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Vorsicht: Schadstoffe in Kunststoffgeschirr mit Bambusbeimischung

Stand:
Bambus wird häufig als umweltfreundliche Alternative für Coffee to go-Becher und anderes Geschirr angepriesen. Tatsächlich handelt es sich aber oft nur um Kunststoffe mit Bambusbeimischung, und die können gesundheitsschädlich sein und dürfen zudem gar nicht verkauft werden.
Bambusbecher und Bambuszweig

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bambusgeschirr besteht nicht immer nur aus Bambus, sondern häufig auch aus Kunststoffen wie Melaminharz.
  • Verschiedene Untersuchungen und Produktrückrufe zeigen seit längerem, dass viele der Gefäße Formaldehyd und Melamin an Lebensmittel abgeben. Formaldehyd kann Krebs erzeugen. Melamin kann zu Schäden an Blase und Nieren führen.
  • Empfehlenswerte Materialien für Mehrweggeschirr sind vor allem Edelstahl, Glas und Porzellan
  • Kunststoffgeschirr mit Beimischung von Bambusmehl, Reishülsen, Maisstärke oder Weizenstroh darf nicht verkauft werden.
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Die meisten Anbieter von Bambus-Geschirr werben mit nachwachsenden Rohstoffen, Recycelbarkeit und Natürlichkeit. Die Produkte sollen eine umweltfreundliche Alternative zu Plastik sein. Eigentlich handelt es sich aber oft nur um eine Mischung aus Bambusmehl und Melaminharz oder Harnstoff-Formaldehydharz.

Reines Bambus oder Bambusbeimischung: Was ist der Unterschied?

Ob es sich um Geschirr handelt, das aus echtem Bambus besteht oder um eine Mischung mit Stoffen wie Melaminharz, erkennen Sie an der Beschaffenheit der Oberfläche.

Reines Bambusgeschirr

Foto: BRRT / pixabay

Reines Bambusgeschirr

  • Holzmaserung ist erkennbar
  • Die Farbe ist hell- bis dunkelbraun.

Kunststoffgeschirr mit Bambusbeimischung

Foto: oksix / stock.adobe.com

Kunststoffgeschirr mit Bambus­bei­mischung

  • Matte Oberfläche
  • Das Material ist meist gefärbt oder bedruckt.
  • Bambuspulver und Maisstärke werden als Füllstoffe verwendet.

Hinweis: Reines Melamingeschirr

Natürlich können Sie auch reines Melamingeschirr erwerben. Geschirr aus reinem Melaminharz neigt aber auch ohne den Zusatz von pflanzlichen Fasern unter bestimmten Bedingungen zur Freisetzung von Melamin und Formaldehyd. Daher rät das Bundesinstitut für Risikobewertung davon ab, Melamingeschirr für heiße Lebensmittel zu verwenden oder es in der Mikrowelle zu erhitzen. Für Pfannenwender und Kochlöffel ist Melaminharz ebenfalls kein geeignetes Material. Melamingeschirr mit angegriffener oder beschädigter Oberfläche sollte nicht weiter für Lebensmittel verwendet werden.

Info: Geschirr aus Melamin-Formaldehydharz lässt sich manchmal an dem Kürzel MF erkennen. Eine Pflicht zur Materialkennzeichnung gibt es für Lebensmittelkontaktmaterialien aber leider nicht.

Viele Bambusbecher mit Kunststoff setzen Schadstoffe frei

In den letzten Jahren haben mehrere voneinander unabhängige Institute Geschirr mit Bambusbeimischung getestet. Alle kamen zu ähnlichen Ergebnissen:

  • Im Juli 2019 testete Stiftung Warentest zwölf Bambusbecher – alle mit Kunststoffbeimischung: Sieben davon wurden mit "mangelhaft" bewertet, weil sie unzulässige Mengen an Schadstoffen an das Getränk abgaben, wenn sie mit heißen Flüssigkeiten gefüllt waren.
  • 2017 veröffentlichte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart die Ergebnisse aus drei Jahren Laborarbeit, in denen 45 als Bambusgeschirr beworbene Produkte getestet wurden. 35 davon bestanden aus einem Bambus-Kunstharz-Gemisch. Die Ergebnisse waren alarmierend:
    Elf der 35 Produkte gaben erhebliche Mengen Formaldehyd oder Melamin an die zur Prüfung verwendete Flüssigkeit ab und überschritten teilweise die gesetzlichen Grenzwerte. Laut der Untersuchung hätten alle 35 Gegenstände nicht verkauft werden dürfen.
  • Weiterführende Untersuchungen aus Stuttgart im Jahr 2018 zeigen, dass die Freisetzung von Formaldehyd und Melamin bei den meisten getesteten Bambusbechern mit der Zeit, also bei mehrmaliger Prüfung, sogar noch zunimmt.

Benutzen Sie bereits erworbenes Geschirr aus dem Material in keinem Fall weiter!

Die Becher und anderes Geschirr aus Kunststoff mit Naturfaserbeimischung stellen eine Gesundheitsgefahr dar. Da sie nie zugelassen wurden, dürften sie gar nicht erst in den Verkauf gelangen.

Warum sind Melamin und Formaldehyd so gefährlich?

Die Stoffe, die bei der Nutzung des Kunststoffgeschirrs an heiße Getränke und Speisen abgegeben werden, sind gesundheitsschädlich.

  • Formaldehydgas kann Krebs erzeugen.
  • Melamin, der Ausgangsstoff für die Herstellung von Melaminharzen, kann zu Schäden an Blase und Nieren führen.

Gemische aus Kunststoffen und Bambusmehl dürfen nicht verkauft werden

Eine Expertengruppe der EU erklärte im Juni 2020, dass Produkte aus Mischungen von Kunststoffen und Bambusmehl nicht verkauft werden dürfen. Denn für Kunststoffprodukte, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, müssen alle Stoffe, die beigemischt werden, dafür eine Zulassung erhalten. Bambusmehl, Weizenstroh, Reishülsen oder Maisstärke wurden aber nie für diese Art der Nutzung zugelassen.

Produkte aus reinem Bambusmaterial wie Schneidebretter aus Bambus sind davon nicht betroffen und weiterhin zulässig.

Alternativen zu Melamin- und Bambusgeschirr

Häufig wird vor allem deshalb zu „Bambus“-Geschirr gegriffen, weil die Verwendung von Einwegbechern oder -geschirr vermieden werden soll. Auch wenn der Bambusbecher sich nicht als gesundheitsverträgliche Mehrweglösung erwiesen hat, müssen Sie aber Ihren Coffee to go nicht wieder aus dem Pappbecher trinken. Schauen Sie nach Mehrwegbechern aus anderen Materialien.

Alternativen zu Bambus-Gemischen

  • Edelstahl
  • Thermobecher aus Edelstahl haben im Vergleich zu den Bambusbechern sogar den Vorteil, dass das Getränk warmgehalten wird. Dosen und Schüsseln aus Edelstahl sind leicht und bruchfest. Für unterwegs sind sie meistens auch mit dicht schließenden Deckeln erhältlich.
  • Glas und Porzellan
    Glas und Porzellan eignen sich hervorragend für die Verwendung mit Lebensmitteln.
  • Kunststoffe
    Es gibt verschiedene Kunststoffarten. Untersuchungen zeigen, dass ein und dieselbe Kunststoffart mal unbedenklich ist und mal bedenkliche Stoffe freisetzen kann. Generelle Empfehlungen für bestimmte Kunststoffsorten können die Verbraucherzentralen daher nicht aussprechen. Bestenfalls wird die Kunststoffsorte gekennzeichnet, aber die Zusatzstoffe sind unbekannt. HDPE (High Density Polyethylene) und das etwas hitzebeständigere PP (Polypropylen) fielen bisher aber seltener durch Schadstofffreisetzung auf. Weitere Tipps finden Sie in der kostenlosen Broschüre "Kunststoffe erkennen und bewerten".

Um den Chemikalienübergang zu reduzieren, empfiehlt es sich vorsorglich, für heiße und/oder fettige Lebensmittel keine Behältnisse aus Kunststoff  sondern aus Glas, Edelstahl oder Porzellan zu verwenden.

Sie haben noch Fragen zu Schadstoffen? Die Online-Schadstoffberatung der Verbraucherzentrale NRW bietet weitere Informationen. Dort können Sie außerdem eigene Fragen bequem per Kontaktformular stellen und erhalten innerhalb weniger Tage kostenlos eine Antwort.