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Kürbiskernextrakte – natürliche Prostatawirkstoffe?

Stand:
Kürbiskernprodukte werden zur Behandlung von Prostatabeschwerden verkauft - doch die Studienergebnisse für Nahrungsergänzungsmittel machen wenig Hoffnung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn Sie Beschwerden beim Wasserlassen hat, lassen Sie diese in der Hausarzt- oder urologischen Praxis abklären und versuchen Sie nicht, eigenmächtig eine Therapie durchführen.
  • Eine eindeutige und bleibende Verbesserung der typischen Prostatabeschwerden durch Kürbiskernextrakte in Form von Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht belegt.
  • Diese Kürbiskernextrakte können weder die Ursache der Prostatavergrößerung bekämpfen noch die Vergrößerung rückgängig machen.
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Was steckt hinter der Werbung zu Kürbiskernextrakten?

"Statt OP - so wird Ihre Prostata wirklich gesund!", "Nachts nicht mehr zur Toilette", "reduziert den ständigen Harndrang" - diese Werbung für pflanzliche Prostatamittel mit Kürbiskernextrakten ist speziell auf Männer zugeschnitten, die unter einer vergrößerten Prostata leiden. Sie hoffen auf "natürliche, sanfte" Medizin zur Behandlung ihrer Beschwerden und wollen so eventuelle Nebenwirkungen synthetischer Medikamente oder gar Operationen vermeiden.

Kürbiskernextrakte sollen bei verzögertem, häufigem, abgeschwächtem oder schmerzhaftem Wasserlassen aufgrund vergrößerter Prostata helfen, bei verlangsamter Blasenentleerung, Nachträufeln oder wenn die Blase nicht vollständig entleert werden kann.

Zwar gelten Kürbiskerne in der Volksheilkunde als wirksam gegen Prostatabeschwerden. Schulmediziner bemängeln aber die unzureichende Studienlage. Urologische Fachgesellschaften geben daher bisher keine Empfehlungen für die Behandlung von gutartigen Prostatavergrößerungen mit Pflanzenextrakten ab - weder für pflanzliche, frei verkäufliche Arzneimittel noch für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Eine klare, eindeutige und bleibende Verbesserung der typischen Beschwerden durch Kürbiskernextrakte ist nicht belegt.

Nahrungsergänzungsmittel mit Kürbiskernextrakten unterliegen zudem dem Lebensmittelrecht. Sie dürfen nicht heilen, lindern oder Krankheiten vorbeugen. Die Extrakte sind im Gegensatz zu Arzneimitteln nicht definiert, es gibt also keine Vorgaben für Inhaltsstoffe, deren Mengen oder Herstellungsprozesse. Die Produkte benötigen, anders als Arzneimittel, keine Zulassung. Für die Sicherheit und Wirksamkeit ist alleine der Hersteller verantwortlich.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Produkten mit Kürbiskernextrakt achten?

Kürbiskernextrakte können weder die Ursache der Prostatavergrößerung beseitigen noch können sie helfen, die Vergrößerung wieder rückgängig zu machen. Bei der Einnahme von Kürbiskernextrakten kann es längere Zeit, also mehrere Wochen bis Monate dauern, bis eventuell eine (geringfügige) Verbesserung leichter Beschwerden zu spüren ist.

In der Regel werden weder die Kosten für Nahrungsergänzungsmittel noch für traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, weil die Wirkbelege fehlen.

Was sind Kürbiskernextrakte?

Aus den Kernen einer als "Arzneikürbis" bezeichneten Kürbissorte werden verschiedene Bestandteile herausgelöst, also extrahiert.

Das Problem: Nahrungsergänzungsmittel verschiedener Hersteller können unterschiedlich zusammengesetzt sein, je nachdem, welche Bestandteile bzw. Extrakte und welche Extraktionsverfahren verwendet werden. Und Ergebnisse aus einer Studie für ein bestimmtes Produkt können nicht automatisch auf andere Produkte und Extrakte übertragen werden.

Nahrungsergänzungsmittel, die Kürbisbestandteile enthalten, gibt es in vielfältiger Form: Kapseln oder Dragees mit pulverisierten Kernen, Extrakten oder sogar mit Kürbiskernöl. Aber auch Kapseln mit Konzentrat aus Kürbisfruchtfleisch sind auf dem Markt.

Welche Inhaltsstoffe sind in Kürbiskernextrakten enthalten?

Kürbiskernextrakte enthalten etwa 60 % Linolsäure (eine Omega-6-Fettsäure), Pflanzensterine wie Beta-Sitosterol, außerdem Carotinoide, SelenMagnesium sowie weitere Bestandteile. Für eventuelle positive Wirkungen sind vermutlich die Pflanzensterine verantwortlich.

Statt bei Prostatabeschwerden möglicherweise unwirksame Mittel einzukaufen, sollten Sie lieber mit den  Sie behandelnden Ärzt:innen bzw. Urolog:innen das Gespräch suchen.
Eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung, viel Bewegung, ein normales Gewicht und der Verzicht auf Alkohol können dazu beitragen, einen zusätzlichen Druck auf Blase und Prostata zu verhindern.

Quellen:


Höfner K. et al. (2016): S2e-Leitlinie der Deutschen Urologen: Konservative und medikamentöse Therapie des benignen Prostatasyndroms. Urologe 2016; 55(2): 184-194 (eingesehen am 03.03.2022)

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) / gesundheitsinformation.de: Gutartige Prostatavergrößerung. Stand: 10.01.2018 (eingesehen am 03.03.2022)

Medizin transparent (Stand: 2017): Kürbiskerne nutzlos für die Prostata.  (eingesehen am 03.03.2022)

Stiftung Warentest: Pflanzliches Mittel: Phytosterol. Stand: 01.03.2020 (eingesehen am 03.03.2022)

Eickhoff C (2010): Selbstmedikation bei Prostatabeschwerden. Wachstum schafft Probleme.  PTA-FORUM (2) (eingesehen am 03.03.2022)