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Telemedizin – was die Fernsprechstunde für Patienten möglich macht

Stand:

Kurz mit dem Arzt per Video sprechen, ob die geröteten Augen besorgniserregend sind und dringend behandelt werden müssen. Das ist ein Beispiel für Telemedizin. Sie verbindet Arzt und Patient, auch wenn sich beide nicht am gleichen Ort befinden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Von Telemedizin spricht man, wenn Arzt und Patient oder Ärzte miteinander kommunizieren, obwohl sie räumlich getrennt sind. Das reicht vom Video-Telefonat bis hin zu Messgeräten bei Ihnen zu Hause, auf die Ihr Arzt Zugriff hat.
  • Telemedizin kann gerade in ländlichen Regionen und bei Fachärztemangel eine Möglichkeit sein, Patienten zu betreuen. Die Infrastruktur dafür muss aber noch ausgebaut werden.
  • Ab 2021 müssen gesetzliche Krankenkassen Ihnen eine elektronische Patientenakte zur Verfügung stellen.
Eine Ärztin spricht per Laptop und Headset mit einem Patienten.
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Beispiele für Telemedizin

Videosprechstunden

Fernbehandlungen waren deutschen Ärzten bislang nicht erlaubt, sind aber durch eine Änderung der Berufsordnung der Ärzte im Juni 2018 möglich geworden. Ausschließliche Fernbehandlungen, wie Videosprechstunden, sind nun möglich, "wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt (…) gewahrt wird".

Fernbehandlungen werden den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient nicht ersetzen können, aber sie können ihn gerade in ländlichen Regionen und bei Fachärztemangel ergänzen.

Zweitmeinungsportale

Es gibt im Internet eine Reihe von Portalen, die ärztliche Zweitmeinungen kostenpflichtig anbieten. Diese Anbieter haben teilweise Kooperationen mit einigen Krankenkassen geschlossen. Ist das zwischen Ihrer Versicherung und einem Zweitmeinungsportal der Fall, übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten.

Wollen Sie solch ein Angebot nutzen, erkundigen Sie sich also vorher, ob Ihre Kasse die Kosten übernimmt. Die Zweitmeinung wird dann meist auf einem solchen Weg eingeholt: Reichen Sie Ihre Unterlagen online oder per Post ein und füllen Sie einen Fragebogen aus, den der zuständige Spezialist auswertet und eine Empfehlung für die weitere Behandlung gibt. Begleitende Telefonberatungen sind möglich.

Beispiele für Zweitmeinungsportale sind Medexo, Krebszweitmeinung und 2.te Zahnarztmeinung.

Videokonferenzen

Von Telemedizin spricht man auch, wenn Ärzte miteinander per Video miteinander kommunizieren. Ein Beispiel sind die bundesweiten Schlaganfallnetze: hier unterstützen Kliniken mit neurologischem Fachwissen andere Kliniken, die dieses Spezialwissen nicht haben, per Videokonferenz.

Der zugeschaltete Neurologe hat Zugriff auf Computertomografie-Bilder und unterstützt den behandelnden Arzt vor Ort über eine Kamera bei der Untersuchung des Patienten.

Überwachung von Patienten ("Telemonitoring")

Ein anderes Beispiel für Telemedizin ist die Betreuung von chronisch kranken Patienten, wie z.B. Patienten mit einer chronischen Herzschwäche. Hier werden Patienten auch zu Hause laufend überwacht.

Hilfreich dabei und immer häufiger im Einsatz: mobile Messgeräte, die dem behandelnden Arzt die gemessenen Werte elektronisch übermitteln. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes soll so sofort erkannt und behandeln werden.

Ausbau der sicheren Datenverbindungen liegt nun beim Ministerium

Für den bundesweiten sicheren Austausch von medizinischen Daten ist die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik) zuständig. Sie baut die sog. Telematikinfrastruktur in Deutschland auf - das ist quasi die elektronische Datenautobahn, auf der diese besonders schützenswerten Daten ausgetauscht werden sollen.

Der Aufbau hat sich über viele Jahre sehr schleppend hingezogen, 2019 hat das Bundesministerium für Gesundheit die Mehrheitsanteile an der Gesellschaft übernommen, so dass sich der weitere Ausbau zügiger gestalten soll.

Die elektronische Gesundheitskarte

Die elektronische Gesundheitskarte hat die vorherigen Krankenkassenkärtchen abgelöst. Bislang befinden sich auf ihr nur Ihr Name, ein Foto und Ihre Versichertennummer. Geplant sind weitere, freiwillige Anwendungen, etwa:

  • die Speicherung von Notfalldaten (wie Vorerkrankungen, Allergien, Blutgruppe)
  • das elektronische Rezept, mit dem Sie als Patient in die Apotheke gehen können
  • ein elektronischer Medikationsplan
  • und die elektronische Patientenakte, mit der ein Arzt nahtlos weiter behandeln kann und Befunde Ihrer anderen Ärzte vorliegen hat (mehr dazu siehe unten).

Die elektronische Patientenakte (ePA)

Spätestens ab 2021 müssen die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten eine von der gematik zugelassene elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügung stellen und ihre Versicherten darüber informieren.

Die Nutzung der elektronischen Patientenkarte ist für Versicherte freiwillig. Außerdem sollen Sie jederzeit die Hoheit über Ihre Akte haben. Sie sollen auf Ihre Daten mit dem PC oder dem Smartphone zugreifen können, Inhalte einsehen, einstellen, löschen und den behandelnden Ärzte eine Berechtigung zum Zugriff auf die Daten erteilen können.

Gespeichert werden können u.a. Befunde, Diagnosen, Behandlungsmaßnahmen, Notfalldaten und der Medikationsplan.

Chancen und Risiken

Die zunehmende Digitalisierung in der Medizin kann eine Chance sein, die Patientensicherheit zu verbessern und in ländlichen Regionen und bei einem Mangel an Fachärzten die Versorgung zu verbessern.

Laut einer vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Auftrag gegebenen Studie aus dem Jahr 2016 begrüßen viele Patienten die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung. Viele machen sich aber Sorgen um die Sicherheit ihrer Daten. Auch unter Experten ist die Frage, wie die Sicherheit der Daten gewährleistet werden kann, weiterhin umstritten.