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Inkassounternehmen: Branche mit vielen schwarzen Schafen

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Ein Inkassounternehmen, auch Inkassobüro genannt, ist ein Dienstleister, der Gläubigern dazu verhilft, geschuldetes Geld einzutreiben. In der Branche tummeln sich leider auch viele schwarze Schafe.

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So gibt es Inkassofirmen, die mit zwielichtigen Dienstleistungen Kasse machen wollen. Sie bauen eine Drohkulisse von Mahnbescheid über Zwangsvollstreckung bis hin zum Gerichtsvollzieher auf, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Mit unseren Antworten auf häufig gestellte Fragen versuchen wir, die Spreu vom Weizen zu trennen und Ihnen Tipps zu geben, wie Sie auf Inkasso-Forderungen reagieren können.

Eintreiben von Forderungen

Ein Inkassounternehmen darf Forderungen eintreiben, auf die ein Gläubiger, Ihr Vertragspartner (Händler, Telefongesellschaft, Versicherungsunternehmen usw.), Anspruch hat. Das heißt, Sie hätten schon längst bezahlen müssen, haben aber auf Zahlungsaufforderungen nicht reagiert und befinden sich nun in Zahlungsverzug.
Aber auch wenn Sie bei Vertragsabschluss vereinbart haben, innerhalb einer bestimmten Anzahl von Tagen bzw. zu einem bestimmten Termin den Betrag zu zahlen und Ihrer Zahlungspflicht nicht nachkommen, können Inkassounternehmen tätig werden. Ihr Vertragspartner muss Ihnen in solchen Fällen keine Rechnung ausstellen oder Sie zur Zahlung anmahnen.
Inkassounternehmen handeln entweder in Vollmacht für ein Unternehmen oder aber Sie kaufen Forderungen auf.

Sind alle Inkassounternehmen seriös?

Nein. Viele Inkassofirmen wollen mit dubiosen Dienstleistungen Kasse machen. Sie bauen eine Drohkulisse vom Mahnbescheid über Zwangsvollstreckung bis hin zum Gerichtsvollzieher auf, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Anhand der Schreiben können die betroffenen Verbraucher oftmals gar nicht erkennen, wo die noch offenen Rechnungen herrühren und ob die Forderungen berechtigt sind. Durch aggressive Wortwahl und durch vermeintlich drohende Gerichtsverfahren erreichen die Inkassounternehmen ihr Ziel: Die verängstigten Adressaten stimmen der erhobenen Geldforderung zu und zahlen, selbst wenn sie nicht müssten.

Wenn Sie von einem Inkassounternehmen eine Zahlungsaufforderung erhalten, verlangen Sie das Original der Vollmacht oder Abtretungsurkunde des Inkassounternehmens.

Seit dem 1. November 2014 müssen Inkassounternehmen klar und verständlich insbesondere den Namen oder die Firma des Auftraggebers sowie den Forderungsgrund, bei Verträgen den Vertragsgegenstand und das Datum des Vertragsschlusses mitteilen.

Woran erkenne ich ein (un)seriöses Inkassounternehmen?

Jedes Inkassobüro muss gemäß §10 Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) registriert sein. Es benötigt einen entsprechenden Registrierungsbescheid vom Präsidenten des zuständigen Land- oder Amtsgerichtes. Ob ein Inkassobüro registriert ist, können Sie im Rechtsdienstleistungsregister kostenfrei nachprüfen.

Ist ein Inkassobüro nicht registriert, so begeht der Betreiber eine bußgeldbewährte Ordnungswidrigkeit. Für das Betreiben eines "wilden Inkassobüros" kann ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro verhängt werden.

Beachten Sie bitte, dass die Registrierung eines Inkassobüros allein nichts über dessen Seriosität aussagt. Auch registrierte Inkassobüros können unseriöse Methoden anwenden.

Inkassounternehmen sind verpflichtet, auf ihren Briefbögen auf die behördliche Registrierung hinzuweisen. Finden Sie keine Registrierung, zeigen Sie das bei Gericht an. Welches Gericht zuständig ist, können Sie ebenfalls im Rechtsdienstleistungsregister nachschauen.

Aus dem Schreiben muss zudem hervorgehen, für wen die Bezahlung der Forderung beigetrieben wird. Darüber hinaus müssen sowohl der Vertragsgegenstand als auch das Datum des Vertragsschlusses konkret benannt werden. Auf Ihre Anfrage hin muss das Inkassounternehmen ergänzende Angaben machen, so unter anderem mitteilen

  • die Anschrift des Auftraggebers (die sogenannte "ladungsfähige" Anschrift – Postfach reicht nicht),
  • Name oder Firma des (ursprünglichen) Gläubigers und
  • besonders wichtig: bei Verträgen die wesentlichen Umstände des Vertragsschlusses (zum Beispiel per Telefon oder persönlich im Ladenlokal).

Die einzutreibende Forderung muss nachvollziehbar sein. Ein seriöses Inkassobüro setzt Ihnen eine angemessene Frist zum Ausgleich der Forderung. Nicht in Ordnung ist es, wenn Sie ein Schreiben erhalten, dass auf einen Zeitpunkt datiert ist, der mehr als zwei Wochen vor der Zustellung liegt und die gesetzte Zahlungsfrist bereits mehrere Tage verstrichen ist. Ebenso wird ein seriöses Inkassobüro auf Ihre Einwände eingehen und von weiteren unbegründeten Zahlungsaufforderungen absehen.

Welche Gebühren(höhe) darf das Inkassounternehmen verlangen?

Anders als Rechtsanwälte berechnen Inkassounternehmen ihre Leistung nicht nach einer gesetzlichen Gebührenordnung, sondern kalkulieren wie Kaufleute. Preise und Konditionen sind daher sehr unterschiedlich. Die Gebührenhöhe hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Um Preisteiberei zu verhindern, sind die Inkassokosten von registrierten Inkassodienstleistern "gedeckelt", das heißt, die Inkassokosten dürfen nicht die entsprechenden Rechtsanwaltsgebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz überschreiten.

Sie müssen nicht zahlen, wenn Sie sich sicher sind, keinen Vertrag mit dem Unternehmen abgeschlossen zu haben, in dessen Auftrag die konkrete Forderung einkassiert werden soll. Um von Ihnen Inkassokosten verlangen zu können, müssen Sie sich in Zahlungsverzug befinden. Verzug setzt eine bestehende, fällige und durchsetzbare Forderung voraus.

Rechnungen von Inkassobüros sollten Sie stets sorgfältig prüfen. Hinterfragen Sie dabei jede Position; denn die Rechnungen sind häufig überhöht.

Stellt Ihnen das Inkassounternehmen Kontoführungsgebühren in Rechnung, müssen Sie diese nicht bezahlen. Die Kontrolle der Forderung und der Eingang deren Zahlung gehören zur allgemeinen Geschäftstätigkeit des Inkassounternehmens und sind über die Inkassogebühr gedeckt.

Macht das Inkassounternehmen Zinsforderungen geltend, muss es detaillierte Angaben zur Berechnung der Zinsen machen, den Zinssatz und den Zeitraum, für den die Zinsen geltend gemacht werden, angeben. Zinsforderungen sind entsprechend den gesetzlichen Vorschriften gegenüber Verbrauchern in Höhe von lediglich 5 Prozentpunkten über dem Basiszins zulässig.

Gebühren zwischen vier und acht Euro für die Ermittlung einer Adresse oder für Nachfragen beim Einwohnermeldeamt sind gerechtfertigt, wenn Sie umgezogen sind und dies nicht ihrem ursprünglichen Vertragspartner mitgeteilt haben.

Hat das Inkassounternehmen die Forderung gekauft, darf es keine Inkassogebühren verlangen. Es betreibt das Inkasso in eigener Sache.

Haben Sie Ihrem Vertragspartner von Anfang an klar gemacht, nicht zahlen zu wollen oder zu können und haben Sie der unberechtigten Forderung widersprochen, darf kein Geld für das Inkasso verlangt werden.

Erfolgt ein Schufa-Eintrag?

Ein Eintrag bei der Schufa oder einer anderen Auskunftei ist nur zulässig, wenn es sich um eine berechtigte Forderung handelt und Sie die Rechnung trotz mindestens zweifacher Mahnung nicht bezahlen.

Wenn Sie die Forderung jedoch bestritten haben und dies dem Inkassounternehmen auch mitteilen, dürfen keine Daten übermittelt werden. Auch massive Drohungen mit einem Eintrag bei der Schufa sind nicht zulässig. Darüber hinaus haben Sie ein Auskunftsrecht bezüglich Ihrer gespeicherten Daten und das Recht, unzulässige Einträge löschen bzw. berichtigen zu lassen. Hier finden Sie weitere Informationen und Musterschreiben zu Ihrem Auskunftsrecht.

Kommen große wuchtige Männer und/oder werde ich verurteilt?

Bange machen gilt nicht! Es kommen keine großen, wuchtig aussehenden Männer zu Besuch oder in Ihre Wohnung, selbst wenn sich der vermeintliche Besuchsdienst ankündigt. Sie werden auch nicht ohne weiteres (strafrechtlich) verurteilt. Lassen Sie sich nicht von Urteilen irritieren, die den Zahlungsaufforderungen anhängen. Diese betreffen immer nur einen Einzelfall und nicht automatisch Ihre konkrete Situation.

Lassen Sie sich auch nicht davon einschüchtern,
  • wenn damit gedroht wird, Polizei und Staatsanwaltschaft einschalten zu wollen,
  • wenn Mahn- oder Vollstreckungsbescheid angekündigt werden,
  • wenn nach Erlass eines Vollstreckungsbescheides die Zwangsvollstreckung Ihrer Bezüge, Rente, Ihres Arbeitslosengeldes durch den Gerichtsvollzieher folgen sollen!

Bevor der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, muss ein Gerichtsverfahren abgeschlossen sein und ein vollstreckbarer Titel oder ein abgeschlossenes Mahnverfahren und ein Vollstreckungsbescheid vorliegen. Dafür müsste jedoch zunächst ein Mahnbescheid erlassen worden sein. Sollte dies der Fall sein, widersprechen Sie diesem innerhalb von zwei Wochen, sofern Sie der Auffassung sind, die geltend gemachte Forderung sei dem Grunde oder der Höhe nach nicht berechtigt.

Erst danach muss das Inkassounternehmen den geltend gemachten Anspruch umfassend darlegen und als Klageschrift bei Gericht einreichen. Ein Richter hat dann über die geltend gemachte Forderung zu entscheiden. Und genau das wollen die Unternehmen oftmals nicht, zumindest dann nicht, wenn es sich um auf wettbewerbswidrige und unerlaubte Telefonanrufe beruhende untergeschobene Verträge oder vermeintliche Gewinnmitteilungen handelt.

Wie verhalte ich mich richtig?

Reagieren Sie!

Überprüfen Sie, ob die Forderung gegen Sie zu Recht besteht. Wenn ja, müssen Sie zahlen. Erhalten Sie aber von einem Inkassounternehmen eine Zahlungsaufforderung, obwohl Sie dieser unberechtigten Forderung bereits nach Erhalt der Rechnung widersprochen haben, verweisen Sie auf den Widerspruch, und lehnen Sie eine weitere Geltendmachung als zwecklos ab.

Haben Sie der geltend gemachten Forderung noch nicht widersprochen, reagieren Sie umgehend. Begründen Sie gegenüber dem Inkassounternehmen umfassend, weshalb Sie widersprechen und welche Einwände Sie haben.

Wenn die Forderung nicht berechtigt ist, zahlen Sie nicht, auch keinen anteiligen Betrag, denn das könnte als Anerkenntnis gewertet werden. Ebenso wenig sollten Sie eine vom Inkassounternehmen vorgeschlagene Ratenzahlungsvereinbarung unterzeichnen, um die Forderung "abzustottern". Mit einer solchen Vereinbarung erkennen Sie die Forderungen an und verlieren die Möglichkeit, sie zu bestreiten. Sie müssten dann selbst eine eigentlich unbegründete Forderung bezahlen oder hätten es zumindest erheblich schwerer, wenn Sie dann doch nicht (mehr) zahlen wollten.

Wenn Sie erstmalig auf das Schreiben eines Inkassobüros reagieren, führen Sie den Schriftverkehr immer per Einschreiben mit Rückschein oder bei Postfächern mit Einwurf-Einschreiben. So halten Sie einen Beweis in Händen. Schreiben Sie stets das Inkassounternehmen an und setzen Sie die Firma, mit der Sie den vermeintlichen Vertrag geschlossen haben sollen, mit einer Kopie des Schreibens in Kenntnis.