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ACE-Produkte

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Studien legen nahe, auf Präparate (Tabletten, Kapseln, Getränke) mit den antioxidativ wirkenden Vitaminen Betacarotin (Provitamin A), C und E zu verzichten.

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ACE-Produkte verbinden zumeist Betacarotin (Provitamin A), Vitamin C, Vitamin E - gern als Antioxidantien oder Raucher-Vitamine bezeichnet - und oft auch das Spurenelement Selen. Die Vitaminkombination wird überwiegend in Kapsel- oder Tablettenform angeboten, aber auch als Zusatz in verschiedenen Getränken (ACE-Drinks) oder Bonbons. Manche Hersteller verwenden auch die Bezeichnung BCE (Betacarotin, Vitamin C und E).

EU beschneidet Versprechen der Hersteller

Schneller als die Wissenschaft versucht die Industrie, die Wirksamkeit von ACE-Produkten zu belegen. Angeblich sollten sie vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, das Immunsystem stärken, vorzeitiges Altern verhindern und sogar Krebs vorbeugen.

Diesen Werbeaussagen wurde durch die Health Claims-Verordnung ein Riegel vorgeschoben. Es sind nur noch wenige Aussagen zulässig. Dazu gehören beispielsweise "Selen /Vitamin C/Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen" oder "Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen".

Für Vitamin A und Vitamin C ist die Aussage "Vitamin A/Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei" erlaubt, nicht aber zu einer Stärkung des Immunsystems. Für Betacarotin gibt es keinen zugelassenen Claim. Da Betacarotin die Vorstufe für die Bildung von Vitamin A ist, wird für Betacarotin gerne auch mal auf die Vitamin A-Claims zurückgegriffen.

Studienergebnisse legen Verzicht nahe

Eine umfangreiche britische Langzeitstudie (Heart Protection Study) mit über 20.000 Teilnehmern hat allerdings schon 2000 gezeigt, dass eine ACE-Aufnahme zwar nicht schadet, aber auch nach 5-jähriger Einnahme wirkungslos blieb.

Eine neuere Auswertung von sehr vielen Interventionsstudien (Metaanalyse, JAMA 297, 842ff, 2007) mit über 230.000 Teilnehmern ergab jedoch signifikante Unterschiede in der Sterberate. Danach kann sich die Lebenszeit durch die regelmäßige Einnahme von Vitamin A, Beta-Carotin und Vitamin E in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verkürzen. Die Untersuchung ermittelte keine schädliche, aber eben auch keine nützliche Wirkung bei Vitamin C und Selen.

In einer Studie der Universität Jena wurde 2009 sogar festgestellt, dass die Einnahme von Antioxidantien in Form von Vitamin C und E die gesundheitsfördernde Wirkung von körperlicher Bewegung unterdrückt. Die Verfasser befürchten zudem, dass das Risiko steigt, an Diabetes zu erkranken.

Bei einem Vergleich von ACE-Drinks mit nicht angereicherten Säften, stellten Forscher der Bonner Universität fest, dass viele Säfte von Natur aus gleich hohe oder sogar höhere Antioxidantien-Gehalte aufwiesen. Spitzenreiter waren Johannisbeernektar und roter Traubensaft. Der Antioxidantien-Gehalt in einem Lebensmittel sollte nicht mit dem ORAC-Wert verwechselt werden.

Erhöhtes Risiko für Raucher

Antioxidativ wirkende Vitamine haben die Eigenschaft, aggressive Stoffe im Körper, so genannte "freie Radikale", unschädlich zu machen. Bestehende Krankheiten können jedoch durch sie nicht geheilt werden. Vor allem Raucher sollten bei der Aufnahme von ACE-Getränken und Beta-Carotin mit der Menge aufpassen, da sich das Lungenkrebsrisiko nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (Bfr) durch das zugesetzte Betacarotin noch erhöht.

Nach einer aktuellen Bewertung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) sind Mengen von bis zu 15 Milligram Beta-Carotin pro Tag insgesamt (aus Anreicherung und als Farbstoff zugesetzt) unbedenklich. Günstiger jedoch ist es, zu jeder Mahlzeit reichlich Gemüse und Obst zu essen. Fertigprodukte sollten nach Meinung des Bundesinstituts für Risikobewertung überhaupt nicht mit Beta-Carotin angereichert werden und in Nahrungsergänzungsmitteln nur mit großer Vorsicht eingesetzt werden.

Von großer Bedeutung: Sekundäre Pflanzenstoffe

Übrigens weiß man inzwischen, dass die sekundären Pflanzenstoffe die antioxidative Wirkung der genannten Vitamine noch um ein Vielfaches übertreffen und steigern können. Sekundäre Pflanzenstoffe haben in Gemüse, Obst oder Getreide häufig die Funktion von Botenstoffen, sind aber auch als Abwehrstoffe, zum Beispiel gegen Insekten, bekannt.

Für den Menschen können einzelne Stoffe kreislaufanregend, verdauungs- oder gesundheitsfördernd sein. Nach gängiger wissenschaftlicher Meinung ist dafür aber nicht allein die Aufnahme einzelner sekundärer Pflanzenstoffe entscheidend, sondern die gesamte Ernährungsweise, also eine an Getreide, Gemüse und Obst reiche Kost. Wahrscheinlich sinkt bei hohem Konsum von Gemüse und Obst die Häufigkeit bestimmter Krebserkrankungen.

Der Gehalt an wertvollen Nährstoffen ist übrigens bei Freilandgemüse höher als bei Treibhausware. Deshalb: Gemüse und Obst der Saison bevorzugen!