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Bestrahlung von Lebensmitteln: In Deutschland nur bei Kräutern und Gewürzen

Stand:

Hierzulande wurden im Jahr 2013 etwa 891 Tonnen Lebensmittel (Vorjahr: 289 Tonnen) bestrahlt. Davon waren 103 Tonnen Lebensmittel (Vorjahr: 132 Tonnen) für den Export in die Europäische Union bestimmt.

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Gewürze
Foto: adisa / Fotolia.com

Lebensmittel, die eine gewisse Zeit lagern, müssen haltbar gemacht werden: Insekten-, Mikroorganismen, Schimmelpilze oder Wärme führen sonst schnell zum Verderb. Neben traditionellen Methoden wie Sterilisieren, Trocknen, Tiefgefrieren oder dem Einlegen in Salz oder Essig ist es auch möglich, Lebensmittel mit Gamma-, Röntgen- oder Elektronenstrahlen zu konservieren. Je nach Strahlendosis werden unterschiedliche Wirkungen erzielt. Mikroorganismen, Eier, Larven, ausgewachsene Insekten zum Beispiel auf Gewürzen oder in Getreide - werden reduziert oder abgetötet. Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch keimen nicht mehr aus. Krankheitserreger wie Salmonellen auf Fisch oder Geflügel können abgetötet werden. Bei Früchten lässt sich erreichen, dass sie langsamer reifen und weniger rasch verderben.

Gesetzliche Regelungen

Bestrahlt wird in eigens dafür zugelassenen Anlagen, die behördlich überwacht werden müssen. Die Strahlendosis wird in Gray gemessen. In Deutschland ist lediglich die Bestrahlung von getrockneten aromatischen Kräutern und Gewürzen mit einer maximalen Dosis von 10 Kilogray erlaubt. In mehreren EU-Mitgliedstaaten bestehen weitere nationale Zulassungen für bestimmte Lebensmittel. So dürfen beispielsweise in den Niederlanden Hülsenfrüchte, Hühnerfleisch, Garnelen und tief gefrorene Froschschenkel bestrahlt werden, in Großbritannien Fische, Geflügel, Getreide und Obst. Es ist jedoch untersagt, diese Produkte ohne besondere Genehmigung (so genannte Allgemeinverfügung) nach Deutschland zu importieren. Weltweit ist die Bestrahlung in mehr als 60 Ländern erlaubt. Bestrahlte Ware aus Ländern außerhalb der EU darf derzeit aus Südafrika, der Schweiz und der Türkei eingeführt werden. In jedem Fall müssen so behandelte Produkte gekennzeichnet werden.

Die Deklaration muss lauten: "bestrahlt" oder "mit ionisierenden Strahlen behandelt". Dies gilt sowohl für bestrahlte Erzeugnisse wie auch für deren Verwendung als Zutaten, unabhängig von der Menge der Zutat im Endprodukt, beispielsweise Kräuterkäse. Die Vorgaben betreffen verpackte und lose Ware gleichermaßen. In der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft ist die Bestrahlung nicht erlaubt.

Sind bestrahlte Lebensmittel schädlich?

Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Bestrahlung von Lebensmitteln gesundheitlich unbedenklich. Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) kommt zu dem Ergebnis, "dass mit der Lebensmittelbestrahlung keine mikrobiologischen Risiken für Verbraucher verbunden sind". Wie bei jedem anderen Konservierungsverfahren können mit der Bestrahlung geringe Nährstoff- und Vitaminverluste verbunden sein.

Aus Sicht der Verbraucherzentralen muss sichergestellt sein, dass die Bestrahlung nicht als Ersatz für mangelhafte Hygiene oder für gute Herstellungs- oder Landwirtschaftsverfahren eingesetzt wird.


Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung

Mit Hilfe der so genannten photostimulierten Lumineszenz lässt sich feststellen, ob Lebensmittel bestrahlt wurden. Kontrollen der Untersuchungsbehörden haben ergeben, dass im Jahr 2013 1,4 Prozent (41 Proben) der in Deutschland auf Bestrahlung untersuchten 2.886 Lebensmittelproben zu beanstanden waren. Im Jahr 2012 waren rund 0,5 Prozent(13 Proben) von 2.716 untersuchten Lebensmittelproben beanstandet worden. Es handelte sich dabei um nicht ordnungsgemäße Kennzeichnung von bestrahlten Lebensmitteln und um Produkte, die rechtswidrig bestrahlt angeboten wurden.
Der Anteil bestrahlter Lebensmittel ist aber gering. So wurden in Deutschland 2013 insgesamt 891 Tonnen (Vorjahr: 289 Tonnen) Lebensmittel bestrahlt, von denen etwa 103 Tonnen (Vorjahr: 132 Tonnen) für den Export in die Europäische Union bestimmt waren. Zum Vergleich: Im selben Jahr wurden alleine rund 804.000 Tonnen Äpfel in Deutschland geerntet. Gewerblich erzeugt wurden 1,1 Millionen Tonnen Rindfleisch und 5,5 Millionen Tonnen Schweinefleisch sowie 1,5 Millionen Tonnen Geflügelfleisch.