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Chitosan - aus Krabbenschalen Geld machen

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:
Hat keine Wirkung!

  • Für Nahrungs­ergänzungs­mittel mit Chitosan gibt es keine wissen­schaftlichen Beweise für eine Gewichts­reduktion.
  • Sofern nötig, werden Cholesterin­spiegel mit einer Kost­umstellung effektiver gesenkt.
  • Für Personen mit einer Krusten- oder Schalentier­allergie nicht geeignet.
Chitosan – aus Krabbenschalen Geld machen
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Was verspricht die Werbung?

Fettblocker mit Chitosan werden heute als Pulver oder in Kapsel- bzw. Tablettenform in Supermärkten, Reformhäusern und Apotheken und meist als Medizin­produkte angeboten. Sie unterliegen damit nicht dem Lebensmittel­recht und wirken prinzipiell rein physikalisch. Das enthaltene Chitosan soll angeblich bis zum Achtfachen seines Eigengewichts an Nahrungsfett binden. Die gewünschte Wirkung wird aber nur zusammen mit einer Kalorien reduzierten Ernährung erzielt; das Produkt alleine reicht nicht.

Es gibt aber aber auch Nahrungs­ergänzungs­mittel, die Chitosan (Schalentier-Kutikula-Extrakt) enthalten. Diese werden allerdings weniger zur Gewichtsreduktion als vielmehr zu Cholesterin­spiegel­senkung angepriesen.

Was ist Chitosan?

Chitosan stammt aus dem Griechischen und bedeutet Hülle oder Panzer. Chemisch gesehen ist es ein Polyamino­saccharid und wird auch als Poly­glucosamin bezeichnet. Es wird aus Chitin gewonnen; Hauptquelle sind die Schalen von Garnelen und Krabben. Deswegen sollten Personen mit einer Krusten- oder Schalentier­allergie auch keine Produkte mit Chitosan nehmen.

Außerdem enthalten Pilze Chitin, einige auch Chitosan. Vegetarier können daher an Chitosan gelangen, das nicht tierischen Urspungs ist.

Im Prinzip ist Chitosan ein Abfallstoff aus der Lebensmittel­industrie (Schalen und Panzer von Krebsen, Krabben, Garnelen etc.) und dient normalerweise als Emulsions­stabilisator oder Bindemittel in Kosmetika.

Inwieweit Chitosan als Zutat in Nahrungs­ergänzungs­mitteln in Deutschland überhaupt zulässig ist, ist rechtlich umstritten. In anderen EU-Ländern wie Österreich ist es erlaubt, so dass es auch hier im Zuge der gegenseitigen Anerkennung auf den Markt gebracht werden darf. Gegen einen chitosan­haltigen Pilzextrakt wäre aber vermutlich auch hier nichts einzuwenden.

Wie wirkt Chitosan?

Chitosan quillt auf und bildet ein leicht sättigendes Gel. Über die Gelbildung wird ein Teil des Nahrungsfetts, andere fettlösliche Stoffe und Gallensäuren gebunden und unverdaut ausgeschieden.

Je nach Produkt sollen 20-25 g Nahrungsfett täglich gebunden werden können. Das wäre gerade ein Sechstel dessen, was Durchschnitts­deutsche pro Tag an Fett essen. Allerdings ist unklar, ob das nur im Reagenzglas oder auch im Körper wirklich so funktioniert.

Kontrollierte Studien am Menschen gibt es nicht, in Tierversuchen wurden deutlich höhere Mengen verwendet, die etwa 20-25 g Chitosan pro Tag für den Menschen bedeuten würden. In einer oft zitierten "erfolgreichen" Humanstudie mussten die Teilnehmer gleichzeitig eine Diät mit 950-1000 kcal einhalten.

Das wissen auch die Hersteller: Wirklich Fettpolster loswerden funktioniert nur in Verbindung mit einer ausgewogenen, fett­normalisierten Ernährung (60-80 g Fett/Tag) und Bewegung – so steht es oft im Kleingedruckten.

Durch das Binden von Gallensäuren kann es je nach Menge zu einer leichten Senkung der Cholesterinwerte kommen.

Auf was muss ich bei der Verwendung von Nahrungs­ergänzungs­mitteln mit Chitosan achten?

Ganz wichtig: Chitosan ist gefährlich für Personen mit einer Krusten- oder Schalentier­allergie!

Durch die Blockade von Nahrungsfetten kann die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen und essentiellen Fettsäuren und auch von gleichzeitig eingenommenen Medikamenten (z.B. auch der Pille) verhindert werden.

Wer Verdauungsprobleme, Stoffwechselstörungen oder Probleme mit dem Darm hat oder regelmäßig Medikamente wie Blutverdünner (Vitamin-K-Antagonisten) nehmen muss, sollte Nahrungsergänzungsmittel mit Chitosan nur nach Rücksprache mit dem Arzt ausprobieren.

 

Quellen:


Feldheim W: Sind Chitin-/Chitosan-Präparate zur Reduktion von Übergewicht geeignet? Ernährung & Medizin 18 (3): 150-151, 2003

Hahn A (ed): Nahrungsergänzungsmittel. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2001, S. 250

Vorsicht Desinformation: Abnehmen mit Chitosan (Redumin u.a.)? arznei-telegramm 33 (1), 2002, S. 2