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Nutra Digest von Nutravya

Stand:
Haben Sie schon von dem Produkt gehört bzw. negative Erfahrungen vorliegen? Das Werbevideo ist natürlich erstklassig, aber man ist bei diesem Preis ja auch misstrauisch.
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Frage

Haben Sie schon von dem Produkt gehört bzw. negative Erfahrungen vorliegen? Das Werbevideo ist natürlich erstklassig, aber man ist ja auch misstrauisch.

Antwort

Nach zahlreichen Anfragen und Beschwerden zu diesem Produkt in 2019 - wir hatten damals die Lebensmittelüberwachung eingeschaltet - erfüllt die Internetseite inzwischen zumindest die meisten Kriterien nach Telemediengesetz (jetzt wird eine Geschäftsadresse in Frankreich angegeben, wobei sich die Seite ausschließlich an deutsche Kundschaft richtet). Die Internetseite selbst wird in den Niederlanden gehostet. Der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen gibt dem Shop www.nutravya.de die Wertung "gelb" (Abstufung rot-gelb-grün).

Es werden aber weiterhin unzulässige gesundheitsbezogene Angaben (siehe unten) getätigt und es fehlen Pflichtangaben wie eine Zutatenliste. Die 2022 noch fehlende Nährwertkennzeichnung ist inzwischen vorhanden. Die Produktnamen einiger anderer  Produkte wie "Cardio", "Somnia" oder "Detox" verstoßen durch ihren Krankheitsbezug gegen geltendes Recht.

Das Produkt "Nutra Digest" beinhaltet eine ganze Reihe von Pflanzenstoffpulver und -Extrakten aus angeblichen „Superfrüchten“, die zusammen laut Werbung eine „einzigartige Wirkstoff-Formel“ darstellen sollen. Darunter sind Traubenkernextrakt, Pilzpulver, Berberin, aber auch Schwarzer Pfeffer (Piperin). Piperin soll die Aufnahme von Pflanzenstoffen (Bioverfügbarkeit) erhöhen. Wahrscheinlich erhöht es aber auch die Aufnahme von Wirkstoffen aus Medikamenten, was problematisch sein kann. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sollten Erwachsene sollten nicht mehr als 2 Milligramm isoliertes Piperin pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen. Es ist allerdings nicht erkennbar, wie viel Piperin im Produkt enthalten ist, es ist lediglich die Menge Schwarzer Pfeffer angegeben.

Auch traditionelle Heilpflanzen wie Eibischwurzel (Althaea, traditionell eingesetzt gegen trockenen Husten) oder Wermut (Artemisia, traditionell eingesetzt bei Magen-Darm-Beschwerden) werden als Pulver verwendet. Allerdings ist nicht klar, welche Teile der Pflanze dafür verwendet werden. Laut Stoffliste Pflanzenteile von BfARM/BVL sollte die Sicherheit von Wermut von der EU hinsichtlich ihrer Sicherheit geprüft werden, für Eibisch wird nur eine beschränkte Verwendung empfohlen. Eine pharmakologische Wirkung wie Heilpflanzen dürfen diese Zutaten in Nahrungsergänzungsmitteln - also Lebensmitteln - nicht entfalten.

Für Aussagen wie "fördert eine gesunde Darmflora und unterstützt Ihre Darmgesundheit somit auf ganz natürliche Weise" oder "vereint 16 rein natürliche Wirkstoffe in einer einzigen kraftvollen Formulierung, die speziell entwickelt wurde, um Ihren Organismus vor Endotoxinen zu schützen" fehlen die wissenschaftlichen Belege. Es gibt keine diesbezüglich von der EU zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen.

Unser Tipp für eine "gute Verdauung“: Reichlich Ballaststoffe zu sich zu nehmen, trägt zu einer gesunden Darmflora bei und hilft, Darmträgheit zu vermeiden. Dazu sind  keine Nahrungsergänzungsmittel nötig. Eine ausgewogene Ernährung mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln, wie Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten sowie Sauermilchprodukten wie Naturjoghurt liefert vielfältige Ballaststoffe und ist daher wirkungsvoller als ein einzelnes Lebensmittel mit zugesetzten Stoffen. Viel Flüssigkeit und ausreichend Bewegung geben dem Darm zusätzlichen Schwung.

 

Quellen:

Stofflisten Pflanzen und Pflanzenteile des BVL, Einträge A-K, 2. Auflage 2020

Ziegenhagen R et al. (2021): Safety Aspects of the Use of Isolated Piperine Ingested as a Bolus. Foods 8 (10): 2121. doi: 10.3390/foods10092121.

 

Zum Weiterlesen:

Sekundäre Pflanzenstoffe – warum sie wichtig sind

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