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Kunststoffe

Stand:

PET, PE und PVC - wo sind die Unterschiede? Wie werden diese Kunststoffe eingesetzt?

Das Wichtigste in Kürze:

  • PET ist beständig gegen Öle, Fette, Alkohole und verdünnten Säuren und wird häufig für Mikrowellenschalen und Becher eingesetzt.
  • PE ist der meistverwendete Kunststoff und gegen Säuren, Laugen, Öle und Fette sehr beständig. Er eignet sich gut für Gefrierbeutel und -behälter.
  • PVC hat eine hohe Beständigkeit gegen Säuren, Laugen, Alkohol und Öl und wird häufig im Non-Food-Bereich verwendet.
  • PP weist gute Barriereeigenschaften gegen Fett und Feuchtigkeit auf und wird oft für Behälter und Folien verwendet.
  • PS ist aufgeschäumt als "Styropor" bekannt und wird häufig für Unterlagen, Schalen und Behälter für Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse oder zur Mitnahme von Speisen in Restaurants und Imbissen eingesetzt.
  • PC und PA wird bei Wasserspendern, Trinkflaschen, Mikrowellengeschirr und Küchengeräten eingesetzt. Wegen der hormonartigen Wirkung von Bisphenol A ist die Verwendung im Lebensmittelbereich mittlerweile rückläufig.
Plastikabfall
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Polyethylenterephthalat (PET) – Recyclingcode "01"

PET gehört zu der Familie der Polyester. Bekannt ist es vor allem als Material von Ein- und Mehrwegflaschen für kohlensäurehaltige Getränke. Daneben bestehen auchUmverpackungen für frisches Obst und To-go-Salate oder Clear Cups häufig aus PET.

PET ist beständig gegen Öle, Fette, Alkohole und verdünnten Säuren. Es kann zudem mit anderen Kunststoffen oder Aluminium beschichtet, bedampft oder in Form von Verbundmaterialien eingesetzt werden.

PET wird in drei Qualitätsklassen angeboten: nichtkristallines oder amorphes PET; ist mechanisch nur wenig belastbar. Die Dauereinsatztemperatur liegt zwischen -40°C und +60°C. Es ist jedoch transparent und wird deshalb auch für Lebensmittelverpackungen wie beispielsweise für Snacks oder Eiscreme eingesetzt.

Teilkristallines PET ist weniger transparent, dafür aber stabiler. Es ist härter und belastbarer als nicht kristallines PET und besitzt eine höhere Barriere gegenüber Sauerstoff und Kohlensäure. Es kann zwischen -20°C bis +120°C Dauereinsatztemperatur verwendet werden.

Vollständig kristallines PET ist undurchsichtig und wird häufig für Mikrowellenschalen und Becher eingesetzt.

Polyethylen (PE) – Recyclingcode "02" und "04"

Polyethylen ist ein thermoplastischer, das heißt ein unter bestimmten Temperaturen verformbarer Kunststoff. Durch seine Eigenschaften und den vergleichsweise niedrigen Preis ist es mit rund 30% Anteil der meist verwendete Kunststoff. Einer seiner Vorteile ist, dass PE gegen Säuren, Laugen, Öle und Fette sehr beständig ist und somit als Behältnis für viele unterschiedliche Substanzen, auch im Non-Food-Bereich, verwendet werden kann.

Durch unterschiedliche Herstellungsweisen kann Polyethylen mit einer hohen Dichte (HD-PE = High Density Polyethylen, Recyclingcode "02") oder Polyethylen mit einer niederen Dichte (LD-PE = Low Density Polyethylen, Recyclingcode "04") erzeugt werden.

LD-PE ist transparent und im Vergleich zu HD-PE wesentlich flexibler. LD-PE findet in der Nahrungsmittelindustrie breite Verwendung, meist in Kombination mit anderen Materialien für Verpackungsfolien wie beispielsweise Frischhaltefolien. Darüber hinaus wird LD-PE häufig auch als sogenannte Siegelschicht für Tragetaschen oder bei Innenbeschichtungen von Milchkartons eingesetzt. HD-PE dagegen ist milchig weiß und fester als LD-PE. Es kommt vor allem bei festen Lebensmittelverpackungen und Tragetaschen zum Einsatz.

Polyethylen behält je nach Typ seine Eigenschaften über eine Temperaturspanne von -60°C bis +85°C (= Dauereinsatztemperatur). Daher eignet es sich gut für Gefrierbeutel und -behälter. Dagegen wird es für Mikrowellenverpackungen oder als Kochbeutelmaterial eher weniger eingesetzt.

Da Polyethylen eine hohe Gasdurchlässigkeit besitzt, kann es für Verpackungen mit Schutzgasen nur in Verbindung mit Verbundfolien eingesetzt werden. Um die Schutzgasatmosphäre zu erhalten, muss die Verpackung bestimmte Barriere-Eigenschaften gegenüber Sauerstoff, Kohlendioxid und Wasserdampf aufweisen.

Polyvinylchlorid (PVC) – Recyclingcode "03"

Polyvinylchlorid (PVC) ist ein Kunststoff mit sehr breitem Einsatzgebiet, vor allem im Non Food-Bereich. Es ist in seiner Ausgangsform hart und spröde, kann aber durch die Zugabe von Weichmachern elastisch und formbar gemacht werden. Außerdem besitzt es eine hohe Beständigkeit gegen Säuren, Laugen, Alkohol und Öl.

Hart-PVC wird in der Lebensmittelindustrie unter anderem für die Herstellung von Flaschen für Speiseöle und Essig oder für Verpackungen von Pralinen und Bonbons verwendet.

Weich-PVC dient zum Beispiel der Herstellung von Schrumpffolie. Diese schrumpft unter Wärmeeinwirkung zusammen und schützt und stabilisiert ihren Inhalt dadurch beim Transport und der Lagerung. Sie wird häufig für die Verpackung von Paletten oder die Umverpackung von PET-Getränkeflaschen eingesetzt. Im Handel findet man noch PVC-Folien an Frischetheken. Der Einsatz des besonders kritischen hormonwirksamen Weichmachers DEHP ist in Verpackungen für fetthaltige Lebensmittel aber verboten. Frischhaltefolien im Haushalt bestehen heute durchweg aus Polyethylen, das keine Weichmacher enthält.

In Lebensmittelverpackungen stellen Weichmacher ein Risiko für den Übergang von unerwünschten Stoffen in das Lebensmittel dar. Daher verlor PVC in der Lebensmittelindustrie zunehmend an Bedeutung. Inzwischen wurde es jedoch so weiterentwickelt, dass daraus auch Frischhaltefolie ohne Weichmacher hergestellt werden kann.

Polypropylen (PP) – Recyclingcode "05"

Polypropylen ist ein eher junger Kunststoff, chemisch dem Polyethylen ähnlich, aber fester und temperaturbeständiger. Wegen seiner guten Barriere-Eigenschaften gegenüber Fett und Feuchtigkeit gehört es zu den mit am meisten verwendeten Kunststoffen bei Lebensmittelverpackungen.

Es wird je nach Herstellungsverfahren für Behälter oder Folien verwendet und kommt bei Bechern, zum Beispiel für Milchprodukte, Flaschenverschlüssen, kochfesten Folien und Schalen, die heiß gesiegelt werden zum Einsatz. Die Dauereinsatztemperatur liegt bei maximal 100°C, daher werden daraus auch hitzebeständige, für die Mikrowelle geeignete Gefäße hergestellt. Unter 0°C wird es in der Regel spröde.

Polystyrol (PS) – Recyclingcode "06"

Polystyrol zählt zu den ältesten Kunststoffen. Hauptsächlich wird es für Einwegtrinkbecher, Deckel mit Ausguss für Kaffeebecher oder Einmalbesteck verwendet. Aber auch Joghurtbecher, Verpackungen für Honig, Kaffeesahne, Gebäck und Süßwaren werden aus Polystyrol produziert.

Als aufgeschäumter Polystyrol (Expandierter Polystyrol-Hartschaum = ESP), auch bekannt unter dem Handelsnamen Styropor, wird Polystyrol für die Herstellung von Unterlagen, Schalen und Behältern für Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse oder zur Mitnahme von Speisen in Restaurants und Imbissen eingesetzt.

Polystyrol ist im Vergleich zu anderen Kunststoffen sehr preiswert. Außerdem besitzt es eine hohe Durchlässigkeit für Wasserdampf und Gase und ist geruchs- und geschmacksneutral, was gerade für die Lagerung von Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch vorteilhaft ist. Die Dauereinsatztemperatur liegt zwischen -10°C und +70°C.

Weitere Kunststoffe: Beispiel Polycarbonat (PC) und Polyamid (PA)

Polycarbonat entsteht als Reaktionsprodukt von Kohlensäuredichlorid (Phosgen) und Bisphenol A). Es zeichnet sich durch seine Härte aus, denn es verfügt über eine hohe Festigkeit und ist nur schwer zerbrechlich.

Bis 2011 wurde Polycarbonat in sterilisierbaren Babyfläschchen eingesetzt. Heute findet man es noch bei Wasserspendern, Trinkflaschen, Mikrowellengeschirr und Küchengeräten. Wegen der hormonartigen Wirkung von Bisphenol A ist die Verwendung im Lebensmittelbereich mittlerweile rückläufig.

Da Polycarbonat transparent und farblos ist, werden daraus auch Brillengläser und optische Linsen hergestellt. Polycarbonat dient außerdem als Rohstoff für CDs und kann in Thermopapier von Kassenzetteln enthalten sein.

Polyamide sind Polymere auf Basis von Peptidbindungen. Es besteht also eine chemische Verwandtschaft zu Eiweißmolekülen. Ein bekannter Vertreter aus der Gruppe der Polyamide ist Nylon. Die meisten Polyamide verfügen über eine hohe Festigkeit und Zähigkeit und sind industriell leicht zu verarbeiten. Im Verpackungsbereich sind sie als gute Barriere gegen Sauerstoff und Feuchtigkeit geschätzt.

Verwendung finden sie für Folien, Wurstpellen und als Barrierematerial in Kombination mit anderen Kunststoffen, zum Beispiel als Mittelschicht in PET-Bierflaschen.

Zusammen mit Polyethylen ergeben sich Mehrschichtfolien für die Vakuumverpackung von sauerstoffempfindlichen Lebensmitteln wie Schinken, Käse oder Würsten.