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden. Gleichzeitig müssen weitere in der Novel-Food-Verordnung genannte Kriterien erfüllt sein.

Um mögliche Risiken für Verbraucher durch solche Lebensmittel auszuschließen, müssen sie im Gegensatz zu "normalen" Lebensmitteln ein Zulassungsverfahren durchlaufen, in dem auch ihre Sicherheit überprüft wird.

Erkenne ich auf der Verpackung, ob etwas neuartig ist?

Für neuartige Lebensmittel gibt es kein spezielles Logo oder Siegel und keine einheitlichen Kennzeichnungsvorschriften, an denen die Neuartigkeit erkennbar ist.

Im Rahmen der Zulassung entscheidet die EU-Kommission, ob/wie bestimmte Hinweise bzgl. Verwendung, Verzehrempfehlungen, Informationen für Allergiker etc. notwendig sind. So muss z.B. bei vorverpackten Chiasamen (Salvia hispanica) angegeben werden, dass eine tägliche Aufnahme von 15 Gramm nicht überschritten werden darf.

Sind neuartige Lebensmittel gesünder?

Neuartige Lebensmittel sind nicht von vornherein gesünder, auch wenn manche wie z.B. Chiasamen als Superfood beworben werden. Da es sich bei neuartigen Lebensmitteln nicht um eine einheitliche Produktgruppe handelt, sind mögliche gesundheitliche Vorteile in jedem Einzelfall zu beleuchten.

Beispielsweise wurde für Phytosterine eine gesundheitsfördernde Wirkung bzgl. Senkung des Cholesterinspiegels festgestellt. Sie dürfen als neuartige Zutat u.a. Streichfetten, Salatsoßen und Sojagetränken zugegeben werden.

Wo kann ich Insektenlebensmittel kaufen?

Heuschrecken, Mehlwürmer und Co. tauchen zunehmend im Sortiment des Lebensmittelhandels auf. Die Verbraucherzentralen haben in einem Marktcheck im Jahr 2020 insgesamt 32 insektenhaltige Lebensmittel aus dem stationären Handel gefunden und auf Nährwerte, Kennzeichnung und Werbeaussagen geprüft.

Ich bin Allergikerin - muss ich bei Insektenlebensmitteln aufpassen?

Wer eine Allergie gegen den Verzehr von Krebstieren wie Garnelen oder gegen Hausstaubmilben hat, sollte bei Insektenlebensmitteln vorsichtig sein. In Studien konnte gezeigt werden, dass die untersuchten Personen mit einer Allergie gegen Garnelen überwiegend auch nach dem Verzehr von Mehlwürmern allergisch reagierten.

Derzeit ist selbst eine entsprechende Allergenkennzeichnung für Produkte mit Insekten in der EU nicht verpflichtend. Bei allen im Jahr 2020 bei einem Marktcheck der Verbraucherzentralen untersuchten Lebensmitteln wurde auf eine mögliche allergische Reaktion bei bestehender Schalen- und Krustentierallergie hingewiesen.

Hier sind weitere Untersuchungen notwendig, auch um Verbraucher durch Hinweise auf der Verpackung entsprechend zu warnen.

Woran erkenne ich, ob in einem Riegel Insekten verarbeitet wurden?

Hier hilft ein Blick auf die Zutatenliste. Dort sind alle Zutaten in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils aufgeführt. So erfährt man zum Beispiel, ob ein Proteinriegel Grillenpulver enthält.

Gibt es schon Lebensmittel mit Nanoteilchen auf dem Markt?

Derzeit sind keine technisch hergestellten Nanomaterialien als Zutat zu Lebensmitteln zugelassen. Allerdings gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, was alles zu technisch hergestellten Nanomaterialien zählt. Wenn diese Stoffe zugelassen sind, müssen sie mit dem Hinweis "nano" in der Zutatenliste versehen werden.

Zusatzstoffe, die ggf. Nanoteilchen enthalten, werden nicht durch die Novel Food-Verordnung geregelt.

Zählen Gen-Lebensmittel zu Novel Food?

Gentechnisch hergestellte Lebensmittel zählen nicht zu den neuartigen Lebensmitteln. Für sie gelten unterschiedlich strenge Kennzeichnungsregelungen. Wer auf Gentechnik bei Lebensmitteln verzichten will, kann sich an dem Ohne Gentechnik-Logo auf der Verpackung orientieren.

Ich esse keinen Fisch - wo kann ich für meine Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren Mikroalgenöl kaufen?

Öl aus Mikroalgen ist reich an Omega-3-Fettsäuren, die der Mensch über die Nahrung aufnehmen muss. Für Menschen, die keinen Fisch zur Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren essen möchten (z.B. Vegetarier und Veganer), gilt Mikroalgenöl als gute Alternative.

Es wird als Kapseln, als Mischung mit anderen Pflanzenölen oder als Zusatz zu Milch- und Milchersatzerzeugnissen, Streichfetten sowie Salatsoßen, Frühstückscerealien, Backwaren, Getreideriegel und nichtalkoholischen Getränken angeboten. Mit Algenöl angereicherte Öle sind vor allem in Reformhäusern und Bioläden sowie Onlineshops erhältlich.

Dürfen CBD-haltige Lebensmittel verkauft werden?

Wie CBD-haltige Lebensmittel zu bewerten sind und ob sie verkauft werden dürfen, entscheiden die für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Landesbehörden. So kann es in Deutschland zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Allerdings ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit derzeit der Auffassung, dass Cannabidiol (CBD) in Lebensmitteln, also auch in Nahrungsergänzungsmitteln, nicht verkehrsfähig ist.

Am 17. Juni 2020 hat die Stadt Köln im Amtsblatt eine Allgemeinverfügung veröffentlicht, die den Verkauf von Lebensmitteln, die Cannabidiol als CBD-Isolate oder mit CBD angereicherte Hanfextrakte enthalten, untersagt. Dies betrifft sowohl den Verkauf im stationären Handel als auch den Versandhandel und den Verkauf im Internet. Das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel mit CBD.