PFAS-Schadstoffe in vielen Lebensmittel- und Fast Food-Verpackungen

Stand: 07. Oktober 2026

Seit August 2026 gelten bereits EU-Grenzwerte für PFAS in Lebensmittelverpackungen, am 10. Oktober kam nun auch ein PFHxA-Verbot für Papier und Pappe hinzu. Die Verbraucherzentralen erklären Ihnen, was neu ist, welche unbedenklichen Mehrweg-Alternativen es gibt und was das neue Verbot für Sie ändert.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fast-Food-Verpackungen aus Papier, Pappe und Zuckerrohr haben zwar ein gutes Öko-Image, sind aber teilweise mit gesundheits- und umweltschädlichen Fluorchemikalien behandelt.
  • Fluorchemikalien, kurz PFAS, machen Verpackungen wasser- und fettabweisend. Sie wurden daher häufig für fettabweisende Lebensmittelverpackungen genutzt.
  • Seit dem 12. August 2026 dürfen Hersteller und Importeure keine Lebensmittelverpackungen mehr auf den Markt bringen, die die neuen Grenzwerte für PFAS nicht einhalten. Die Grenzwerte sind so niedrig, dass eine absichtliche Verwendung quasi ausgeschlossen ist.
  • Ab dem 10. Oktober 2026 dürfen Papier und Pappe mit Lebensmittelkontakt, zum Beispiel Pizzakartons, Pappbecher, Backpapier oder Muffinförmchen, keine PFAS der PFHxA-Familie mehr enthalten. Das Verbot gilt auch für Restbestände im Handel.
  • Mehrere Untersuchungen an Fast-Food-Verpackungen, Einweggeschirr oder Strohhalmen aus Papier zeigten: Die Produkte enthielten häufig bedenkliche Fluorchemikalien.

Warum sind Fluorchemikalien in Lebensmittelverpackungen ein Problem?

Sogenannte Fluorchemikalien, kurz PFAS, können Materialien wie Papier oder Pappe wasser- und fettabweisend machen. Hinter der Abkürzung PFAS verbergen sich mehr als 10.000 verschiedene Substanzen. Sie werden in

eingesetzt.

Dort werden vor allem Einweg-Verpackungen wie Fast-Food-Verpackungen mit Fluorchemikalien behandelt. Beispielsweise Pommes- oder Donut-Tüten werden somit fettabweisend gemacht, damit sie nicht durchweichen.

Fluorchemikalien können jedoch nicht abgebaut werden, sondern bleiben als "ewige Gifte" dauerhaft in der Umwelt. Viele Fluorchemikalien sind außerdem gesundheitsschädlich und können sich im menschlichen Körper anreichern. Die Verbraucherzentralen fordern daher, gemeinsam mit weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen, ein Verbot von Fluorchemikalien in Lebensmittelkontaktmaterialien und vielen anderen Produkten.

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Sie werden in diesem Text der Verständlichkeit halber vereinfacht als Fluorchemikalien bezeichnet, ganz korrekt wäre der Begriff Organofluorchemikalien.

Studien zeigten: bedenkliche Schadstoffe in Fast-Food-Verpackungen

Die folgenden Untersuchungen stammen aus der Zeit vor den neuen EU-Regeln. Sie zeigen, warum die Grenzwerte und Verbote nötig waren.

2024 untersuchte das Institut für Bedarfsgegenstände in Lüneburg etwa 40 Proben von Einwegverpackungen aus Papier, Pappe und Bagasse. Bagasse sind Reste der Zuckerrohrproduktion, die ähnlich wie Papier verarbeitet werden.

20 Proben enthielten Fluorchemikalien, darunter auch bereits verbotene Substanzen. Als besonders kritisch werden Hinweise zur Kompostierbarkeit auf diesen Einwegverpackungen angesehen, weil so die Fluorchemikalien direkt in Böden und von dort zum Beispiel ins Gemüse gelangen können.

In einer Studie von 2021 wurden europaweit 99 Einwegverpackungen für Lebensmittel und Geschirr von

  • Fast-Food-Läden,
  • Supermärkten und
  • Online-Shops

betrachtet. Davon wurden 42, überwiegend fettabweisende Verpackungen im Labor auf Fluorchemikalien untersucht. Alle bestanden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Papier, Pappe, Zuckerrohr oder Weizen.

Das Ergebnis: In 32 untersuchten Verpackungen waren die Ewigkeitschemikalien absichtlich zugesetzt worden, die restlichen 10 enthielten unbeabsichtigte Verunreinigungen.

Am stärksten belastet war als "kompostierbar" beworbenes Einweggeschirr wie Schüsseln, Teller oder Boxen aus Zuckerrohr. Wenn solche Produkte ins Altpapier, den Biomüll oder auf den Kompost gelangen, führt das zu einer Verbreitung von Fluorchemikalien in Recyclingpapier oder in der Umwelt.

In Verpackungen von Fast-Food-Ketten wie McDonald's, KFC, Subway, Dunkin' Donuts oder Nordsee wurden Fluorchemikalien in einer Menge nachgewiesen, die auf eine absichtliche Behandlung mit diesen Stoffen schließen lässt.

Sind "Ewigkeitschemikalien" weiterhin in Lebensmittelverpackungen erlaubt?

Nur noch in sehr geringen Mengen. Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verbietet seit dem 12. August 2026 Importeuren oder Herstellern den Verkauf von Lebensmittelverpackungen, die absichtlich mit PFAS behandelt wurden, indem sie Grenzwerte für PFAS festgelegt hat.

Die Regeln gelten für Verpackungen und verpackte Lebensmittel, die ab dem 12. August 2026 erstmals in Verkehr gebracht werden. Ware, die vorher in Verkehr gebracht wurde, kann deshalb noch eine Weile im Handel sein.

 

PFHxA-Verbot ab 10. Oktober 2026: Was gilt zusätzlich für Papier und Pappe?

Ab dem 10. Oktober 2026 ist in der EU die PFAS-Untergruppe PFHxA (Perfluorhexansäure) in Papier und Pappe mit Lebensmittelkontakt verboten. Das Verbot erfasst auch ihre Salze und verwandte Stoffe, die sich zu PFHxA umwandeln können. Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EU) 2024/2462, die die EU-Chemikalienverordnung REACH ergänzt.

Für Verbraucher:innen sind vor allem zwei Unterschiede zur Verpackungsverordnung wichtig:

  • Mehr Produkte: Das PFHxA-Verbot gilt für alle Papier- und Pappprodukte mit Lebensmittelkontakt, nicht nur für Verpackungen. Dazu zählen zum Beispiel Backpapier, Muffinförmchen sowie Pappteller und Pappbecher für zu Hause oder die Party.
  • Kein Abverkauf: Das Verbot gilt für jeden Verkauf ab dem Stichtag, also auch für Restbestände im Handel.

Das Verbot betrifft außerdem Kleidung, Schuhe, Kosmetik und Imprägniersprays. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zu PFAS in Alltagsprodukten.

Was bedeuten die neuen Regeln für Sie?

  • Neue Lebensmittelverpackungen sind sicherer: Fettabweisende Pizzakartons, Pommestüten oder Burgerboxen dürfen nicht mehr mit PFAS imprägniert werden. Hersteller müssen auf andere Lösungen ausweichen, zum Beispiel Beschichtungen ohne Fluorchemie.
  • Ältere Ware kann noch im Umlauf sein: Bei verpackten Lebensmitteln mit langer Haltbarkeit und Einwegartikeln aus Lagerbeständen können noch PFAS-haltige Verpackungen auftauchen.
  • Keine Kennzeichnung: Ob eine Verpackung PFAS enthält, steht nicht darauf. Der Perlentest gibt einen ersten Hinweis.

Mehrweg bleibt die beste Wahl: Mit eigener Dose oder Mehrwegbecher umgehen Sie das Problem vollständig.

Warum sind Fluorchemikalien ein Problem?

  1. Viele Fluorchemikalien sind toxisch
    Von vielen Fluorchemikalien ist bekannt, dass sie gesundheitsschädlich sind. So gibt es Hinweise aus Tierversuchen, dass Fluorchemikalien krebserzeugend wirken, die Schilddrüsenfunktion stören sowie das Immun- und das Hormonsystem schädigen können. Einige Fluorchemikalien können auch die Wirksamkeit von Impfungen verringern. Indem Fluorchemikalien von den Verpackungen in Lebensmittel übergehen, tragen sie somit zur Gesamtbelastung der Bevölkerung bei.
  2. Fluorchemikalien sind nicht abbaubar
    Fluorchemikalien sind chemisch sehr stabil, lösen sich sowohl in Wasser als auch Fett und verteilen sich daher leicht in der Umwelt. Von dort aus gelangen sie in die Nahrungskette. Wegen ihrer Langlebigkeit heißen sie auch "ewige Gifte". Sie lassen sich selbst in der Antarktis oder in entlegenen Bergregionen nachweisen.

Wie kann ich erkennen, ob Fluorchemikalien eingesetzt wurden?

Es gibt keine Kennzeichnungspflicht für Fluorchemikalien in Bedarfsgegenständen wie Lebensmittelkontaktmaterialien oder Textilien. Daran ändern auch die neuen EU-Regeln nichts. Ein einfacher "Perlen-Test" kann aber wertvolle Hinweise geben: Geben Sie einen Tropfen Speiseöl auf die Verpackung. Wenn das Material mit Fluorchemikalien behandelt ist, bildet das Öl auf der Oberfläche einen Tropfen oder eine Perle.

Wenn der Tropfen verläuft oder einzieht, ist unwahrscheinlich, dass PFAS eingesetzt wurden.

Dieser Test ersetzt jedoch keine chemische Analyse. Es könnten auch andere Verfahren verwendet worden sein, um Materialien fettabweisende Eigenschaften zu verleihen.

Wie kann ich Verpackungen mit Schadstoffen meiden?

Auf der sicheren Seite ist, wer unterwegs Mehrwegdosen, beispielsweise aus Edelstahl, dabei hat und sich Pommes Frites, Suppe, Burger oder fettiges Gebäck direkt darin einpacken lässt.

  • Verbraucher:innen haben seit Januar 2023 das Recht, Essen und Trinken zum Mitnehmen in Mehrwegbehältern zu erhalten. Größere Gastronomiebetriebe müssen Mehrweg vorhalten, kleinere Betriebe immerhin mitgebrachte Dosen akzeptieren.
  • Auch auf Partys oder Veranstaltungen ist Mehrweggeschirr die bessere Wahl.
  • Als Alternative zu Papierstrohhalmen empfehlen die Verbraucherzentralen Mehrweg-Strohhalme, beispielsweise aus Glas oder Edelstahl.

Was unternehmen die Verbraucherzentralen gegen Schadstoffe in Lebensmittelverpackungen?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) setzt sich für sichere Lebensmittelverpackungen ein: Zum Beispiel, indem er sich mit entsprechenden Forderungen an die Politik wendet. Der europäische Verbraucherverband (BEUC) war zudem an einer der beschriebenen Studien beteiligt und fordert ebenfalls Schadstoffverbote, strengere Gesetze und engmaschigere Kontrollen.

Beratung & Angebote