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Jodversorgung schon besser, aber noch nicht gut

Stand:

Die Jod-Versorgungslage könnte besser sein, zu wenig davon kann schwerwiegende Folgen haben.

Das Wichtigste in Kürze:
Erst den Arzt fragen

  • Untersuchungen zeigen, dass die Jodversorgung nicht optimal ist.
  • Eine ausreichende Jodversorgung ist leicht möglich, wenn bewusst auf den Verzehr jodhaltiger Lebensmittel (inklusive jodiertem Speisesalz) geachtet wird.
  • Jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel sind in der Regel nicht notwendig.
  • Bei Schwangeren und Stillenden oder Personen, die auf tierische Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Milch, Eier) verzichten, kann eine Supplementierung sinnvoll sein - diese sollte aber mit dem Arzt abgesprochen sein, um zum Beispiel eine Überfunktion der Schilddrüse zu verhindern.
Jodversorgung schon besser, aber noch nicht gut
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Was steckt hinter den Werbeaussagen zu jodhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln?

In Nahrungsergänzungsmitteln für das Immunsystem, die "schöne" Haut, Gehirn und Nerven oder auch für die Schwangerschaft ist häufig Jod enthalten. Bei der Vermarktung dieser Produkte dürfen nur bestimmte gesundheitsbezogene Aussagen gemacht werden. Diese Aussagen sind auf europäischer Ebene genau definiert.

Für Jod sind folgende gesundheitsbezogene Werbeaussagen erlaubt, veröffentlicht im Amtsblatt der Europäischen Union:

  • Jod trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei
  • Jod trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei
  • Jod trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei
  • Jod trägt zur Erhaltung normaler Haut bei
  • Jod trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei
  • trägt zum normalem Wachstum von Kindern bei

Es geht bei diesen Aussagen aber nur darum, dass normale Funktionen aufrechterhalten werden, nicht um eine Leistungssteigerung. Ein Mehr an Jod - über den körpereigenen Bedarf hinaus - bringt keine gesundheitlichen Vorteile.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von jodhaltigen Produkten achten?

Jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel werden in der Regel mit einer Tagesdosis zwischen 100 bis 200 µg angeboten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 100 µg bzw. 150 µg für schwangere und stillende Frauen pro Tag enthalten sollten.

Achtung: Meerestang und -algen können sehr große Mengen an Jod enthalten, so dass hier schon geringe Aufnahmemengen von 1 bis 10 g getrockneter Algen die maximale Aufnahmemenge von 500 µg/Tag deutlich überschreiten können.

In Abhängigkeit von der Dosis und der Empfindlichkeit der Personen kann es aufgrund einer Überversorgung an Jod zu Krankheitsbildern, wie Schilddrüsenüberfunktion, Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis kommen. Die Verwendung jodhaltiger Nahrungsergänzungsmittel sollte daher mit dem Arzt abgesprochen sein.

Eine Jodallergie, Jodakne oder ein Kropf durch zu viel Jod tritt nur auf bei jodhaltigen Medikamenten, Desinfektionsmitteln oder Kontrastmitteln auf.


Diese Mineralstoffverbindungen sind gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 05. Juli 2017) für Jod in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen:

  • Natriumiodid
  • Natriumiodat
  • Kaliumiodid
  • Kaliumiodat

 

Wofür braucht der Körper Jod?

Jod wird für den Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt. Diese Hormone steuern den Energiestoffwechsel, den Herzrhythmus, sowie den Blutdruck. Außerdem sind sie beteiligt an Prozessen wie Knochenbildung, normalem Wachstum und der Entwicklung des Gehirns.

Eine angemessene Jodversorgung und damit eine normale Schilddrüsenfunktion sind für die Lebensqualität eines Erwachsenen unabdingbar. Ein Mangel macht sich durch eine niedrige Kältetoleranz, trockene Haut, Haarausfall, Gewichtszunahme, depressive Verstimmung, sowie Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten bemerkbar.

Bei einem starken Mangel werden zu wenig Hormone produziert. Es kommt zur Vergrößerung der Schilddrüse, dem sogenannten Kropf, mit eventuell heißen oder kalten Knoten (bösartige Veränderung).

Eine zu niedrige Jodversorgung in Schwangerschaft, Stillzeit und Säuglingsalter kann zu lebenslangen Entwicklungs- und Funktionsstörungen führen.

Die empfohlene Zufuhr beträgt in Deutschland 200 µg pro Tag für Jugendliche und Erwachsene bis 50 Jahren, ab 51 Jahren 180 µg. In der Schweiz gilt die niedrigere empfohlene Dosis der WHO von 150 µg in Folge des seit jahrzehntelangen erfolgreichen konsequent eingesetzten Jodsalzprogramms.

Kann ich meinen Tagesbedarf über die Nahrung decken?

Der Jodgehalt von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln ist regional unterschiedlich, er schwankt nach Jodgehalt des Bodens, Bergregionen haben besonders wenig. Aufgrund des Jodgehalts der Meere sind Seefische und andere Meerestiere oder -pflanzen wie Muscheln und Algen von Natur aus jodreich.

Die Jodversorgung in Deutschland hat sich durch den Einsatz von Jodsalz in Privathaushalt und teilweise in Gastronomie und Industrie verbessert. Aber auch, weil die Nutztiere das für sie lebenswichtige Spurenelement über jodiertes Futter bekommen, ist der Jodgehalt in Eiern, Milch und Milchprodukten gestiegen.

Die Jodversorgung könnte allerdings noch verbessert werden. Studien haben ergeben, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene im unteren optimalen Bereich liegen. Beurteilt wird die Jodversorgung nach der Höhe der Jodausscheidung über den Urin optimal wäre: 100 -  199 µg/l.

Bei einseitiger vegetarischer Ernährung, bei Verzicht auf Milch- und/oder Fischprodukte und bei einer sehr salzarmen Ernährung kann es sein, dass die empfohlene Aufnahmemenge nicht erreicht wird. In Absprache mit dem Arzt kann eine zusätzliche Zufuhr von Jod als Nahrungsergänzung erwogen werden.

Die Menge an Kalium- oder Natriumjodat im Jodsalz oder auch Nitritpökelsalz ist gesetzlich mit 15 bis 25 mg/kg Speisesalzt limitiert. Bei Knoblauch- oder Kräutersalzen ist beim Einkauf darauf zu achten, dass in der Zutatenliste "jodiertes Speisesalz" in der Zutatenliste steht. Die in Mode gekommenen Salzspezialitäten wie Himalaya-, Meer-, Hawaiisalz bzw. Fleur de Sel tragen unwesentlich zu Jodversorgung bei und sollten deshalb nur selten eingesetzt werden.

Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf, hier ist in der Regel die Einnahme von jodhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll. Aufgrund der verbesserten Jodversorgung in Deutschland werden  100 -150 µg pro Tag in Form eines Nahrungsergänzungsmittels empfohlen. Dies sollte aber mit dem Arzt abgesprochen werden, um eventuellen Mehrfacheinnahmen vorzubeugen.

Tipps:

  • Achten Sie beim Einkauf auf die Zutatenliste. Dort sollte "Jodsalz" oder "jodiertes Speisesalz" und nicht nur "Salz" stehen.
  • Fragen Sie beim Bäcker, Fleischer und "Außer-Haus-Verzehr" entsprechend nach.
  • Verwenden Sie im Haushalt möglichst ausschließlich Jodsalz.
  • Essen Sie täglich Milch und Milchprodukte sowie ein- bis zweimal pro Woche Fisch aus dem Meer.
  • Verwenden Sie jodhaltige Nahrungsergänzungsmitteln nur nach Rücksprache mit dem Arzt.

 

Quellen:


Weißenborn A. et al.: Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. J Consum Prot Food Saf (2018). Online publiziert am 04.01.2018

D-A-CH: DGE Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 1. Ausgabe 2015

Biesalski, Bischoff, Puchstein: Ernährungsmedizin, Thieme Verlag, 2010

Paolo M. Suter: Checkliste Ernährung, Thieme Verlag, 2002

Amtsblatt der Europäischen Union, VO Nr. 432/ 2002 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern

Jodversorgung in Deutschland, Schwangere und Stillende supplementieren! Allgemeinartzt-online vom 20.03.2018 abgerufen am 16.07.2019

Informationsschrift Arbeitskreis Jodmangel e.V. Jod Versorgung Aktuell, Herbst -Ausgabe 2016

Informationsschrift Arbeitskreis Jodmangel e.V. Jod Versorgung Aktuell, Herbst-Ausgabe 2015

BfR (2012): Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsoge

BfR: Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen, Aktualisierte Stellungnahme vom 12.06.2007

BfR (2014) Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft   

Bundesgesundheitsblatt: Jodversorgung in Deutschland, Ergebnisse des Jodmonitorings im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS), 2007

Robert-Koch-Institut: Studie zu Erwachsenen in Deutschland

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Jodversorgung in Deutschland

UGB Forum 5/08, Hans-Helmut Martin: Nitrat im Essen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 13. DGE-Ernährungsbericht. 2016

 

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