Bargeld unerwünscht

Stand: 01. Oktober 2026

Im Parkhaus, am Stadioneingang oder am Automaten heißt es immer öfter: „Kein Bargeld“. Selbst bei einzelnen Behörden kann man heute nicht immer bar bezahlen. Wer bar zahlen will oder auf Bargeld angewiesen ist, steht dann vor einem ganz praktischen Problem. Noch sind solche Fälle im stationären Handel eher die Ausnahme. Von einer flächendeckenden Verdrängung des Bargelds kann derzeit keine Rede sein. Wohl aber wächst die Zahl konkreter Hürden im Alltag.

Für Verbraucher:innen ist das mehr als eine lästige Umstellung. Bargeld schützt die Privatsphäre, weil es ohne digitale Datenspur genutzt werden kann. Es funktioniert offline, unabhängig von Apps, Kontozugang und digitaler Infrastruktur. Für viele bleibt Bargeld deshalb die einzige verlässlich nutzbare Möglichkeit, im Alltag zu bezahlen, ohne auf digitale Zahlungswege angewiesen zu sein. 

Das betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche, manche Ältere, Menschen in prekären Lebenslagen und Menschen mit Behinderungen, sondern im Grundsatz jeden. Wenn Bargeld ausgeschlossen wird, erschwert das die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Spätestens bei einem großflächigen Stromausfall zeigt sich zudem, dass Bargeld auch eine Frage gesellschaftlicher Resilienz ist.

Rechtlich ist die Lage derzeit unbefriedigend.  Auf Euro lautende Banknoten sind zwar das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Daraus folgt aber nach heutiger Rechtslage nicht automatisch, dass jeder private Anbieter Bargeld immer annehmen muss. Die Annahme von Bargeld kann bislang unter bestimmten Voraussetzungen vorab ausgeschlossen werden, wenn andere Zahlungsarten vor Vertragsschluss klar erkennbar vorgegeben werden. Genau hier liegt das Problem: Solange Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel ist, muss es im Alltag auch tatsächlich einsetzbar bleiben. Dafür braucht es klare Regeln gegen pauschale Bargeldausschlüsse, jedenfalls dort, wo Verbraucher:innen Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs vor Ort bezahlen.

Auf europäischer Ebene wird bereits an einer Stärkung des Bargelds gearbeitet. Die Europäische Kommission hat einen Verordnungsvorschlag vorgelegt, der die Rolle von Euro-Bargeld als gesetzlichem Zahlungsmittel absichern und die Akzeptanz sowie den Zugang zu Bargeld stärken soll. Ein digitaler Euro mag später hinzukommen, um Teilhabe auch in der digitalen Welt zu ermöglichen. Für das heutige Problem an der Kasse hilft das noch nicht. Bis dahin können Verbraucher:innen problematische Anbieter allenfalls meiden oder ihren Unmut deutlich machen. Das reicht nicht. Es braucht mindestens dort eine klare Akzeptanzpflicht für Bargeld, wo Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs vor Ort bezahlt werden.


Dieser Text ist so in der Verbraucherzeitung 4/26 erschienen.

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