Kostenloses Online-Seminar "Warm, unabhängig, zukunftssicher: Die Wärmepumpe für Ihr Eigenheim“ am 17. Februar um 14 Uhr. Jetzt hier anmelden.

App-Test »Umwelt-Herausforderung«: Eine Herausforderung ganz anderer Art

Stand:
Der titelgebenden "Umwelt-Herausforderung" dieser App möchte man sich gar nicht erst stellen, denn die Software weist zahlreiche Mängel auf. Da hilft es auch nicht, dass die Idee hinter der App durchaus Mehrwert in Sachen gelebter Klimaschutz bietet. Aber eben nur in der Theorie.
Illustration der Erde mit lächelndem Gesicht als Logo der App UMWELT-HERAUSFERUNG

Umwelt-Herausforderung hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Verbraucher:innen zu einem nachhaltigen Lebenswandel zu motivieren. Ein gewagtes Unterfangen angesichts hochprofessioneller und reichweitenstarker Mitbewerber wie Earnest, Klima und 2Zero. Leider erwies sich die hier getestete App in unserem Test schnell als technisch wie inhaltlich fragwürdig. Zwar gehen einige Funktionen wie Echtzeitinformationen zur regionalen Luftqualität und ein Lärmsensor als hilfreiche Gimmicks durch, mit seinem Kernanliegen jedoch scheitert Umwelt-Herausforderung, denn der App gelingt es nicht, den Mehrwert individueller Klimaschutzmaßnahmen nachvollziehbar zu machen.

Off

Name: Umwelt-Herausforderung (Environment Challenge)
Anbieter: Amin Atitallah
Kategorie: Nachhaltiger Alltag
Zielgruppe: Erwachsene
Betriebssystem: Android
Preis: kostenlos
Links: Google Play Store

Was passiert mit meinen Daten?

Die positiven Nachrichten zuerst: Umwelt-Herausforderung ist kostenlos, benötigt zur Nutzung keine Registrierung und ist frei von werblichen Inhalten. Weniger gut: Der Anbieter bietet weder in der App selbst noch auf einer dazugehörigen Webseite Informationen zur Datensicherheit und Nutzungsbedingungen an. Bei Google Play wird zum Zeitpunkt unseres Tests (Juni 2024) das letzte Update mit dem 13. April 2024 datiert. Die Aktualisierung ist also nur wenige Wochen alt. Daher ist es umso überraschender, dass wir online nirgendwo auf Informationen zum Anbieter mit Sitz in Paris und die Datenschutzbestimmungen der App fanden. Angesichts der bei Verwendung von Umwelt-Herausforderung abgefragten Freigaben - beispielsweise der GPS-Ortung zur Anzeige der lokalen Luftqualität - bewerten wir diesen Umstand sehr kritisch.

Was steckt hinter den Herausforderungen?

Knapp 40 Challenges bietet Umwelt-Herausforderung ambitionierten App-Nutzer:innen an, die sich zum überwiegenden Teil um die Verkleinerung des eigenen CO2-Fußabdrucks drehen: Die Reduzierung des Wasser- und Stromverbrauchs, Vermeidung von Papierausdrucken, überflüssigen Verpackungen und Lebensmitteln mit Palmöl sowie eine fleischarme Ernährung gehören dazu. Außerdem motiviert die App zu einem gesünderen Lebensstill, beispielsweise durch Verzicht aufs Rauchen oder regelmäßige sportliche Aktivitäten. Zwar ist der individuelle und gesellschaftliche Mehrwert solcher Maßnahmen unbestritten, worin sich dieser im Detail zeigt und was genau zu tun ist, um beispielsweise gewerbliche Umweltsünder zu identifizieren und zu boykottieren, verrät Umwelt-Herausforderung aber nicht. Meist beschränken sich die auf Zeiträume von drei bis fünf Tagen begrenzten Challenges auf allgemeingültige Aussagen und Motivationssprüche ("Ihre Bemühungen fördern das Wohl des Gemeinschaft und die Umweltschonung."). In wenigen Fällen fanden wir konkrete Handlungsanweisungen, beispielsweise zur Vermeidung von Stromverschwendung oder gedruckten Kontoauszügen. Meist folgt auf Challenge-Überschriften wie "Müll trennen", "umweltfreundlich einkaufen" oder "Umweltprobleme kennenlernen" aber kein erklärender Text, wie die jeweilige Herausforderung umzusetzen ist.

 

Beispielhafte Screenshots der App UMWELT-HERAUSFORDERUNG (Environment Challenge)
Der Startscreen (Abb.1) wirkt noch aufgeräumt, aber je weiter man in die Funktionen von "Umwelt-Herausforderung" vordringt, desto oberflächlicher und fehlerhafter werden die Inhalte (Abb.2&3). Bei den Messfunktionen der App herrscht dann vollends Verwirrung (Abb.4). (Quelle: Screenshots)

Was bedeuten diese Zahlen?

Unterhalb der aktuell gewählten Challenge zeigt Umwelt-Herausforderung Kacheln mit Titeln wie "Luftqualität" und "Lärmbelästigung" an. Hinter diesen befinden sich aktuelle Messwerte, die man sich standortgenau (Luftqualität) oder landesweit (Wasserqualität, Ökosystem) anzeigen lassen kann. Erlaubt man der App den Zugriff auf das Smartphone-Mikrofon, lässt sich außerdem der Lärmpegel in Dezibel messen. Auch hier vermissten wir beim Testen unverzichtbare Informationen, mit deren Hilfe man die angezeigten Werte verstehen und einordnen kann. So erfahren wir, dass Deutschland hinsichtlich der "Black Carbon Emissionsintensität" mit einem Ergebnis von 92,1 auf Rang 31 gut abschneidet. Sehr schlecht stehe es laut App aber um die Fischerei auf Rang 58 mit einem Ergebnis von 14,0. Und was eine "PM2.5 Belichtung" (Rang 22, Ergebnis 70,4) und "Biomschutz" (global Rang 1 , laut App) konnten wir selbst mit viel Fantasie nicht erahnen. Ähnlich verhält es sich mit den zuvor besprochenen Challenges, in denen der Öko-Mehrwert unter anderem in Kilogramm gesparten Abfalls bemessen wird. Wie diese genau sich diese Maßeinheit zusammensetzt und aus welcher Quelle die Daten stammen, verrät Umwelt-Herausforderung nicht. 

Fazit

Der Titel unseres Testbeitrags bildet auch den Kern unseres Fazits: Die Nutzung von Umwelt-Herausforderung stellt uns vor ganz neue Herausforderungen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Sowohl hinsichtlich zentraler Verbraucherschutzaspekte wie Datensicherheit und Informationen zum Anbieter als auch mit Blick auf die technischen und inhaltlichen Qualitäten weist die App große Defizite auf. Verbraucherinnen und Verbraucher, die auf der Suche nach der nächsten Nachhaltigkeits-Challenge sind, kriegen woanders mehr geboten.

Handhabung2 Sterne
Spaß1 Stern
Mehrwert1 Stern
Motivation1 Stern
Datensparsamkeit1 Stern
Gesamtwertung1 Stern

Diese App-Rezension entstand im Rahmen des zum 31. Dezember 2024 beendeten Projekts "Smart fürs Klima", gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Verbraucherschutz und nukleare Sicherheit (BMUV). Ziel des Projekts war die Prüfung von Nachhaltigkeits- und Klimaschutz-Apps auf Verbraucherschutzaspekte sowie ihre Eignung als Unterstützung für umweltbewusstes Alltagsverhalten. Weitere Testberichte finden Sie unter www.verbraucherzentrale.de/climapps/archiv.

Förderhinweis BMUV

Ratgeber-Tipps

Das Vorsorge-Handbuch
Wer sich wünscht, selbstbestimmt zu leben und Entscheidungen zu treffen, und sich wünscht, das auch am Lebensabend zu…
Fit und gesund - für Frauen ab 50
Menopause, Knochenhaushalt, Nährstoffbedarf, Ernährung, knackende Knochen - der Körper von Frauen ab 50 ist vielen…
Schmuckbild

Sanieren in Wohnungseigentümergemeinschaften leicht gemacht

In vielen Wohnanlagen steckt enormes Potenzial zur Energieeinsparung. Für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) ist die Umsetzung jedoch oft komplex: Mehrere Eigentümer:innen müssen sich auf Maßnahmen und Zeitpläne einigen, technische Fragen klären und rechtliche Rahmenbedingungen beachten. Das kann abschreckend wirken – muss es aber nicht.
Logo des Podcasts "dürfen die das?" neben Illustration eines Smartphones, in dessen Kameraline ein Kopfhörer zu sehen ist.

"dürfen die das?" Podcast – Staffel 2: K.I. dir trauen? (3/4)

Ging es jahrzehntelang beim Onlineshopping hauptsächlich um Preise, Qualität und einen verlässlichen Kundenservice, gewinnt der Faktor Bequemlichkeit mit dem Einzug generativer künstlicher Intelligenz in das digitale Einkaufserlebnis stark an Bedeutung. Und ist die KI nicht die beste Kaufberaterin?
Schmuckbild

Zu alt für den Rabatt?

Ein Anbieter wirbt online mit einem Altersrabatt auf Brillengläser. Ein Verbraucher, der auf eine günstige Brille gehofft hatte, erfährt erst beim Optiker-Termin vor Ort, dass das Angebot nur eingeschränkt gilt.
Logo des Podcasts "dürfen die das?" neben Illustration eines Smartphones, in dessen Kameraline ein Kopfhörer zu sehen ist.

"dürfen die das?" Podcast – Staffel 2: Labubudubaimatchacup (2/4)

Wenn unterhaltsamer Video-Content von Werbeclips unterbrochen wird, warten wir entweder genervt auf deren Ende oder klicken sie nach Möglichkeit schnell weg. Doch was tun wir, wenn wir in einer digitalen Dauerwerbesendung stecken, aus der wir nicht entkommen können - oder wollen!
Logo des Podcasts "dürfen die das?" neben Illustration eines Smartphones, in dessen Kameraline ein Kopfhörer zu sehen ist.

"dürfen die das?" Podcast – Staffel 2: Inventur im Onlineshop (1/4)

Manipulative Klickstrecken, unseriöse Nutzerwertungen, Ramsch aus "China-Shops" und verlockende App Games um Bonuspunkte und Rabatte in Onlineshops. Die zweite Staffel unserer Podcastreihe "dürfen die das?" beginnt mit einer Bestandsaufnahme zum Verbraucherschutz im E-Commerce im Jahr 2026.