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Was ist Naturkosmetik?

Stand:
Naturkosmetik oder Bio-Kosmetik sind keine gesetzlich geschützten Begriffe. Wer Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs bevorzugt, sollte sich nicht auf die Werbung verlassen, sondern sich an Naturkosmetiksiegeln orientieren.
Aloe vera Creme

Das Wichtigste in Kürze:

  • Naturkosmetiksiegel sind strenger als das Gesetz: Sie verbieten mehr Inhaltsstoffe als die EU-Kosmetik-Verordnung.
  • Menschen mit einer Allergie sollten bei jedem Kosmetikprodukt – egal ob Naturkosmetik oder nicht – die Inhaltsstoffliste prüfen, denn auch natürliche Duftstoffe oder Pflanzenextrakte können Allergien auslösen.
  • Naturkosmetik bedeutet nicht zwangsläufig "aus biologischem Anbau". Wer  Bio-Kosmetik wünscht, sollte nach entsprechender Kennzeichnung in der Liste der Inhaltsstoffe suchen oder bei Naturkosmetiksiegeln auf den Zusatz "Organic" achten.
  • Vorsicht Greenwashing: Werbung mit Aussagen wie "98 % der Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs", "Bio", "frei von..." oder Abbildungen von Pflanzen auf der Verpackung lenken oft von chemisch-synthetischen Inhaltsstoffen ab.
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Welche Vorteile hat zertifizierte Naturkosmetik?

Hersteller zertifizierter Naturkosmetik müssen sich an die Standards der Naturkosmetiksiegel halten, die über die gesetzlichen Anforderungen an Kosmetik hinausgehen. Folgende Regeln gelten für die gängigen Naturkosmetik-Siegel:

  • Inhaltsstoffe auf Erdölbasis, Silikone und PEG (Polyethylenglykole: Stoffe, die in konventionellen Kosmetikprodukten häufig als Emulgatoren bzw. Schaumbildner eingesetzt werden) sind in zertifizierter Naturkosmetik verboten.
  • Viele Problemstoffe für Umwelt und Gesundheit sind in zertifizierter Naturkosmetik verboten, so unter anderem mineralölbasiertes  Mikroplastik und viele Konservierungsstoffe. Es sind nur mineralische Lichtschutzfilter wie Titanium Dioxide oder Zinc Oxide erlaubt, die auch als Nano-Teilchen eingesetzt werden dürfen.
  • Natürliche Rohstoffe wie pflanzliche Öle dürfen durch festgelegte chemische Reaktionen verändert werden. Es sind nur sehr wenige chemisch hergestellte Stoffe, zum Beispiel einige Pigmente und naturidentische Konservierungsstoffe erlaubt.
  • Es gelten strengere Verbote für Tierversuche als gesetzlich vorgeschrieben.

Woran erkenne ich zertifizierte Naturkosmetik?

Die europäischen Naturkosmetiksiegel BDIH, Ecocert, Cosmebio, ICEA und Soil Association haben den gemeinsamen internationalen Naturkosmetikstandard COSMOS entwickelt. In Deutschland sind vor allem das COSMOS/BDIH und das COSMOS/Ecocert-Siegel sowie das NATRUE-Siegel auf zertifizierten Kosmetikprodukten zu finden.

NaTrue-SiegelBDIHCosmos Natural

Weitere Informationen zu Kosmetiksiegeln finden Sie, wenn Sie auf die Verlinkung klicken.

Stammen die Inhaltsstoffe von zertizifizierter Naturkosmetik immer aus biologischem Anbau?

Naturkosmetik ist nicht immer auch automatisch Biokosmetik: Sowohl bei dem NATRUE- als auch dem COSMOS-Siegel gibt es die Zertifizierungsstufen "Natural" für Naturkosmetik und "Organic" für Bio-Kosmetik.

Bei Stufe "Organic" müssen mindestens 95 Prozent der pflanzlichen oder tierischen Rohstoffe im Produkt aus biologischer Landwirtschaft stammen. Tipp: In der Liste der Inhaltsstoffe werden Bio-Inhaltsstoffe in der Regel speziell gekennzeichnet, beispielsweise mit einem Stern.

Pflanze drauf – Natur drin? Vorsicht, Greenwashing!

Die Kosmetikwerbung gaukelt uns selbst bei chemischen Oxidationshaarfarben - also dem "Chemielabor auf dem Kopf" - noch  Natürlichkeit vor, in dem Bilder von Pflanzen und Ölen auf der Verpackung abgebildet werden. Oder es steht groß "mit Aloe vera" oder "mit Mandelöl" auf einer Creme. In Wirklichkeit besteht diese dann trotzdem teilweise aus chemisch-synthetischen Stoffen wie Paraffin oder Silikonöl, denen geringe Mengen pflanzlicher Inhaltsstoffe beigemischt wurden. Anders als bei Lebensmittel gibt es bei Kosmetik keine Vorschrift, den prozentualen Anteil des hervorgehobenen Inhaltsstoffes in der Inhaltsstoffliste anzugeben. Tipp: je weiter hinten ein Inhaltsstoff in der Inhaltsstoffliste ("Ingredients") steht, umso weniger davon ist im Produkt enthalten.

Der Begriff "Bio" ist bei Kosmetik anders als bei Lebensmittel nicht geschützt. Deshalb wird er manchmal als Namensbestandteil verwendet, obwohl keine Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau enthalten sind.

Auch Aussagen wie "95 Prozent Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs" sind bei einem Shampoo oder Duschgel keine Garantie auf Naturkosmetik. Denn der Wasseranteil von etwa 80 Prozent darf gemäß der Naturkosmetiknorm ISO 16128 zu den Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs mitgerechnet werden. Wenn der Wasseranteil nicht mitgerechnet würde, käme heraus, dass etwa 25 Prozent der Inhaltsstoffe nicht natürlichen Ursprungs sind.

Es gibt einige Kosmetikhersteller, die überwiegend auf Inhaltsstoffe natürlicher Herkunft setzen, aber dennoch nicht auf bestimmte chemisch-synthetische Inhaltsstoffe verzichten. Solche "naturnahen" Kosmetikprodukte erfüllen in der Regel nicht die Anforderungen der Naturkosmetiksiegel, weil sie Inhaltsstoffe enthalten, die bei diesen verboten sind.

Tipps für Menschen mit Allergien

Wer unter einer Allergie leidet, sollte in jedem Fall die Inhaltsstoffe auf der Verpackung mit seinem Allergiepass vergleichen – egal, ob es sich um Naturkosmetik handelt oder nicht. Denn natürliche ätherische Öle und Pflanzenextrakte können ebenso wie chemisch-synthetische Substanzen Allergien auslösen.

Für Menschen mit einer Allergie gibt es im Handel spezielle Naturkosmetik ohne Duftstoffe. Teilweise trägt diese zusätzlich das Siegel des Deutschen Allergie und Asthma Bundes (DAAB).

Cremes und Lotionen lassen sich durch ein reines, hautpflegendes Pflanzenöl wie Jojoba-, Kokos- oder Mandelöl ersetzen, das auf die feuchte Haut aufgetragen wird. Auf diese Weise können Emulgatoren, Konservierungs-, Farb- und Duftstoffe einfach vermieden werden.  Auch bei solchen Ölen sollten Sie die Allergene, auf die Sie reagieren, meiden, beispielsweise sollte jemand mit einer Erdnussallergie vorsorglich kein Erdnussöl verwenden.

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